AfD

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Die Alternative für Deutschland (AfD) ist eine deutsche Partei aus dem konservativen Spektrum. Begonnen hatte sie als bürgerliche, eurokritische Partei mit prominenten Figuren an der Spitze. Später wurde sie neurechts, deutlich kontroverser und immer stärker pro-russisch. Viele in der Partei verbreiten typische Russlandpropaganda und es gibt diverse Kontakte nach Osten.

Prorussischer Kurs

“Solche Ideen einer zu beseitigenden Vorherrschaft der USA in Europa finden auch in der AfD Zustimmung. So sagte der Kulturpolitische Sprecher der AfD Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, im August auf einem Russlandkongress seiner Partei in Magdeburg, der westliche Liberalismus, der sein geistiges Zentrum an den US-amerikanischen Universitäten habe, sei am Ende. Zugleich warb Tillschneider dafür, sich mit den Theorien von Alexander Dugin auseinanderzusetzen.”

Im Endeffekt erinnern einige Linke und AfD-ler mit ihrer primitiven „Ami-Go-Home-but-we-love-Russia“-Propaganda an die Kommunisten im Kalten Krieg und werden genau das gleiche Ergebnis ihrer Bemühungen ernten: Diskreditierung und Frustration. Wenn die AfD-ler nur endlich schnallen würden, dass die Russen bei uns genauso auch Muslime und die politische Mitte bearbeiten, dann wären sie nicht mehr so naiv.

Auf dem Erfurter Parteitag hieß es "Keine Sanktionen gegen Russ-land", "keine deutschen Steuergelder für die demokratisch nicht legitimierte Regierung in Kiew“. Dafür gab es viel Applaus. AfD-Bundesvize Alexander Gauland will ein "starkes" und somit "freund-liches Russland". Kritische AfD-Mitglieder erklärten, mit der Resolu-tion sei man auf Linie mit Marine Le Pen von der französischen Front National. Die "Welt" berichtete:

In einem Interview mit dem Fernsehsender Russia Today (RT) hat der AfD-Politiker Armin-Paul Hampel das Vorge-hen des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegen Oli-garchen wie Michail Chodorkowski verteidigt. Die Deut-schen wüssten einfach zu wenig über die tatsächlichen Er-eignisse in Russland.

Hampel war zu dem Zeitpunkt Vorsitzender der niedersächsischen Alternative für Deutschland und zuvor einst Korrespondent der ARD. Die Oligarchen hätten laut Hampel "keinen Einfluss" mehr auf die russische Politik und die Menschen im Westen müssten dies akzeptieren. In Wirklichkeit sind Putin und seine Vertrauten selbst die neuen Oligarchen.

Immer mehr Stimmen in der AfD fantasierten über eine „Achse Paris-Berlin-Moskau“ und verstiegen sich zu Behauptungen, eine solche Politik sei ganz im Sinne Bismarcks. Auch Frauke Petry schwafelte von einer Freihandelszone von “Lissabon bis Wladiwostok” und einer Annäherung an Russland in Sachen Sicherheit. Eventuell wollte sie nur den rechten Flügel damit beruhigen. Beatrix von Storch sprach auch über eine Freihandelszone mit der Pleite-Diktatur Russland.

Einige AfD-ler betrachten sich in der Tradition Bismarcks mit ihren Ost-Sympathien, ohne wirklich Bismarcks strategische Entscheidungen zu verstehen. Auch die DDR-Propagandisten bogen sich einst die Geschichte zurecht und versuchten, Bismarck herzunehmen, um gegenüber den Ostdeutschen das russische Joch schönzureden.

Die BILD will aus Geheimdienstkreisen erfahren haben, dass geheimdienstnahe russische Banken konservative europäische Parteien unterstützen wollen. Ein Strategiepapier des Moskauer Think Tanks „Centre for Strategic Communications“ empfiehlt eindringlich, dass Präsident Putin weiterhin die Rolle des Führers der Konservativen auf der ganzen Welt spielen sollte, um Russlands Macht u.a. nach Europa auszudehnen. Wirklich Interesse an souveränen konservativen Nationalstaaten in Europa hat er natürlich nicht. Mit Goldgeschäften würde der Kreml sich gerne entscheidenden Einfluss bei der AfD sichern. Eine weitere Option ist, geheimdienstnahe Banken günstige Kredite an die AfD geben zu lassen.

