Der große Sprung vorwärts

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Der "große Sprung vorwärts" war eine Phase des Sozialismus unter Mao, der viele Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Forschung

Ein Historiker, der die wieder geöffneten chinesischen Archive durchforstet hat um die Opferzahlen unter Mao genauer zu ermitteln, kam auf mindestens 45 Millionen Tote in nur vier Jahren. The Independent berichtete:

“HERR DIKÖTTER IST DER EINZIGE AUTOR DER DIE CHINESISCHEN ARCHIVE DURCHFORSTET HAT SEIT SIE VOR VIER JAHREN WIEDER ZUGÄNGLICH GEMACHT WURDEN. ER ARGUMENTIERT DASS DIESE VERHEERENDE ZEITGESCHICHTLICHE PERIODE – DIE BISLANG EHER VERBORGEN BLIEB – INTERNATIONALE BEDEUTUNG ERLANGT HAT. ‘ES STEHT NEBEN DEN GULAGS UND DEM HOLOCAUST ALS EINES DER DREI GRÖSSTEN EREIGNISSE DES 20. JAHRHUNDERTS….ES WAR WIE POL POTS GENOZID MULTIPLIZIERT MIT DEM FAKTOR 20,’ MEINTE ER.”

Herr Dikötter, der die Geschichte der chinesischen Bauern in den Jahren von 1958 bis 1962 während des großen Hungers studiert hat, verglich die systematische Folter, die Brutalität, das Aushungern und Töten von chinesischen Bauern mit der Größemordnung des zweiten Weltkriegs. Mindestens 45 Millionen Menschen wurden in diesen vier Jahren in China durch Arbeit, Hunger oder anderweitig getötet; die Zahl der Opfer im zweiten Weltkrieg betrug weltweit 55 Millionen.”

Herr Dikötter fand in seiner Recherche “ein verblüffendes Maß an Gewalt”, alles genau festgehalten in Berichten der staatlichen Sicherheitsbüros. Bauern galten nicht als Menschen sondern als Ressourcen. Wenn ein Kind eine Kartoffel gestohlen hatte, fesselte man es und warf es in einen See. Menschen mussten im Winter praktisch nackt arbeiten; viele Chinesen durften nicht an der staatlichen Essensverteilung teilhaben und wurden so umgebracht.

Lob und Verständnis für Mao durch einflussreiche westliche Funktionäre

Nach einem Trip nach China im Jahr 1973 lobte der Globalist und generell als Philantropist beschriebene Banker David Rockefeller den chinesichen Diktator Mao Tse Tung. Der Bericht mit dem Titel “Von einem China-Reisenden” betont die verschiedenen Ziele die in UN-Dokumenten dargelegt wurden wie z.B. “The Commission on Global Governance” und UNESCOs Our Creative Diversity. Die Vision des “globalen Dorfes” sieht Räte, also Sowjets vor und völlige Unterwerfung. Rockefeller äußerte sich in der New York Times:

“MAN IST SOFORT BEEINDRUCKT VON DER NATIONALEN HARMONIE […]. WAS AUCH IMMER DER PREIS DER CHINESISCHEN REVOLUTION WAR, ES HATTE OFFENSICHTLICH ERFOLG […] DARIN, EINE GUTE MORAL UND EINEN GEMEINSCHAFTLICHEN SINN ZU ERSCHAFFEN. […] DAS GESELLSCHAFTLICHE EXPERIMENT IN CHINA UNTER DER FÜHRUNG DES VORSITZENDEN MAO IST EINES DER WICHTIGSTEN UND ERFOLGREICHTEN IN DER GESCHICHTE.” NEW YORK TIMES, 8-10-1973

Helmut Schmidt, selbst ein Globalist und Gast im Bohemian Grove, wiederholt praktisch die Sichtweisen seiner Ziehväter wie Rockefeller, erwähnt jedoch immerhin noch die Opfer:

“SOLANGE MAO LEBTE, HAT ER EINE REIHE WAGHALSIGER EXPERIMENTE DURCHGEFÜHRT UND DABEI SCHWERE FEHLER BEGANGEN. ZUM BEISPIEL HAT SEIN GROSSER SPRUNG NACH VORN IN DEN 1950ER JAHREN MILLIONEN HUNGERTOTE GEFORDERT. MAN WEISS NICHT GENAU, WIE VIELE DABEI UMGEKOMMEN SIND. MÖGLICHERWEISE EINE ZWEISTELLIGE MILLIONENZIFFER. SCHLIESSLICH HAT AUCH DAS ANDERE GIGANTISCHE EXPERIMENT, NÄMLICH SEINE SOGENANNTE PROLETARISCHE KULTURREVOLUTION, TAUSENDE TOTE GEKOSTET. SIE ALLE SIND UMGEBRACHT WORDEN. ER SELBST STARB 1976, UND WENIGE JAHRE DARAUF GELANGTE MIT DENG XIAOPING JEMAND AN DIE SPITZE, DER EIN NEUES EXPERIMENT MIT BISHER GLÄNZENDEM ERFOLG WAGTE.”

Es klingt immer noch recht apologetisch und pragmatisch, fast so als wären die Toten ein Unfall der Geschichte gewesen. Die sozialistische Tageszeitung “Junge Welt”, die aus dem ehemaligen zentralen Propagandaorgan der „Freien Deutschen Jugend“ der DDR entstanden war, feierte das 90-jährige Bestehen der kommunistischen Partei Chinas:

“DER 90. JAHRESTAG DER KP CHINAS IST GEEIGNET, DIE HISTORISCHEN LEISTUNGEN DIESER ERFAHRENEN, REIFEN MARXISTISCHEN PARTEI ZU WÜRDIGEN UND SICH MIT IHNEN GRÜNDLICH ZU BESCHÄFTIGEN.”
“ZU DEN BESTEN TRADITIONEN DER DEUTSCHEN KOMMUNISTEN GEHÖRT DIE SOLIDARITÄT MIT DER CHINESISCHEN REVOLUTION.”

Rolf Berthold schwenkte den Weihrauch angesichts 90 Jahre Massenmord, Konzentrationslager und Sklaverei:

“IM JULI 1921 FANDEN SICH IN EINEM SHANGHAIER WOHNHAUS – HEUTE IST ES EINE DER WICHTIGSTEN GEDENKSTÄTTEN DER VR CHINA – 13 REVOLUTIONÄRE, DIE 52 MITGLIEDER KOMMUNISTISCHER ORGANISATIONEN DES LANDES VERTRATEN, ZUR GRÜNDUNG DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS (KPCH) ZUSAMMEN. ANWESEND WAREN AUCH ZWEI VERTRETER DER KOMMUNISTISCHEN INTERNATIONALE (KI). ES GIBT NICHT VIELE ORTE VON VERGLEICHBAREM HISTORISCHEN RANG.”

Wie realitätsfremd die chinesische Revolution und die sozialistische Diktatur wahrgenommen und/oder uminterpretiert werden, zeigt sich in Zeilen wie den folgenden:

“JUNGE PATRIOTISCHE UND PROGRESSIVE INTELLEKTUELLE WIDERSETZTEN SICH DER HERRSCHAFT DER WESTLICHEN GROSSMÄCHTE UND STREBTEN DIE BESEITIGUNG DER FEUDALEN VERHÄLTNISSE UND DER BRUTALEN AUSBEUTUNG DES PROLETARIATS AN.”