Alexander Dugin

Aus Recentr Academy
Wechseln zu: Navigation, Suche

Legacy-banner-buckets-768x90-animated.gif

Der russische Okkultist und Polit-Professor Alexander Dugin ist ein einflussreicher Akteur der Russlandpropaganda. Er werkelt wie kein zweiter daran, die Rechten Europas zu rekrutieren und ideologisch auf Linie zu bürsten für die große, heilige Mission: Ein faschistisches Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok unter der Kontrolle von Moskau. Dugin verspricht hingegen den Rechten in Westeuropa, es gehe ihm um Souveränität und Freiheit. Beiträge von ihm erschienen u.a. im deutschen Compact-Magazin. Sein Buch "Die vierte politische Theorie" gilt als wichtige Lektüre für die "Identitäre Bewegung" und wird auch bei der AfD gelesen.

"Nationalbolschewismus"

Der Russland-Experte Torsten Mann schrieb in "Am Vorabend der Weltrevolution":

"Wenn man die russischen Einflüsse auf das rechtskonservative Lager in Europa untersucht, stößt man früher oder später zwangsläufig auf den angeblichen russischen »Rechtsradikalen« Alexander Dugin. Doch dieser ist als Sohn eines GRU-Generals nach meiner Ansicht ein typischer Vertreter der sowjetischen Geheimdienst-Nomenklatura, weshalb man sein politisches Wirken genau vor diesem Hintergrund sehen muss. Offenbar hat Dugin erschreckend großen Erfolg damit, den europäischen Rechten die Errichtung einer Eurasischen Union – die dem alten sowjetischen Projekt des »gemeinsamen europäischen Hauses«, bzw. einer Sowjetunion vom Atlantik bis zum Pazifik entspricht – als erstrebenswert erscheinen zu lassen. Zu diesem Zweck verbreitet Dugin seine so-genannte »vierte politische Theorie«, die sich bei näherer Betrachtung als bloße ideologische Attrappe herausstellt, welche außer einem aggressiven Antiamerikanismus keine weiteren Inhalte vorzuweisen hat und die somit nur die alte sowjetische Zielsetzung fortsetzt, das transatlantische Bündnis aufzulösen. Da man wohl nicht zu unterstellen braucht, dass Dugins »vierte politische Theorie« auf bloßen Irrtümern und Missverständnissen aufbaut, könnte man sie meines Erachtens schlicht als eine »rote Lüge in braunem Gewand« bezeichnen, die nur dazu dient, die Rechten im Sinne Lenins zu »nützlichen Idioten« der Weltrevolution zu machen. Schon die Ausgangsbasis dieser »vierten politischen Theorie« ist falsch. Zwar stellt Dugin zutreffend in der westli-chen Welt fortschreitende politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Verfallserscheinungen fest, zu denen man zum Beispiel die Instabilität der Familien, die Kinderlosigkeit oder die Überfremdung zählen kann, jedoch sind diese Verfallserscheinungen nicht eine Folge des »amerikanischen Liberalismus«, wie unterstellt wird, sondern sie sind in Wirklichkeit die Folge jener vorsätzlichen Zersetzung der westlichen Staaten, die seit den 1960er Jahren von Moskau betrieben wird. Nicht der von den USA ausgehende Liberalismus ist somit das Grundübel der Welt, das überwunden werden muss, sondern es ist die von Sowjetrussland ausgehende kommunistische Subversion! Festzuhalten ist, dass man diesen Vorwurf gegen den amerikanischen Liberalismus in ganz ähnlicher Form wie bei Dugin auch bei anderen, mutmaßlich auf der Lohnliste des Kreml stehenden »Rechtsextremisten« lesen kann, was den Verdacht erhärtet, dass es sich dabei um eine großangelegte Einflusskampagne der sowjetrussischen Ge-heimdienste handelt. Auch der US-Politologe Jeff Nyquist vertritt die Überzeugung, dass Dugin seine »vierte politi-sche Theorie« nicht wirklich selbst erfunden hat, weil ihre wesentlichen Elemente im strategischen Denken und Planen der Sowjets schon seit vielen Jahren vorhanden waren und auch Stalin mit dem Hitler-Stalin-Pakt einen ähnlichen Ansatz verfolgt hat. Im Gegensatz zur damaligen Zeit ist die neue europäische Rechte nach Nyquists Meinung jedoch keine echte nationalsozialistische Bewegung, sondern er sieht in ihr – wohl zurecht – eine sowjet-russische Operation unter falscher Flagge, bzw. eine kontrollierte Opposition, die nach Querfront-Manier dazu dient, alle antiamerikanischen Kräfte zu einer »geballten Faust« zu bündeln."

