Fritz Springmeier

Aus Recentr Academy
Wechseln zu: Navigation, Suche

Legacy-banner-buckets-768x90-animated.gif

Fritz Springmeier galt lange Zeit als Autoritätsfigur in der klassischen Verschwörungsszene. Er war der typische Hochstapler und hat inzwischen jede Glaubwürdigkeit verloren.

"Be wise as serpents"

Er veröffentlichte 1991 das Buch „Be Wise as Serpents“, das laut ihm eine Mischung aus „historischen Dokumenten“ und „vertraulichen Interviews“ mit Insidern sein soll. Es ließ sich allerdings nie bestätigen, dass er wirklich irgendwelche besonderen Quellen besaß. Natürlich verwies er aus „Sicherheitsgründen“ darauf, dass seine wichtigsten Quellen anonym bleiben müssten. Be Wise as Serpents hat rund 800 Seiten Umfang bei kleiner Schrift und ist beinahe unlesbar wegen der chaotischen Struktur und dem absurden Layout. Es überrascht nicht, dass kein Verlag diese Kakophonie abdrucken wollte und es ist absolut unvorstellbar, dass irgendwelche Insider ausgerechnet ihm irgendwelche geheimen Informationen gegeben hatten und dabei vergaßen, ihm ein paar hundert Dollar für ein ordentliches Lektorat in die Hand zu drücken.

"MK MONARCH"

Danach vermarktete sich Springmeier als Experte für die Bewusstseinskontrolle aus dem angeblichen CIA-Projekt “Monarch”. Es ist zwar bestätigt, dass die Agency mit Gehirnwäsche experimentierte und sogar „dressierte Killer“ schuf, aber Springmeier scheint einfach ein paar wenige öffentlich bekannte Informationen mit Fantasie-Behauptungen ergänzt zu haben. Sein Co-Autor war Cisco Wheeler, der nach eigenen Angaben ein früherer Gehirnwäscher der Illuminaten war, ohne dafür Belege zu liefern. Die beiden bezogen sich auch auf die Erzählungen von Cathy O’Brien, die für ihre hochtrabenden Geschichten noch nie einen überzeugenden physischen Beweis vorzeigen konnte.

"Bloodlines of the Illuminati"

1999 hatte Springmeier Erfolg mit seinem Buch „Bloodlines of the Illuminati“, welches die 13 Familien beschreibt, die er für die mächtigsten der Welt hielt: Astor, Bundy, Collins, DuPont, Freeman, Kennedy, Li, Onassis, Rockefeller, Rothschild, Russell, Van Duyn und die Merovinger. Auch hierbei sollen einflussreiche Quellen geholfen haben. Bloodlines liefert im Gegensatz zu dem älteren „Be Wise as Serpents“ einen einigermaßen zusammenhängenden Text, ist nicht zu lang und hat ein normales, lesbares Layout. Im Vorwort beschwert er sich, dass er mit kleinstem Budget arbeiten musste und mehrmals nicht einmal das Kleingeld aufbringen konnte, um Fotokopien von Quellmaterial zu machen. Wir sollen also glauben, dass einflussreiche Aussteiger aus den Illuminaten ausgerechnet ihm geheime Informationen zugesteckt haben, aber keine paar Tausend Dollar für ihn übrig hatten. Im Vorwort erwähnt er als Einfluss “Holy Blood. Holy Grail” und “The Messianic Legacy” obwohl diese Werke über die Merovinger nicht ernst zu nehmen sind. Für Springmeier gilt diese Blutlinie aber als eine der führenden der Illuminaten. Auch der weite historische Rückgriff auf babylonische Familien, Abkömmlinge von Jesus usw. erscheint unplausibel, denn eine kontinuierliche Verschwörung einheitlicher Blutlinien über mehrere Jahrtausende hinweg ist praktisch unmöglich. Es klingt natürlich mehr nach Sensation, so etwas zu behaupten. Natürlich stimmt es, dass Geheimgesellschaften auch heute noch Bezug nehmen auf alte babylonische oder ägyptische Glaubensinhalte und Symboliken, aber die Herrscher der weit zurückliegenden Vergangenheit hatten größte Probleme, die Kontrolle über ihre Reiche zu wahren und über ihre Nachkommen. Selbst dann, wenn uralte Texte über Jahrtausende hinweg erhalten ge-blieben sind, so stellen sie doch nur die Konkursmasse von zerfallenen Imperien dar.

