Anarchokapitalismus

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Der Anarchokapitalismus ist eine extreme Variante des Libertarismus und fordert die Abschaffung jeglicher Staatlichkeit sowie die Etablierung einer Privatrechtsgesellschaft. Teilweise hat er Züge einer Sekte. Gurus der Szene wie Stefan Molyneux und Hans-Hermann Hoppe predigen Radikalität, ohne einen realistischen Weg zu kennen, um sich ihrem anvisierten Luftschloss zu nähern.

Dogma "Nichtaggressionsprinzip"

Das Nichtaggressionsprinzip ist das zentrale Dogma des Anarchokapitalismus. Es besagt, dass niemand jemals zu irgendetwas gezwungen werden dürfe. Ausgehend auf diesem Prinzip baut die Ideologie auf und postuliert sogar einen Boykott sämtlicher Politik. Dieses Dogma ist zwar eine schöne Wunschvorstellung, scheitert aber an der komplexen Realität. Staatliche Konstrukte überziehen die ganze Welt, die allermeisten Menschen hängen Staatsideologien an (siehe klassische Ideologie) und tolerieren staatlichen Zwang. Unter diesen Vorraussetzungen ist es den Anarchokapitalisten als winzige Minderheit nicht möglich, ihre Vorstellungen in nennenswertem Umfang in die Realität umzusetzen.

Politik-Boykott

Einige Anarchokapitalisten predigen einen völligen Boykott der Politik. Slogans wie "Wählen ist ein Gewaltverbrechen" sollen demonstrieren, dass sie ihr Dogma des Nichtaggressionsprinzips in keinster Weise kompromittieren wollen. Es versuchen leider ideologische Fanatiker und Seelenfänger wie Stefan Molyneux und andere, Menschen in den Kult des libertären Anarchismus hineinzuziehen. Dieser Kult lenkt den Hass und die Frustration der Menschen auf die Republik, auf die Verfassung und auf politische Beteiligung. Also wird der Hass genau auf die Dinge gelenkt, die nach dem Wunsch des Geldadels und der Globalisten zerstört werden sollen. Die libertären Anarchisten predigen oft einen Politik-Boykott und sabotieren damit freiheitliche Bemühungen. Wir können nichts grundlegend verbessern ohne politische Macht und Legitimation. Trotzdem verbreiten libertäre Anarchisten einen irrationalen Hass auf politische Beteiligung, die Republik und die Verfassung. Diese Dinge, heißt es, seien an allem Schuld, die Dinge seien der Ursprung des Bösen.

Überlappungen mit der "neuen Rechten"

Durch den Siegeszug der neuen Rechten sahen sich Führungsfiguren der Szene der Anarchokapitalisten dazu ermuntert, Brücken zu schlagen zu den Konservativen. Hans-Hermann Hoppe schreibt in seinem Buch "Demokratie - Der Gott der keiner ist", dass beinharte Konservative den Weg des Anarchismus gehen müssten, um ihre Vorstellungen umzusetzen. Umgekehrt müssten Anarchokapitalisten in vielerlei Hinsicht erzkonservative Moralvorstellungen übernehmen, um den Werteverfall der Gesellschaft zu bremsen. Hoppe wünscht sich eine erzkonservative Privatrechtsgesellschaft, wo Schwule, Andersdenkende oder unverheiratete Leute an den Rand gedrängt oder vertrieben werden. Auch Stefan Molyneux steht mit einem Bein im neurechten Lager, wettert seit einer Weile gegen Feministen und Moslems.

Hoppe schafft es nicht, die gravierenden Widersprüche aufzulösen zwischen Anarchokapitalisten und traditionell staatsgläubigen Konservativen. Die anvisierte Privatsrechtsgesellschaft ist ein unerreichbares Luftschloss. Traditionell lassen sich Libertäre von Konservativen und Faschisten benutzen, um wenigstens den Kommunismus abzuwehren. Eine freie Gesellschaft entsteht dadurch aber nicht.

Zirkuläre Logik und andere Argumentationstricks

Anarchokapitalisten halten sich in jeder Hinsicht für überlegen und meinen, jede Debatte zu gewinnen. Bewusst oder unbewusst verwenden sie dabei die gleichen Tricks wie Vertreter anderer Ideologien (siehe auch klassische Ideologie).