Eurasien-Agenda

Dugins Bedeutung wird von den Eurasien-Verschwörern und Kult-Anhängern in der Öffentlichkeit gerne heruntergespielt, obwohl seine Bücher Pflichtlektüre an allen Militärakademien Russlands sind und er die Spinne im Netz unzähliger eurasischer und neurechter Gruppen ist. Die Absolventen seiner "Sommerlager" haben die Angewohnheit, wenige Jahre später als Kommandanten in bewaffneten Konflikten wie in der Ostukraine aufzutauchen. Er netzwerkt außerdem mit rechten Parteien in Europa wie der Front National oder der FPÖ. Nach einem hohen Geheimtreffen mit Dugin, Ost-Oligarchen und europäischen Politikern schrieb Michael Stürzenberger, der Bundesvorsitzende der deutschen Anti-Islam-Partei "Die Freiheit" und Blogger auf "PI News":

"Die Annäherung von europäischen konservativen Kräften mit dem Chefideologen der Eurasischen Bewegung, Aleksandr Dugin, ist eine hochinteressante Entwicklung. [...] Ein Europa souveräner Staaten, eng mit Russland verbunden – eine spannende Zukunftsvision. [...] Auch wenn manch ein Teilnehmer dieses Treffens möglicherweise eine bedenkli-che Biographie haben sollte, ist es wichtig, dass sich etwas tut."

In Wirklichkeit wollen Dugin und seine Eurasier aber souveräne Staaten in Europa mit aller Gewalt verhindern. Der Tagesanzeiger berichtete:

In einer TV-Ansprache im April schlug Dugin vor, Europa auf friedlichem Weg zu einem russischen Protektorat zu machen und es damit vor Homoehen, Pussy Riot und vor sich selbst zu schützen: «Wir müssen Europa erobern und anschließen.» Fest stehe, so Dugin weiter, «dass uns eine prorussische fünfte Kolonne in Europa unterstützt. Das sind europäische Intellektuelle, die ihre Identität stärken wollen.»

Zu der europäischen "neuen Rechten" erklärte Dugin bereits 1998 in einem Interview:

"Sie ist ein Projekt, und wir sind die Architekten. Die Zukunft gehört wahrlich uns."

Dugin betreibt in seinem Werk "The Fourth Political Theory" Klassenkampf und Begriffsverwirrung: Der neueste "Rassismus" im verwerflichen Westen richte sich angeblich gegen jene, die nicht zu den dekadenten, konformistischen Kreisen gehören, wo sich alles um Glamour, Mode und die neuesten Samrtphones dreht. Dieser "Glamour-Kodex" sei essentiell für die "kulturelle Apartheid". Der Glaube, dass die Gegenwart besser sei als die Vergangenheit, sei demnach "rassistisch" und eine Beleidigung der Vorfahren. Dugin äußert sich sehr negativ über konventionelle rassistische Denkmuster wie etwa den Zusammenhalt der weißen Rasse oder die Reinheit der Slawen-Rasse, weil ihm so etwas überhaupt nicht in das antiamerikanische, eurasische Konzept hineinpasst. Schließlich sollen nach seiner Wunschvorstellung russische Slawen und europäische Weiße zusammenarbeiten für eine eurasisches Großreich unter Russ-lands Führung. Selbst viele nicht-weiße Menschen in Eurasien seien ihm tausendfach lieber als Amerikaner. Es ist also zunächst jeder im Eurasien-Club willkommen, der ideologisch auf Linie ist, sich der Moderne verweigert und sich als unterdrückte Gesellschaftsklasse betrachtet. Hauptsache keine Amerikaner.

Dieses durchsichtige Konstrukt mag zwar kurzfristig der europäischen Rechten und den russischen Slawen eine Grundlage für Zusammenarbeit liefern, allerdings ist in der extrem rechten europäischen Tradition die Herrenmenschenideologie nach wie vor tief verwurzelt und in Russland grassieren Slawen-Denken und eine zutiefst antideutsche Kultur.

Während die gewöhnliche russische Propaganda durch Lügen und Auslassungen den Eindruck zu erwecken sucht, Russland sei eine vernünftige, nach Frieden strebende Großmacht, argumentiert Dugin völlig anders. Er probiert erst gar nicht, Logik und Vernunft vorzutäuschen, sondern er argumentiert quasi-religiös, nach okkulten Maßstäben. Banale Logik, Vernunft oder das Streben nach Frieden, sind für ihn im höchsten Maße verachtenswerte Dinge, die die Menschen in einer starr gewordenen Welt gefangen halten.

Okkultismus und Wahn

Ende der 60er Jahre nahm Dugins Okkultistenkarriere in Moskau Form an. In der Juzinski-Gasse wurde ein Mix aus Kabbala, schwarzer Magie, mittelalterlicher Alchemie und Okkultismus gepredigt. Die Saufereien und Drogenexzesse waren so heftig, dass die Teilnehmer regelmäßig im Krankenhaus oder in der Psychiatrie landeten.