Natürlich erwähnt Springmeier neben den 13 Linien auch weitere bekannte Dynastien, die er zu den Illuminaten zählt. Warum aber ausgerechnet die ge-nannten 13 die einflussreichsten sein sollen, erschließt sich in dem Buch nicht. Er stellte einen zweiten Band in Aussicht, der sich um Geheimgesellschaften drehen sollte, der aber nie erschien. Er nennt dabei auch die Jason Society und MJ-12, zwei erfundene Gruppen die von Milton Cooper und anderen besprochen worden waren. Hätte Springmeier wirklich Illuminaten-Aussteiger als Quellen gehabt, hätten diese ihm wohl sagen können, dass es weder eine Jason Society noch eine Majestic 12 gab.

Astor

Das erste Kapitel dreht sich um die Familie Astor und beginnt mit dem 1763 bei Heidelberg geborenen Johann Jakob (bzw. John Jacob), der zum formell reichsten Mann Amerikas wurde. Die Vorfahren von John waren protestanti-sche Waldenser, aber Springmeier dichtet sie kurzerhand ohne Beweise zu Juden um, die ihre jüdische Herkunft verschleierten. Dieses Spielchen sehen wir auch in vielen anderen Verschwörungsbüchern, die beispielsweise Adam Weißhaupt zum Juden erklärten oder sogar alle wichtigen Adeligen Britanni-ens. John verließ als Teenager die ärmlichen Verhältnisse in der Heimat, genau wie seine Brüder, die sich als Handwerker und Soldaten versuchten. Als transatlan-tischer Pelzhändler brachte er es seltsamerweise zu sehr viel Geld, obwohl eigentlich die etablierten britischen Unternehmen „Hudson’s Bay Company“ und die „North West Company“ den Markt dominiert hatten und er über kei-nerlei Ausbildung verfügte über den Pelzhandel oder überhaupt irgendeine Form des Handels. Konnte er als einzelner Migrant einfach so die mächtigen Briten ausstechen? Oder wurde er eher als Strohmann benutzt von britischen Interessengruppen oder Geheimdiensten der britischen Krone? Als Strohmann des britischen Imperiums hätte er seine angehäuften Reichtümer nur im Sinne seiner Führungsagenten verwaltet, aber nicht wirklich besessen. In der ein-flussreichen Freimaurerloge „Holland Lodge No. 8“ in New York City machte man ihn 1788 glatt zum Meister vom Stuhl. Diese Loge zählte wichtige Clans des angloamerikanischen Imperiums zu ihren Mitgliedern wie Baron Von Steuben, den Marquis de Lafayette, Governor Dewitt Clinton, Edward H. Harri-man und Franklin D. Roosevelt.

Es ist absurd zu denken, dass John Jacob ohne Anbiederung an einflussreiche Kreise einfach so als Migrant einen erheblichen Teil des hart umkämpften Pelzmarktes an sich reißen konnte. Sein Unterstützer war niemand anderes als der US-Präsident Thomas Jefferson und er besaß im Laufe der Zeit immer mehr Kontakte zu einflussreichen Regierungsfunktionären. War er letztendlich nur ein Strohmann für Investoren, die im Schatten bleiben wollten? Nach dem Unabhängigkeitskrieg in Amerika wollten die Briten schließlich nicht zu offen und direkt auftreten.