Auch Kommunisten oder Islamisten argumentieren mit Hilfe von Luftschlössern, also mit Fantasien über eine vollendete Gesellschaft nach ihren ideologischen Vorstellungen. Auch Kommunisten und Islamisten benutzen ganz einfache Dogmen. Diese Dogmen sind so simpel gestrickt, dass sie perfekt und universell wirken, aber sie helfen uns in der komplexen Realität nicht sonderlich viel weiter. Praktisch jede Gruppe verwendet die gleichen Debattier-Tricks und mit diesen Tricks wird die eigene Ideologie missionarisch verbreitet. Mit diesen Tricks lässt man die eigene Ideologie perfekt erscheinen, unangreifbar. Jeder Einwand und jede Kritik wird abgebügelt. Deshalb sind Kommunisten oder Islamisten oder libertäre Anarchisten völlig überzeugt von ihren Ideen und für Kritik oftmals nicht mehr erreichbar. Wenn jeder Ideologe da draußen in seinem jeweiligen geistigen Gefängnis steckt, dann ist eine gesunde Debatte nicht mehr möglich und ohne gesunde Debatten können wir nicht die Fehler der verschiedenen Ideologien erkennen. U

Grundsätzliche libertäre Gedanken sind essentielle Puzzle-Teile eines größeren Ganzen. Libertäre Gedanken alleine reichen nicht aus. Libertäre Anarchisten glauben sogar, sie hätten den heiligen Gral gefunden, die perfekte Universaltheorie, mit der sich alle Probleme lösen lassen, mit der man das Böse ein für allemal ausrotten kann. Alles wird dieser scheinbaren Universaltheorie untergeordnet. Sogar Logik.

Libertäre Anarchisten bringen grob gesagt drei Kategorien an Gedanken vor:

  • Ihre Grundprinzipien bzw. Dogmen
  • Ihr Fantasie-Luftschloss einer perfekten Gesellschaft nach ihren Vorstellungen, in der jedes Problem gelöst werden kann
  • Ihre konkreten Handlungsideen, mit denen sie ihrem Ziel der Privatrechtsgesellschaft näher kommen möchten

In einer Debatte springen die Anarchisten wild zwischen diesen drei unterschiedlichen Kategorien hin- und her, in der Hoffnung, dass niemand bemerkt, dass sie zirkuläre Logik benutzen und einen Haufen tödlicher Denkfehler begehen. Die erste Kategorie, also die Dogmen, sind dermaßen simpel gestrickt, dass sie scheinbar perfekt und universal wirken. Niemand dürfe zu irgendetwas gezwungen werden. Jeder soll sich frei heraussuchen dürfen, welcher Gesetzesordnung er unterworfen sein möchte. Und so weiter und so fort. Aber diese viel zu vereinfachten, starren Dogmen sind eigentlich bloß idealisierte Wunschziele und keine in der Realität brauchbaren Richtlinien. Wer die Überzeugung vertritt, dass man konkret in Deutschland beispielsweise erlauben sollte, den Leuten die Wahl zu überlassen, der Scharia zu folgen statt dem Grundgesetz, der führt uns ins Unglück. Der Anarchist beißt sich jedoch wie ein Hund fest an seinen Dogmen. Er fragt dann den Diskussionsgegner, ob jener ihn denn zu irgendetwas zwingen würde und mit welchen Mitteln. Dies soll den Diskussionsgegner aussehen lassen wie einen Kontrollfreak ohne feste moralische Werte. Immer gerne benutzt der Anarchist auch den Vorwurf, der Diskussionsgegner argumentiere wie ein Sozialist oder Kommunist. Dies ist ein zutiefst unehrlicher und unbegründeter Vorwurf, denn die Welt ist nicht so schwarz-weiß und primitiv wie die Dogmen der Anarchisten. Ironischerweise argumentieren die Anarchisten auf diese Weise ähnlich wie Kommunisten, denn die Kommunisten benutzen auch primitive Dogmen, beanspruchen die Moral alleinig für sich selbst und kanzeln ihre Diskussionsgegner als unmoralisch ab.

Wir leben halt nun mal in der Realität, in der beispielsweise Menschen gezwungen werden müssen, sich an Grundregeln zu halten. Man muss beispielsweise Muslimen in Deutschland klipp und klar vermitteln, wo die Grenzen ihrer Religionsausübung liegen. Wenn man in einer Debatte mit Anarchisten also die anarchistischen Dogmen ablehnt und mit Argumenten widerlegt, dann springt der Anarchist blitzschnell zu Kategorie 2, dem perfekten Fantasie-Luftschloss.

“Aber” erklärt der Anarchist selbstsicher,

“in der Privatrechtsgesellschaft wäre das kein Problem, wenn Leute sich die Scharia raussuchen. Denn in der Privatrechtsgesellschaft gäbe es sichere Verträge und private Sicherheitskonzerne und Versicherungen und jeder Bürger wäre total bewaffnet und da könnte man ohne Probleme jede Gefahr beseitigen. Und außerdem würden fast alle Moslems in der freiheitlichen Privatrechtsgesellschaft sowieso niemand anderem was Böses wollen.”

Das Problem an dieser Pseudo-Argumentation ist, dass man nicht wirklich mit einem nicht-existierenden Fantasie-Luftschloss argumentieren kann. Das ist einfach unehrlich. Es ist nichts anderes als der unlautere Versuch, die eigene Ideologie gegen Kritik abzuschirmen. Jeder kann diesen billigen Trick anwenden. Auch Islamisten machen das oder Kommunisten oder Scientologen. Sie sprechen davon, wie in der vollendeten Scharia-Gesellschaft alles wunderbar harmonisch funktionieren würde, oder wie im vollendeten Kommunismus alle zufrieden wären oder wie in der scientologischen Gesellschaft alle Probleme gelöst wären. Es existiert in der Realität kein einziges dieses Luftschlösser und hat auch noch nie existiert. In einer Debatte müsste man praktisch jedwede Argumentation, die sich auf ein Luftschloss beruft, als ungültig verwerfen. Die libertären Anarchisten wären somit ihrer wichtigsten Waffe beraubt und müssten kleinlaut zugeben, dass sie keine einzige Debatte gewinnen können.