Nach der Spaltung der AfD und dem Weggang von Lucke und den Prominenten sanken die Umfrageergebnisse auf mickrige 3% und erholten sich lange nicht. Fast schien es bereits, dass man ähnlich in der Versenkung verschwinden würde wie die Piratenpartei, aber dann geschah die Flüchtlingskrise von 2015. Alexander Gauland war bei einer Propagandaveranstaltung in Berlin, zusammen mit Wladimir Jakunin, Putins Koordinator für den Westen. Der Spott ist groß: Falls die AfD irgendwann Brandenburg kontrolliert und die LINKE Thüringen, kann um diese Bundesländer eine Mauer errich-tet und das Ganze dann “Neurussland” genannt werden, während russische Soldaten ohne Abzeichen ein “Unabhängigkeitsreferen-dum” überwachen. Alexander Gauland glaubt zu wissen, was am besten für Deutschland, Russland und die Welt wäre. Aber was geht wirklich in seinem Kopf vor und wie ist sein seltsames Geschichtsverständnis zu werten? 2014 kam er sogar zu einem vertraulichen Treffen in die russische Botschaft, wobei ihn der AfD-Politiker Paul Hampel aus Niedersachsen begleitete. Gauland sülzt gerne darüber, wie Russland nach 1989 "gedemütigt" wurde:

"Man demütig kein großes Volk von keinem großen Staat. Wir haben Russland aber nach 1989 gedemütigt und ernten nun die Folgen davon."

Das Gewäsch von der großen Demütigung hört man immer wieder aus allen Richtungen, passt aber nicht zu den historischen Begebenheiten. Die Sowjetführung handelte mit dem Westen einfach einen Deal aus. Die tyrannische Sowjetführung wurde nach 1989 nicht für ihr Tun bestraft, sondern konnte sich neu organisieren und Gauland heult, dass den russischen Eliten dann nicht genügend Respekt entgegen gebracht wurde. Auf welchem Planeten lebt der Mann eigentlich? Man kann seine Ausführungen auch nicht als staatsmännische Abge-klärtheit betrachten, denn die einzigen, die vor und nach 1989 per-manent gedemütigt wurden und werden, sind die russischen Bürger und die verarmten Menschen im gesamten Ostblock. Bei der Ukraine will Gauland Russlands Wünschen entgegenkommen:

„Außerdem sollten wir darauf bestehen, dass sich das Land föderalisiert und die Russen sicher in Charkow und Donezk leben können.“

Die Märchen über faschistische Horden aus Kiew, die irgendwie das Wohl der russischstämmigen Bevölkerung in der Ostukraine gefähr-den, sind inzwischen gründlich widerlegt.

Lucke missfällt den Russlandfreunden

Es war jedoch Bernd Lucke gewesen, der sich zumindest ein kleines Scheibchen von Bismarck abschnitt. Denn er machte verbal ein paar Zugeständnisse an Russland, bekannte sich zur NATO und betonte eine größere Eigenständigkeit Deutschlands. Das war für die Partei-basis aber viel zu kompliziert. Sie wollte lieber Unfug hören über eine traumhafte Zukunft mit Hilfe der Lichtgestalt Putin. Mit Putins Glanz konnte Lucke einfach nicht mithalten und man bekam den Eindruck, manche Mitglieder betrachteten eher Putin als ihren Chef. Lucke löste dann einiges Entsetzen aus, als er mit seinen Mitstreitern im europäischen Parlament zugunsten von möglichen Sanktionen im absoluten Ernstfall gegen Russland abstimmte. Er erklärte dazu:

„Insbesondere halte ich Wirtschaftssanktionen gegen Russland auch in der jetzigen Lage für kontraproduktiv und kon-flikteskalierend. Gleichwohl müssen die Staaten der Europäischen Union angemessen reagieren können, wenn der Konflikt etwa durch eine militärische Intervention Russ-lands in der Ostukraine zu einem offenen Krieg würde. Ein solcher Schritt Russlands stünde im klaren Widerspruch zum Erfurter Beschluss der AfD. Ich halte es für richtig, für diesen Fall Sanktionen vorzubereiten und abhängig von der konkreten Lage auch zu verhängen.“

Lucke war also sogar noch zu soft gegenüber Putin und dessen verdecktem Krieg. Entweder haben die Putin-Fans in der AfD also nicht genau hingeschaut, wofür Lucke da abgestimmt hatte, oder es wäre für die Putin-Fans völlig in Ordnung, wenn Putin einen offenen Krieg in der Ukraine führen würde. Lucke erklärte noch, wie die politische Realität aussieht:

„Eine Resolution eines Parlaments, das über 700 Abgeordnete aus 28 Staaten repräsentiert und aus den verschiedensten Parteien zusammengesetzt ist, wird man nie maßgeschneidert nach den eigenen politischen Vorstellungen bekommen.“

Jürgen Elsässer vom Compact-Magazin rief dennoch zum Shitstorm gegen den “Verräter” Lucke auf, was wenig überrascht. Denn mit Luckes Kurs wäre die AfD für Moskau unbrauchbar.

„Wenn Lucke mit der oben zitierten Stellungnahme durchkommt, ist die AfD verloren. Eine Partei, die in einer Schicksalsfrage von Krieg und Frieden mit den Kriegstreibern geht, ist überflüssig wie ein Kropf.“

Überflüssig für Moskau vielleicht. Lucke wurde letztendlich wie ein Feind vom Hof gejagt und gründete eine neue Partei.

Bundesparteitag 2017

Der große Parteitag der AfD 2017 durfte vor allem eins nicht werden: Eine peinliche Schlammschlacht, bei der wichtige Funktionäre ihren Abgang verkünden oder von der Bühne und vom Hof gebrüllt werden, oder wo Streitigkeiten um Geldströme und Posten eskalieren oder wo Beobachtern klar wird, dass es sich bei der AfD um mindestens zwei kaum kompatible Parteien unter einem Dach handelt. Und so beschränkte man sich auf die Wahl der neuen Aushängeschilder Gauland (der keine Lust auf noch ein Amt hatte) und Meuthen (der null Strahlekraft auf die Bevölkerung ausübt).

  • NATO-Verbundenheit oder Ranwanzen an das russische Regime? Keine offene Diskussion.
  • Marktwirtschaftliche Ausrichtung oder Wirtschaftssozialismus? Keine Debatte.
  • Wo und wie die Abgrenzung nach rechts stattfinden muss? Vertagt.
  • Will man überhaupt groß auf den parlamentarischen Weg setzen? Dieses Thema gibt’s nur in geschlossenen Facebook-Gruppen.

Der Berliner AfD-Chef Georg Pazderski hatte seinen Hut in den Ring geworfen und wurde aber nicht gewählt. Im JF-Interview erklärt der ehemalige Bundeswehr-Offizier:

“Die AfD ist die mitgliederschwächste Partei, die im Bundestag vertreten ist. Die FDP hat 62.000 Mitglieder, wir nur 27.000.”

Traut sich anscheinend kaum jemand, Mitglied zu werden und Werbung dafür zu machen, weil die Partei doch zu weit rechts ist? Oder sind einige Facebook-Patrioten zu faul, um mehr zu machen als auf irgendwas zu klicken? Wenn wie üblich nur ein Bruchteil der Mitglieder überhaupt aktiv ist, dann reden wir von wenigen Tausend Leuten, die tatsächlich mobilisierbar sind und regelmäßig ihre Beiträge zahlen.

Volker Kauder von der CDU meinte:

“Als das Asylrecht verändert wurde, verschwanden sie [die Republikaner] von der Bildfläche.”

Dies war wirklich ein Grund für das Abflauen des rechten Trends damals. Aber ein weiterer Grund war die Radikalisierung der Partei, die auch mit krummen Mitteln gefördert wurde. Und natürlich gab es kein Internet.

Ein weiteres Kern-Problem der AfD ist weiterhin, dass die Strategie der tausend Nadelstiche der Linken aufgeht. Pazderski beschrieb es als das “Ghetto” aus dem die AfD unbedingt ausbrechen müsse. Das Dilemma ist, einerseits aus dem Ghetto rauszukommen und andererseits nicht die Hälfte der Parteimitglieder zu vergraulen, die unkritisch Sachen glauben, die in rechtsrevisionistischen Büchern und gewöhnlichen Verschwörungsbüchern stehen.

Die neuen Vorsitzenden der Partei wurden Gauland und Meuthen, was bei niemandem Begeisterungsstürme auslöste.