Astor wechselte ins Immobiliengeschäft und zum (britisch dominierten) Opi-umhandel mit China, wobei er sich dabei in Gesellschaft diverser Ostküstenfa-milien befand, deren Treue dem Britischen Imperium galt. Bei seinem Tod hinterließ er 20 Millionen Dollar, was nach heutigem Wert in etwa 110 Milliar-den Dollar entspräche. Vom bettelarmen Migranten und Emporkömmling zum reichsten Mann Amerikas? Man mag es bezweifeln. Er wirkt eher wie das Vehi-kel einer etablierten Großmacht. Für Springmeier gelten die Astors aber als eine der 13 mächtigsten Familien der Welt, als jüdischer Illuminaten-Clan. In den folgenden Generationen verteilten sich die Astors in Amerika und Groß-britannien, nahmen verschiedene Funktionen in der Politik, in der Wirtschaft und im Militär ein und unterschieden sich damit nicht von vielen anderen Dynastien. Der Sohn William Backhouse Astor erbte das Vermögen, vermehrte es und heiratete in das Establishment der USA ein: Margaret Alida Rebecca Armstrong wurde seine Frau, die Tochter von Senator John Armstrong Jr., der Verteidigungsminister gewesen war unter Präsident James Madison. Das Ver-mögen bekamen später seine Söhne William Backhouse Astor junior und John Jacob Astor III. Letzterer diente im Bürgerkrieg im Rang eines Colonel unter Major General George B. McClellan, dem kommandierenden General der US Army. In der Geschäftswelt konnte die Familie Astor im Bereich Eisenbahnen den Vanderbilts nicht das Wasser reichen. In der folgenden Generation der Familie starb John Jacob Astor IV auf der Titanic. Der Ehemann seiner Schwes-ter Helen war der Diplomat James Roosevelt, Halbbruder von Präsident Fran-klin Delano Roosevelt. Erinnern wir uns: Bereits der erste Astor war in derselben Freimaurerloge, in der später auch die Roosevelts verkehrten. William Waldorf Astor zog nach England und bekam 1916 den Status eines Peers des Vereinig-ten Königreichs zugestanden und war fortan Baron Astor of Hever Castle in Kent. Die Nachkommen blieben britische Adelige und betätigten sich in der Regierung und beim Militär. Bei dem amerikanischen Arm der Familie verhielt es sich ähnlich. Mal heiratete man in die Familie Warburg ein, mal in die Van-derbilts, und natürlich noch mehr in den britischen Adel, darunter auch in den Clan von Camilla, Duchess of Cornwall, die zweite Ehefrau des britischen Kron-prinzen Charles. Springmeier konzentriert sich gleich zu Beginn des Kapitels auf die damaligen Sondergenehmigungen für John Jacobs Pelzhandel von Präsident Jefferson und Secretary Gallatin, die Springmeier als Mitglieder der Illuminaten bezeichnet. Auch George Clinton, der Astor bei Immobilienge-schäften half, soll Illuminat gewesen sein. Irgendwelche Geheimnisse über die Astors erzählt Springmeier aber nicht. Unter Verweis auf den Verschwörungs-autor John Coleman spricht Springmeier ein wenig über die britische Spiona-ge; angeblich hatte Coleman Dokumente gesehen, die John Jacob als Agenten der Briten bestätigen. Man kann aber auch ohne vermeintliche Geheimdoku-mente spekulieren, dass bereits der erste Astor ein britischer Agent gewesen war. Aber dann wäre die Familie keine Top-Blutlinie gewesen, sondern nur ein Haufen Strohmänner und kleiner Adeliger. Und nichts deutet darauf hin, dass die Astors jüdische Vorfahren hatten. Springmeier ergänzt an verschiedenen Stellen blanke Mutmaßungen über Hexerei und Satanismus, ohne jedoch irgendetwas Handfestes präsentieren zu können.

Bundy

Springmeier beginnt sein Kapitel über die Bundy-Familie seltsamerweise mit Ausführungen über den berüchtigten Serienkiller Ted Bundy und versucht händeringend, einen Zusammenhang zu konstruieren, muss aber gleichzeitig eingestehen, dass keinerlei familiärer Zusammenhang belegt ist. Die Bundys arbeiteten sich in der amerikanischen Gesellschaft von Generation zu Genera-tion nach oben und wurden Mitglieder solch gefährlicher Organisationen wie Skull & Bones, gingen in die Politik, zu den Geheimdiensten und fungierten als Berater für Präsidenten und Verteidigungsminister. Wir sehen auch die übli-chen Verbindungen zu Bilderberg und dem Council on Foreign Relations. Warum die Bundys aber eine von 13 Top-Blutlinien sein sollen, eschließt sich genauso wenig wie bei den Astors. Über Skull & Bones war bereits relativ viel bekannt geworden und die Organisation hat ihre Wurzeln bei Familien, die vom britischen Imperium die Erlaubnis erhalten hatten, über den Opiumhan-del ein Vermögen zu verdienen. Springmeier beruft sich auf die Arbeiten von Antony Sutton um zu erklären, wie McGeorge Bundy nach seiner Initiation in den Orden von Skull & Bones trotz jungen Alters und wenigen Qualifikationen eine Blitzkarriere im Militär und in der akademischen Welt hinlegte. Auch hier erzählt Springmeier nur Bekanntes und hat trotz seiner angeblichen Illumina-ten-Quellen keine echten Geheimnisse anzubieten. Harry Bundy wird von Springmeier effektheischend als Satanist bezeichnet, ohne jedoch wirklich Konkretes dazu sagen zu können.