Wenn man darauf hinweist, dass das Luftschloss halt nicht existiert, dann springt der Anarchist wieder zur Kategorie 1, seinen scheinbar perfekten und universalen Dogmen.

Immer wieder muss der Anarchist natürlich erklären, mit welchen Mitteln und Wegen und Werkzeugen er denn gedenkt, seinem Ziel einer Privatrechtsgesellschaft näherzukommen. Damit wären wir bei Kategorie 3, den konkreten Handlungsideen in der wirklichen Welt. Diese Kategorie meiden Anarchisten gerne in der Debatte, denn hier trifft ihr überheblicher ideologischer Nonsens auf die knallharte Realität. Der Anarchist lehnt jedwede oder fast jedwede politische Beteiligung und jede staatliche Macht ab. Damit unterscheidet er sich grundlegend von praktisch jedem anderen Fanatismus. Jeder andere Fanatismus strebt nach staatlicher Macht und ergreift diese auch. Die Anarchisten jedoch predigen absolute politische Enthaltsamkeit und ein apolitisches Mönchtum. Deshalb erlangen die Anarchisten auch niemals Macht, ganz im Gegensatz zu den anderen Arten von Fanatikern.

Libertäre Anarchisten wollen lieber den Staat durch Propaganda und durch Indoktrination von Kindern zersetzen und schwächen. Dann wollen Anarchisten noch vielleicht Steuern hinterziehen, träumen von Streiks, und sie versuchen es mit ultralibertären Kommunen, in der Hoffnung, dass irgendwann unzählige autonome Kommunen den Staat ersetzen. Dies sind aber allesamt hoffnungslos schwache und zahnlose Methoden. Wenn man die Anarchisten auf die Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens hinweist, wechseln sie beleidigt zu Kategorie 1 ihres argumentativen Werkzeugkastens zurück und erklären inbrünstig, dass sie nie und nimmer ihre heiligen Dogmen aufgeben würden. Es ist ihnen egal, wenn es tausend Jahre dauern würde, bis sie mit ihren Methoden ihr Ziel erreichen. Die Anarchisten würden aber selbst in einer Million Jahre ihre Ziele nicht erreichen. Der Anarchist pocht weiter auf seine “perfekten” Dogmen und tanzt sich dann weiter von Kategorie zu Kategorie. Es ist ein Tanz im Kreis. Der Anarchist ist in seinem eigenen geistigen Gefängnis eingesperrt und kommt nicht mehr heraus. Er fühlt sich aber “frei” und beansprucht, der einzige Hüter der Freiheit zu sein.

Lesen Sie diesen Text noch einmal durch und sehen Sie sich dann irgendeine beliebige Diskussion an zwischen einem libertären Anarchisten und einem Kritiker. Ihnen werden die Augen aufgehen. Falls Sie selbst einmal mit einem Anarchisten debattieren, machen Sie von vorneherein klar, dass Sie alle Luftschloss-Argumente für ungültig erklären. Dies beraubt den Anarchisten seiner wichtigsten Waffe. Wenn Sie die Diskussions-Tricks der Anarchisten verstehen, dann werden Sie nicht in den Wahnsinn getrieben und müssen sich nicht vorwerfen lassen, die Diskussion verloren zu haben. Der Anarchist, der an Ihnen abprallt, wird sich schmollend abwenden, sich zum Sieger erklären und sich von seinen Sekten-Genossen Bestätigung und Zuspruch holen. Oder er wird einen Wutanfall bekommen, sich benehmen wie Stefan Molyneux (also wie ein steckengebliebener 16-jähriger) und Ihnen eine Schimpftirade entgegenwerfen, als seien Sie Hitler persönlich. Oder aber der geschlagene Anarchist wird versuchen, eine ruhige Fassade zu bewahren und sagen, man solle doch keine Zeit verschwenden auf solch unwichtige Streitereien. Wie könne es denn sein, sagt der Anarchist, dass der Diskussionsgegner überhaupt eine vehemente Diskussion führen will? Habe er denn nichts besseres zu tun?

Immer dann, wenn libertäre Anarchisten ihren Fanatismus zu deutlich durchscheinen lassen und man sie dabei erwischt, sagen sie, man solle doch nicht Zeit verschwenden auf unwichtige Streitereien. Dabei sind die Molyneux-Hoppe-Fußsoldaten diejenigen, die unnütze Streitereien zur Kunst erhoben haben und immer wieder sogar Freunde und Familie verlassen, wenn die nicht der Sekte beitreten wollen.