Björn Höcke

Er gilt als einflussreicher Strippenzieher des rechten Flügels. Er fiel mehrfach mit doppeldeutigen Äußerungen und missverständlichen Kommentaren auf, die zwar den rechten Flügel begeisterten, aber den Rest der Partei und viele mögliche Wähler beunruhigte. Die frühere AfD-Vorsitzende Frauke Petry erklärte gegenüber der Bild-Zeitung zu dem Ergebnis des Bundesparteitages:

„Jetzt vollzieht sich, was Björn Höcke schon immer angestrebt hat – mit Gauland eine zweite Marionette als Vorsitzenden zu haben.“

Der Berliner Landeschef Georg Pazderski war die letzte Führungsfigur der Gemäßigten gewesen. Er hatte sich beim Bundesparteitag vergeblich für die Spitzenrolle beworben und scheint dauerhaft machtlos gegenüber Höckes Flügel zu sein. Diejenigen, die wie Bystron aus Bayern zeitweise nicht mit dem Höcke-Flügel konform gingen, wurden beinahe von der Wahlliste geworfen oder hatten andere Konsequenzen zu tragen.

Somit sei die gesamte Partei nun “faktisch in Höckes Hand.” Höcke könnte zu einem späteren Zeitpunkt Thüringen verlassen und sich zum offiziellen Chef der Partei aufschwingen, sobald das Parteiausschlussverfahren gegen ihn Geschichte ist. Einer der Hauptgründe für das Verfahren ist der Verdacht, er könnte früher unter dem Pseudonym Landolf Ladig rechtsextreme Texte veröffentlicht haben in den Magazinen seines Quasi-Nachbarn Thorsten Heise, ein Neonazi der schon mit wichtigen V-Leuten des Verfassungsschutzes über sehr heikle Dinge telefonierte. Im Antrag des Parteiausschlussverfahrens gegen Höcke vor dem Landesschiedsgericht Thüringen schrieb der Anwalt des Bundesvorstandes im April 2017, anhand der vorliegenden Indizien seien vernünftige Zweifel daran, Höcke habe unter der Bezeichnung Landolf Ladig Texte veröffentlicht, nicht mehr möglich. Höcke streitet nach wie vor ab, Ladig gewesen zu sein und das Verfahren wird auf Grund seiner Sympathisanten im Sande verlaufen.

Diverse Beobachter der Angelegenheit haben kommentiert, dass Heise mit seinem Wissen die wahre Person hinter dem Pseudonym Ladig theoretisch kontrollieren könnte. Es wurde zwar ein Mann namens Rigolf Hennig von Heise präsentiert als Urheber der Ladig-Texte, was aber kaum jemanden überzeugt. Wenn, rein hypothetisch gedacht, auch noch irgendjemand Heise kontrolliert, dann könnte derjenige auch die wahre Person hinter dem Pseudonym Ladig kontrollieren. Heise ist wegen seinen zahlreichen Vorstrafen sehr verwundbar.

Björn Höcke erntete heftigste Vorwürfe für eine Rede vor der AfD-Jugend in Dresden über das deutsche Geschichtsverständnis. Das Ganze wurde auch noch live gestreamt vom notorischen COMPACT-Magazin des ehemaligen Antideutschen Jürgen Elsässer, der in den 90er Jahren noch die Wiedervereinigung beweinte und die Befürchtung äußerte, dass sich künftig rechts von der CDU/CSU eine neue Partei etablieren könnte. Der Links-Politiker Dieter Dehm hat gleich eine Strafanzeige eingereicht und auch der NRW-Landesvorsitzende der AfD, Marcus Pretzell distanzierte sich auf Facebook von der Aktion:

Zum wiederholten Male rührt er dabei mit größter Ignoranz an einer 12-jährigen Geschichtsepoche, deren Revision wahrlich nicht Aufgabe der AfD ist.

Die Massenmedien, die Politik und die COMPACT streiten sich nun darum, was Höcke nun tatsächlich gesagt bzw. gemeint habe und was man dazu kommentieren solle. Höcke sagte u.a.:

„Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Auch ein Martin Walser war nicht begeistert gewesen über den “fußballfeldgroßen Alptraum” und die “Monumentalisierung der Schande”, ohne dafür Nazi-Vorwürfe zu ernten. Was aber ist der große Aufreger um das Holocaust-Denkmal? Andere Völker (bzw. Regierungen) waren schlicht zu arrogant und militärisch zu erfolgreich, um große Denkmäler für ethnische Säuberungen aus der eigenen Vergangenheit in die eigenen Hauptstädte zu pflanzen. Höcke musste extra in einer Erklärung später nachschieben, dass er unzweifelhaft “den Holocaust, also den von Deutschen verübten Völkermord an den Juden, als Schande für unser Volk bezeichnet.“