Collins

Warum soll ausgerechnet die Familie Collins einer der 13 führenden Clans sein? Springmeier beginnt das Kapitel mit einer nicht zu überprüfenden Ge-schichte über ein satanisches Treffen, überliefert von einem anonymen angeb-lichen Aussteiger aus der Satanisten-Szene. Bei diesem Treffen sei eine Dame der Collins auf dem Thron gesessen, Kinder seien geopfert und Pläne delegiert worden. Der Collins-Clan sei sogar noch mächtiger als die Rothschilds und Springmeier fügt stolz an, dass er erste sei, der dieses Geheimnis lüftet. Nach-vollziehbare Beweise? Fehlanzeige. Anscheinend hatte Springmeier sich dieses ganze Kapitel aus Zeitmangel einfach aus dem Ärmel geschüttelt, anstatt sich die Arbeit zu machen, eine andere Familie zu untersuchen.

DuPont

Die DuPonts stellten zunächst sehr erfolgreich Schießpulver in Nordamerika her und erhielten dabei die Unterstützung von einflussreichen Figuren der US-Regierung, sicherten sich Mitgliedschaften in Freimaurerlogen und elitäre Freunde, bauten an der ersten Atombombe mit und besaßen schließlich einen der größten Chemiekonzerne der Welt, der 2017 mit Dow Chemical fusionie-ren soll. Es erinnert frappierend an die Geschichte der Astors: Mittellose Mig-ranten, die von hohen amerikanischen Kreisen massive Geschäftsaufträge zugeschanzt bekamen, zu einer reichen Dynastie wurden und letztendlich mit Familien kooperierten, deren Sympathien dem Britischen Imperium galten. Wenn aber die DuPonts so viel Hilfe benötigten von mächtigen etablierten Kreisen, wieso sollen wir dann davon ausgehen, dass die DuPonts zum absolu-ten Kreis der Weltherrscher zählen? Erneut hatte sich Springmeier nur bei bekannten Fakten bedient und präsentierte keine Geheimnisse. Eine interes-sante Anekdote: Während dem Krieg der USA gegen Großbritannien 1812 hätten die Briten eigentlich die Schießpulver-Fabrik der DuPonts zerstören müssen, taten dies aber nicht.

Freeman

Und wieder stellt sich die Frage: Warum ausgerechnet die Freemans? “Aber die wichtigste Position von allen, die jegliche Zweifel daran ausräumt, dass die Familie ganz oben steht, ist dass der Großmeister der Prieure de Sion Gaylord Freeman war.“ Prieure de Sion ist der Name verschiedener erfundener Vereinigungen. An-geblich soll eine Geheimloge mit diesem Namen während des Ersten Kreuzzu-ges von Gottfried von Bouillon in Jerusalem gegründet worden sein. Be-rühmtheiten wie Leonardo da Vinci, Isaac Newton und Victor Hugo sollen zu ihren geheimen Mitgliedern gezählt haben. Aber diese Behauptungen basie-ren auf gefälschten Dokumenten, die der französische Monarchist Pierre Plant-ard in Umlauf brachte, um dem Verein gleichen Namens, den er selbst ge-gründet hatte, eine grandios klingende Vorgeschichte anzudichten. Der Jour-nalist Jean-Luc Chaumeil enthüllte schließlich den Schwindel und Plantard versuchte daraufhin händeringend, einen neuen Mythos zu etablieren, laut dem die Prieuré 1681 in Rennes-le-Château gegründet worden sei. Er präsen-tierte auch eine neue fiktive Liste der Großmeister und inspirierte Gérard de Sède, dessen Bücher wiederum ein wichtiger Einfluss waren für Richard Leighs und Michael Baigents Bestseller von 1982 namens „Der Heilige Gral und seine Erben“ (The Holy Blood and the Holy Grail), wo der mythische Unsinn auch noch um die „Blutlinie Jesu“ und die Merovinger erweitert wurde. Hätte Springmeier wirklich einflussreiche Quellen gehabt, hätten diese ihm mit Si-cherheit nicht die Freemans als Top-Familie nahegelegt und mit Sicherheit nicht den Murks von Leigh und Baigent empfohlen. Zusätzlich gibt es derma-ßen viele Personen mit dem Namen Freeman, dass man nicht von einer Blutli-nie sprechen kann und es unklar ist, wen Springmeier überhaupt gemeint hat.