Dugin war fast der einzige, der auf diesem "Pfad der Erleuchtung" nicht in der "schwarzen Phase" steckenblieb. Natürlich ist in der Gedankenwelt des Okkultismus kein Platz für klassische Psychologie. Diejenigen Menschen, die ein Fachmann als psychisch normal ein-schätzen würde, folgen laut Dugin dem sogenannten "Pfad der rechten Hand".

Dieser "lügenhafte Weg" würde eine Person von radikalen, erleuchtenden Erfahrungen abhalten und im Gefängnis der Materie festhalten. Stattdessen folgt Dugin dem Pfad der linken Hand:

"Kein milchiges Wohlbehagen, sondern schwarzes Leiden. [...] Er ist zerstörerisch, schrecklich, in ihm herrschen Zorn und Exzesse. [...] Dieser Weg ist ungeheuer schwierig, doch nur er ist wahr. Wer auf ihm geht, erwirbt Ruhm und Un-sterblichkeit. Wer ihn aushält, wird siegen, wird einen Lohn erhalten, der höher als das Sein ist."

Unumwunden gibt er zu, dass geschichtliche „Heldenfiguren“ allesamt altes okkultes Wissen besaßen und entsprechend dem Pfad der linken Hand agierten:

"Fäden des alten Wissens ziehen sich zu Marx, zu Necaev, zu Lenin, zu Stalin, zu Mao, zu Che Guevara... Der Wein der sozialistischen Revolution, die Freude des Aufstands gegen die Kräfte des Schicksals, die heilige Berserkerwut für die Zerstörung dessen, was schwarz ist, um ein neues, nicht irdisches Licht zu erwerben [...]"

Im Klartext bedeutet dies, dass Menschen mit psychopathischen Störungen für Dugin ganz besondere Wesen seien, die nach Erleuchtung streben, während psychisch normale Menschen für Dugin als wertlose Spießer und Kanonenfutter gelten. Dieser spirituelle Darwinismus spricht Bände über Dugins eigenen Geisteszustand. Seine Sympathien gelten dem Gewalttäter mit Schaum vor dem Mund:

"Der religiöse Fanatiker. Zu welcher Religion er genau ge-hört, ist nicht so wichtig. [...] Der religiöse Fanatiker ist ein Sonnenmensch. Er steht höher als seine Religion, die fault und lügt."

„Der Irre, der Tobsüchtige. Ihn zerreißt es von innen. [...] Vor dir ist eine Wand, beiße sie, kratze sie, geh mit dem Kopf durch sie, brich die Knochen, würge die Wand! Das ist der Befehl der Sonne! [...] Zernage den Stein! Sieh das Fenster gezielt an - von dort kann man so schön fliegen!"

In einem Interview in Moskau von 1998 äußerte er, dass die europäi-sche neue Rechte sich entweder für die USA oder für Russland ent-scheiden müsse. Wählen sie Russland, hieße das, dass gleichzeitig auch, dass barbarische Element und brutale Handlungsweisen mitge-wählt werden.

"Die Neue Weltordnung wird nicht kommen durch alternde Herren, die sich zu Seminaren treffen. [...] Man muss ein Messer nehmen, eine Maske anziehen, abends aus dem Haus gehen und mindestens einen Amerikaner töten."

Es geht aber noch eine ganze Stufe krasser, als die gewalttätige Eroberung Europas. Ein Roman von dem bei Eurasiern populären Autor Parvulesco dreht sich voll und ganz um die Lehre des Netzwerks. Der Verkünder des großen neuen eurasischen Reiches erklärt den Rassenverfall der Menschheit zur Ursache allen Übels. 80% der degenerierten Menschheit müssten durch einen Genozid ausgerottet werden. Das britische Eurasian Movement, das eng mit Dugin zusammenarbeitet, träumt auf der eigenen Homepage von einer eurasischen Internationalen der Gewalt:

"Es ist an der Zeit, eine neue Eurasische Armee von Visionären, Kriegern und Revolutionären hochzuziehen: Eine neue Miliz."

Teilnehmer von "eurasischen Sommerlagern" im Jahr 2006 tauchten 2014 als Kommandeure in der Ostukraine auf. Andrey Purgin beispielsweise wurde der erste "Premierminister der Volksrepublik Donezk".

Quellen:

Alexander Dugin und die rechtsextremen Netzwerke, Vladimir Ivanov

http://anton-shekhovtsov.blogspot.de/2014/08/pro-russian-extremists-in-2006-and-2014.html

http://www.pi-news.net/2014/06/wien-geheimtreffen-von-heinz-christian-strache-marion-le-pen-und-aleksandr-dugin/

https://alivingtext.com/alexander-dugin-on-racism-cb31d3eb651b#.7oyafe5bw

http://www.4pt.su/en/content/magic-disillusion-nationalist-intellectual-1995