In der Rede vor der AfD-Jugend spulte er noch diverse Floskeln in dem Zusammenhang ab:

„Diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad. Wir brauchen keine toten Riten mehr.“

Höcke forderte in einer parteiinternen E-Mail Ende 2014, die §§ 86 und 130 StGB abzuschaffen. § 86 StGB stellt das Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen, § 130 StGB die Volksverhetzung unter Strafe.[32] „Ethisch unvertretbare Meinungen“ ließen sich „nicht durch Strafnormen vermeiden“.

Höcke will „die nachwachsende Generation mit den großen Wohltätern, den bekannten, weltbewegenden Philosophen, den Musikern, den genialen Entdeckern und Erfindern in Berührung bringen, von denen wir ja so viele haben, … vielleicht mehr als jedes andere Volk auf dieser Welt“.

Frauke Petry

Sie war lange Zeit eine Führungsfigur in der Partei und vertrat eher den gemäßigteren und bürgerlichen Flügel, geriert dann jedoch immer stärker unter Beschuss des rechten Flügels. Neben den politischen Differenzen gab es auch persönliche Animositäten. Unmittelbar nach dem Wahlergebnis bei den Bundestagswahlen 2017 trat sie von ihren posten zurück und wurde fraktionslose Abgeordnete. Sie plant ein neues politisches Projekt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die pro-russischen Kräfte in der Partei sie hinausdrängen wollten wegen ihrer Beharrung auf Westbindung. Die in der DDR geborene Frauke Petry meinte, dass sie „schon wegen [ihrer] Erfahrungen mit der DDR-Diktatur unter russischer Vorherrschaft keinesfalls die stabile Partnerschaft mit den USA gegen eine Vorherrschaft der Russen über Deutschland eintauschen“ wolle. Ihre neue Partei solle westlich orientiert sein und sich freundlich mit Israel stellen. Das war wohl der wahre Grund, weshalb sie in der AfD nur noch unter Beschuss stand. Es geht bei den “Neurechten” und Eurasiern letzten Endes wie immer nur um das, was Moskau will. Das kremlfreundliche Compact-Magazin, das vor wenigen Jahren bereits gegen Lucke eine “Verräter”-Kampagne inszenierte, weil er für eine sehr milde Resolution im Bezug auf die Ukraine-Krise gestimmt hatte, war einer der lautesten Schreihälse gegen Petry gewesen. Petrys Formulierung einer “stabilen Partnerschaft mit den USA” klingt zwar beschönigend und schwammig, aber zumindest versteht sie klar, dass Russland nur Deutschland kontrollieren möchte. Ihre ehemaligen Parteigenossen sehen das genau andersherum und reden von einer angestrebten stabilen Partnerschaft mit Russland sowie einer derzeitigen Vorherrschaft der Amerikaner über Deutschland.

Stimmungen statt Meinungsforschung

Die CDU ist die Partei der nackten Zahlenanalyse, wissenschaftlicher Meinungsforschung und Algorithmen. Deshalb konnte sie Deutschland bisher dermaßen viel antun, ohne im hohen Bogen aus den Parlamenten zu fliegen. Praktisch nichts von Bedeutung wird ohne wissenschaftliche Absicherung getan, ohne ideales Timing und professionelle Wortwahl. Bei der AfD hingegen scheinen Talking Points zu regieren und praktisch niemand untermauert seine Position mit Politikwissenschaft und Meinungsforschung. 3 Millionen AfD-Wähler meinen, die AfD grenze sich nicht genügend nach rechts ab. Aber ein Poggenburg sagt nur: Der Rechtskurs hat uns keine Stimmen gekostet, sondern viele eingebracht. Und natürlich grassiert der Talking Point, dass nur Petry und die anderen Spielverderber und Nestbeschmutzer Schuld seien, dass man nicht 20% bei den Bundestagswahlen geholt hätte.