Kennedy

Springmeier gibt zu, dass es viel zu viele Personen in den USA mit diesem Nachnamen gibt und bedeutsame familiäre Verbindungen kaum existieren. Das hält ihn nicht davon ab, den Clan des ehemaligen Präsidenten JFK als Top-Familie der Illuminaten zu bezeichnen. Belege? Fehlanzeige. Irgendwelche Geheimnisse? Leider nichts.

Li

Man kann kaum fassen, dass Springmeier versucht, aus einem der häufigsten Namen Chinas eine Illuminaten-Blutlinie zu konstruieren. Er gibt sogar selbst zu, dass er nicht weiß, ob diverse einflussreiche Lis überhaupt miteinander verwandt sind. Es ist zum Schieflachen, dass er der „Familie Li“ ein Kapitel ge-widmet hat, anstatt eine glaubwürdigere, bekannte Familie auszusuchen. Möglicherweise lief ihm einfach die Zeit davon und er konnte nicht mehr rechtzeitig ein anständiges Kapitel schreiben, sodass er sich diesen Unfug mit den Lis aus dem Ärmel schüttelte. Es mussten unbedingt 13 Kapitel ins Buch, weil sich „12 Blutlinien“ einfach nicht so toll anhört wie 13.

Onassis

Springmeier erklärt, laut seinen Insider-Informationen sei diese Familie zumin-dest in den 1960er und 1970er Jahren noch eine der 13 Blutlinien gewesen. Wie üblich keine Beweise. Ob dies in den 1990er Jahren immer noch der Fall gewesen sei, weiß Springmeier nach eigenen Angaben nicht.

Rockefeller

Hier haben wir wieder einen plausibleren Namen und erneut sehen wir eine Geschichte, die uns an die Astors und Duponts und viele andere Clans erinnert: Die mittellosen Migranten aus Europa, die sofort ganz groß in Amerika heraus-kamen und sich blendend arrangierten mit den Kreisen, deren Sympathien dem Britischen Imperium galten. Inzwischen hat die Familie sich aus dem Ölge-schäft offiziell zurückgezogen und mit David Rockefeller ist der letzte große Patriarch verstorben. Der 1810 geborene William Avery Rockefeller Sr. war ein professioneller Betrüger gewesen und trat oft auf mit dem erfundenen Namen „Dr. William Levingston“. Seine Mutter war Lucy Avery und hatte adelige briti-sche Vorfahren. John D. Rockefeller gründete mit mehreren Partnern Standard Oil und es ist fraglich, wozu der Aushilfs-Buchhalter Rockefeller von den erfah-renen Geschäftsleuten überhaupt gebraucht wurde. Standard Oil wurde in absurd hohem Maße erfolgreich, was natürlich wie bei den Astors und anderen Raubbaronen die Frage aufwirft, ob die Rockefellers nicht vielleicht eher Strohmänner waren. Wir finden die Rockefellers bei den üblichen Organisatio-nen wie Bilderberg, dem Council on Foreign Relations, der Trilateralen Kom-mission usw. Da diese Querverbindungen längst in vielen Büchern abgehan-delt worden waren, geht Springmeier nicht näher darauf ein. Es musste einfach ein Rockefeller-Kapitel her, weil das Verschwörungspublikum dies so erwartete. Dass Springmeier nicht ein einziges Kapitel über irgendeine wichtige Familie des europäischen Hochadels schrieb, zeigt seine Amateurhaftigkeit.

Rothschild

Die Rothschilds sind ein weiterer höchst fragwürdiger Fall von Emporkömm-lingen, die sich dem britischen Imperium andienten und dabei (formell zu-mindest) traumhaft reich wurden. Die Rothschilds wirken letztendlich wie Strohmänner, Buchhalter und Nachrichtendienst-Männer des Britischen Impe-riums, gelten aber in der Verschwörungs-Folklore von Springmeier und ande-ren Autoren als das Machtzentrum schlechthin. Die Söhne eines kleinen Ghet-to-Krämers aus der Frankfurter Judengasse sollen mal eben ungehindert mit ein bisschen Buchhaltung das britische Imperium übernommen haben? Wohl kaum. Die Sowjets verfolgten nach dem Zusammenbruch der UdSSR die glei-che Strategie und machten systemtreue Funktionäre, die international völlig unbekannt waren, zu den Milliardären der 1990er Jahre. Aus Fachliteratur und blanker Logik ist zu entnehmen, dass diese Oligarchen nur Strohmänner des KGB waren und ihre Rolle als reiche Playboys spielten. Sobald manche von ihnen zu eigenständig wurden und der Kontrolle des KGB zu entgleiten droh-ten, wurden sie flugs verhaftet, wegen Korruption angeklagt und enteignet. Die Milliardäre hatten letztendlich keine Macht über ihr eigenes Geld. Anstatt die Rothschilds dementsprechend zu analysieren, versteift sich Springmeier auf unbelegbare Vorwürfe über Satanismus und auf die These der Rothschilds als zentrale Drahtzieher. Springmeier fabuliert wie viele andere Verschwörungstheoretiker auch, dass der Clan hinter den bayerischen Illumi-naten steckte und mit einem eigenen Nachrichtendienst den europäischen Regierungen überlegen gewesen sei. Das Kapitel über die Rothschilds in Springmeiers Buch ist sehr ausführlich, weil er dabei auf viel altbekanntes Ma-terial zurückgreifen konnte. Geheimnisse bietet er keine.

Springmeiers Verhaftung und Ende seiner Karriere

Eine Weile lang zehrte Springmeier von der Popularität seines Buchs und ver-breitete allerhand Irrsinn, wie etwa, dass die Illuminaten eine Station auf dem Planeten Mars hätten. Er hätte wohl nach 9/11 im Internet einen gewaltigen Auftrieb erhalten können, aber er verbrachte diese wichtigen Jahre im Ge-fängnis wegen Marihuana, Waffen und einem Bankraub. Ein Gericht verurteilte ihn 2003 zu neun Jahren Haft, wobei er und seine Frau erklärten, krumme Fans seines Buchs hätten das Verbrechen begangen und ihn hinterher belastet. Die Verteidigung argumentierte, dass Springmeier nur davon gewusst habe, dass ein Herr Bateman eine Schusswaffe für einen Bankraub verwenden würde und dass dies keine Komplizenschaft bedeute.1 Das Gericht meinte aber, dass das Vorwissen und die „Absicht, zu helfen“ für eine Verurteilung ausreichen:

„Der Zeuge Huntington sagte darüber aus, wie Springmeier mit ihm und Bateman am dem groben Plan und den Details des Bankraubs arbeitete; dies beinhaltete die Auswahl der Bankfiliale, die Wahl des Zeitpunktes, die Wahl von Anfahrt und Fluchtroute, die Benutzung eines ausgeklügel-ten Ablenkungsmanövers, die Benutzung einer Schusswaffe, sowie den Diebstahl und die Nutzung eines Autos.“ Man kann zwar vermuten, dass die Bankräuber Springmeier auch deshalb belasteten, weil sie sich dadurch ein milderes Urteil für sich selbst erwarteten, aber wer möchte, kann sich die Details der Verhandlung durchlesen und sich eine eigene Meinung bilden. Springmeier und seine Fans deuteten das Ganze natürlich als fiese Rache der Illuminaten, obwohl Springmeiers Buch nichts weiter war als eine Sammlung bekannter biographischer Details und unbeleg-ter Mythen, die es in ähnlicher Form bereits zuhauf gab. Er war schlicht keine Bedrohung für Eliten.

Nach der Haft

Inzwischen ist Springmeier völlig in der Bedeutungslosigkeit versunken und versucht es im Internet mit absonderlichen Lügengeschichten, die sogar seine treuesten Fans vergraulen. Laut seinen angeblichen Insiderquellen habe eine neue Generation an Familien die Macht übernommen, es gäbe nur noch sie-ben führende Blutlinien und diese wollten auch noch Frieden und Wohlstand schaffen…