Als ob 3 Millionen Wähler einfach nur dumm seien und sich von den Massenmedien und Petrys Kritik an Höcke und anderen hätten verunsichern lassen. Fragen wir doch wissenschaftlich einen repräsentativen Ausschnitt dieser 3 Millionen Wähler, was sie erlebt haben, als sie versucht hatten, in ihrem Familien- und Bekanntenkreis Werbung für die AfD zu machen. Diese Wähler würden meiner Abschätzung nach ihr Leid klagen, dass sie kaum an jemanden durchdringen konnten und sich ständig rechtfertigen mussten und es ihnen irgendwann zu peinlich und zu heikel war. Dann müssten die Meinungsforscher noch fragen, wie stark diese Wähler die Massenmedien und Frauke Petry verantwortlich machen für diese Schwierigkeiten und wie stark hingegen Höcke und Co.

Die AfD kann sich solche Forschung durchaus leisten. Für wenige tausende Euros ist man dabei. Alles andere ist nur irreführendes Geschwätz. Bei der AfD ignorieren ein paar Leitwölfe die Ansichten von Millionen von Wählern. Genauso scheren sich einige rechte Medien nicht darum, was Millionen Wähler denken, und erreichen gerade einmal einen winzigen Bruchteil der Wähler.

Die aktuellen Talking Points innerhalb der Partei und in diversen Medien lauten: Petry sei nur machtgeil gewesen und sie könne nicht glaubwürdig die Rechten in der Partei kritisieren, weil sie selber ja das Wort “völkisch” rehabilitieren wollte. Posten und Aufmerksamkeit sind aber auch für andere attraktiv. Es wäre sogar opportunistischer gewesen, wenn Petry einfach nur mitgeschwommen wäre. Und ihre „rechten“ Tendenzen sind nichts im Vergleich zu anderen in der Partei. Her mit den Studien, weg mit dem hohlen Geschwätz.

Kontroverse um Verschwörungsmedien

Die einen wollen eine breit aufgestellte, seriöse, bürgerliche Partei mit Massenpotential, die anderen wollen einen harten Rechtskurs ohne "Abgrenzeritis" und ohne interne Abweichler. Der rechte Flügel sieht sich komplett im Recht, weil er offen ist für die übliche Verschwörungs- und Revisionistenliteratur, ohne zu verstehen wieviel amerikanisch-britische Desinformation darin enthalten ist. Die rechten AfDler wollen keine „Abgrenzeritits“, weil sie ohnehin nicht verstehen, wo die richtigen Abgrenzungen vorgenommen werden müssen und warum.

Die Nationalisten waren viel zu gutgläubig gewesen, was ihre prägende Lieblings-Literatur anbetrifft und gerieten damit zwangsläufig in ein Fahrwasser, das die Linken und die politische Mitte im Land auf die Barrikaden schickt und jeden normalen, konstruktiven Dialog verunmöglicht. Gegen die Mitte und die Linke unter solchen Bedingungen zu kämpfen, ist ermüdend und ruinös. Da hilft es auch nichts, mit den Russen Kontakte zu knüpfen in der illusionären Hoffnung, dass Moskaus Hilfe künftig den Erfolg möglich macht.

Die problematische Literatur, die das gesamte Denken der Rechtsnationalisten geprägt hat, förderte natürlich implizit und explizit eine ausgrenzende und feindselige Haltung gegenüber Andersdenkenen, die nicht die “reine Lehre” akzeptieren wollen. Wer nicht auf der radikalen Linie ist, gilt als “Halber”, als System-Kollaborateur und Karrierist. Unter diesen Voraussetzungen können natürlich in einer Partei wie der AfD keine liberalen und bürgerlichen Kreise neben rechtsnationalen Kreisen zusammenarbeiten. Und deshalb kann es schnell zum großen Showdown und Bruch kommen. Der verbleibende rechte Flügel wäre dann der einzige Einheitsflügel der AfD und falls dieser dann weiterhin große Ergebnisse im Osten einfahren kann und stärker mit russischen Kräften zusammenarbeitet, werden sich die deutschen, britischen und amerikanischen Geheimdienste stärker denn je einschalten. Es ist viel mehr als Ironie, dass Rechtsrevisionismus und Verschwörungsliteratur seit Jahrhunderten von den Briten und Amerikanern gesteuert und manipuliert werden und dass die angloamerikanischen Dienste dann gegen Gruppierungen vorgehen, die von genau dieser Literatur geprägt wurden.