Der neue König der Welt sei ein Mann namens William Cornelius Van Duyn, dessen Vorfahre verheiratet gewesen wäre mit einer Verwandten von Adam Weishaupt. Eine Online-Suche nach der Herkunft des Fotos dieses angeblichen Van Duyn führt zu dem Linkedin-Profil eines ungarischen Software-Entwicklers.2 Springmeier behauptet zudem, dass er in persönlichem Kontakt stünde zu Jacob Rothschild, der ein vernünftiger und herzensguter Mann sei. Das Publikum war natürlich völlig baff.3 Seine vorherigen Bücher überschritten bereits die Grenze zur Hochstapelei wegen den Märchen über seine Illuminaten-Quellen, aber die heutigen Ge-schichten sind pure Fiktion. Es kann natürlich sein, dass er einfach grenzenlos naiv ist und sich schnell einen Bären aufbinden lässt. Nachdem er online auf die Suche gegangen war nach einer unterwürfigen philippinischen Ehefrau und von offensichtlichen Betrügern über Monate hinweg über den Tisch gezogen wurde, veröffentlichte er aus unerfindlichen Gründen die peinlichen Details: „Auf einer Dating-Seite schaute ich mir hunderte Profile von Frauen an, um jemand besonderes zu finden. Sobald ich sie gefunden hatte, sagte sie genau die richtigen Dinge, darunter auch wie sie Gott fürchte und liebe und wie sie sich mir gegenüber anständig verhalten würde. Sie zi-tierte aus der Bibel. Sie war ein „einfaches“ Mädchen vom Land. […] Ich bezahlte zögerlich 756$. Die Betrüger hatten Glück, dass ein Taifun kam und ich nichts für mein Geld bekam. […] Nach dem Taifun zögerte sie, sich per Webcam zu zeigen, denn sie wollte nicht, dass ich mir Sorgen mache über die Wunden überall an ihrem Körper, insbesondere an ihrem Kopf und Gesicht. […] Nach langem Nachdenken in der Nacht wurde mir klar, dass ihre Wunde am Kopf sich entzünden und zu ihrem Tod führen könnte. […] Also schickte ich weitere 2500$ damit sie ins Krankenhaus gehen konnte. […] Mutter Natur meinte es gut mit den philippinischen Betrügern und schickte mehr Taifuns, die in Notfällen resultierten. Es war eine schwere Belastung, ihr Überleben nach einem Desaster nach dem anderen zu finanzieren. Es wäre billiger gewesen, sie zur mir zu holen. […] Ich hatte ihr sieben Monate lang jede Woche durch solch eine Kata-strophe hindurchgeholfen, und war jedes Mal völlig fertig aus Mitleid für ihren Schmerz. Aber ich war fest entschlossen, dass ich ihr Überleben si-chern werde.

Kein Land traut ohne Weiteres Philippinos, nach der Einreise wieder nach Hause zu gehen und damit sie bessere Chancen hatte, ein Touris-ten-Visum zu erhalten, wollte ich, dass sie einen besseren Eindruck macht bei ihrer Visumsanfrage. Angefangen mit einem Pass, verschaffte ich ihr ein Grundstück mit einem Haus, ein Universitätssemester für den Herbst 2012 und ich überwies ihr zusätzlich noch rund 9000$ auf ihr Bankkonto für Steuern, Rechnungen und Miete. Sie versicherte mir wie-derholt, dass sie mir mein Geld nach der Visumsanfrage zurückgeben wird, damit ich finanziell nicht unterging mit meinen Rechnungen, die sich bei mir schon stapelten. Sie würde der Welt beweisen, dass sie mich liebte und dass sie kein Betrüger war.“ Man kann davon ausgehen, dass diese Frau nie existiert hat, sondern dass Springmeier sich die ganze Zeit in Wirklichkeit nur mit männlichen Betrügern unterhielt.4 Solche reinen Internet-Schwindler können sich normalerweise nur kleinere Summen über das Internet ergaunern, bevor das Opfer misstrauisch wird und die Reißleine zieht, aber Springmeier ließ sich nach eigenen Angaben monate-lang ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, obwohl er eigentlich kritisches Denken und Recherche beherrschen sollte.

Quellen:

[1] https://scholar.google.com/scholar_case?q=%22Fritz+Artz+Springmeier%22&hl=en&as_sdt=3,44&case=17290688063678630470&scilh=0

[2] http://mercytriumphs.org/mercytriumphs/2014/04/25/the-king-of-the-world-analyzed-by-fritz-springmeier/

[3] https://www.henrymakow.com/2014/05/fritz-springmeier-replies-to.html

[4] https://www.henrymakow.com/frtiz_springmeier_victim_of_fi.html