Provokateure

Wichtige Worte von Bruno Bandulet: Die „AfD muß auf die Einschleusung von Provokateuren gefaßt sein.“

Das heißt natürlich nicht, dass man jeden Fundamentalisten gleich als “U-Boot” beschimpfen darf. Aber die Vergangenheit zeigt, wie fatal es ist, wenn man die Radikalinskis einfach so machen lässt:

„Nicht etwa der Verfassungsschutz, sondern das Stuttgarter Innenministerium ließ sich Anfang der neunziger Jahre dann auch noch eine besondere Behandlung für die Republikaner einfallen. Es legte ein Programm auf mit der Bezeichnung „Verdeckte Ermittler rechts“. Dazu wurden junge Kriminalbeamte eingesetzt, die nationalsozialistische „Kameradschaften“ aufbauten, so in Karlsruhe, wo ein ursprünglich harmloser Stammtisch mit JU- und REP-Beteiligung nationalsozialistisch indoktriniert wurde. Auch die AfD muß auf die Einschleusung solcher Provokateure gefaßt sein.“

Jetzt überlegen wir mal, mit welchem Propagandamaterial es solchen Infiltrations-Agenten gelingt, gemäßigte Konservative auf nationalsozialistischen Kurs zu trimmen: Revisionisten-Literatur von Autoren, die der NATO und den Geheimdiensten nahe stehen. Die Strategie ist simple und effektiv: Agenten verfassen und verbreiten manipulative Literatur, die genug Wahres enthält, um interessant zu sein, die aber gleichzeitig die Nationalsozialisten entschuldigt und in einem schönen Licht präsentiert. Andere Agenten nutzen diese Literatur, um die nationalkonservative Szene damit zu verseuchen. Je krasser die Szene auf dem nationalsozialistischen Kurs abrutscht, umso mehr bekommen die Agenten die Erlaubnis, aggressiv weiter die Nationalkonservativen zu unterwandern und auszuspionieren. Ab einem gewissen Punkt wirkt die infiltrierte Partei auf die breite Bevölkerung unwählbar. Wichtige Parteimitglieder haben sich strafbar gemacht und kooperieren für geringe Strafen mit den Ermittlern.

Nadelstiche der Linken und Paranoia

Der rechtsnationale Parteiflügel um Höcke macht anteilsmäßig etwa ein Drittel der Parteimitglieder aus, allerdings warnte der stellvertretende Vorsitzende Gauland, dass sich unter den Nationalen die aktivsten Parteimitglieder befinden. Die AfD hat Probleme mit der Zahlungsmoral der Mitglieder und vielen inaktiven Mitgliedern. Die Linken beobachten mit Freude, wie jedes Mal nach einem größeren Skandal der innere Kampf in der AfD eskaliert und Spaltungen aufreten. Jeglicher Extremismus in der AfD ist eine Steilvorlage. Und das ist nicht das Einzige: Häufig werden „Parteifreunde“ einer als gegnerisch wahrgenommenen Fraktion parteiintern als „U-Boote“ bezeichnet, die Angst vor Unterwandungerung und allgemeine Paranoia greift um sich.

Mit “antifaschistischen Aktionen” in Form von Sachbeschädigungen und damit impliziten Drohungen will man nicht nur der AfD direkt zusetzen, sondern wahrscheinlich auch die extremeren Elemente in der AfD zu unüberlegten Aussagen oder Handlungen provozieren:

Nicht nur lokal und regional, sondern bundesweit machen die vielen kleinen Nadelstiche der AfD zu schaffen.

Die AfD-Spitze sieht das mit Sorgen:

Gleichwohl verursacht der Widerstand der AfD zusätzliche Kosten, frustriert aktive Parteimitglieder, gefährdet Repräsentanten, Mitglieder und Eigentum und trägt in der Öffentlichkeit, vor allem in der Mittelschicht und bei Interessengruppen zum Eindruck bei, dass die AfD ein Stigma trägt und man sich nicht mehr mit ihr zeigen sollte.

Ein weiteres großes Problem in der AfD sind renitente Querulanten unter den eigenen Mitgliedern. Wahrscheinlich betrachtet es die organisierte Linke als vielversprechend, Störer in die AfD einzuschleusen. Der Jackpot für die Linke waren die unsäglichen Ausführungen von Wolfgang Gedeon zu Judentum und deutscher Vergangenheit sowie die unterstützenden Aussagen weiterer AfD-Mitglieder. Auch zahlreiche weitere extremen Elemente in der AfD werden gnadenlos von der Linken als Steilvorlage verwendet.