Geheimdienst

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Ein klassischer Geheimdienst ist eine bürokratische, professionelle Behörde zur Informationsbeschaffung und verdeckten Kriegsführung.

Struktur

Ein Geheimdienst kann offiziell existieren, mit pompösem Hauptquartier in der Hauptstadt und zugebilligtem Budget (nebst schwarzen Kassen versteht sich), oder aber er hält sogar seine komplette Existenz und seine Geldmittel geheim. Als Victor Ostrovsky zum israelischen Mossad kam, wurde immer noch in der Öffentlichkeit so getan, als sei der Dienst nur ein Mythos und es wurde ihm sofort bei der Begrüßung verboten, den Namen jemals zu verwenden. Statt-dessen solle er immer nur über „das Büro“ reden. Das bedeutet natürlich, dass es mehr Geheimdienste gab und gibt, als gemeinhin in der Literatur anerkannt wird. Dies ist vor allem insbesondere bei der Analyse des Hochadels wichtig, da dieser sich wegen der Familienstruktur und den gemeinsamen Interessen perfekt als zentraler Geheimdienst eignete. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Existenz vieler westlicher Geheimdienste öffentlich zugegeben, wobei diese wahrscheinlich schon deutlich früher bestanden und eine außerordentlich wichtige Rolle spielten. Die Geheimdienste der Sowjetunion hatten eher den Stil von starren Ämtern und Institutionen, während in Großbritannien und den USA ein familiärer und sektenartiger Charakter vorherrschte und rituell untermauert wurde. Ein KGB-Agent verstand sich als Rädchen eines Apparats mit gewissen Privilegien. Ein MI6-Agent verstand sich vielmehr als Teil einer sakralen Bruderschaft und Familie. Auch die CIA und die anderen US-Geheimdienste nutzen bis heute den Familiencharakter.

In einem Land existieren meistens mehrere Geheimdienste, die sich verschiedene Aufgaben teilen und ständig können Umstrukturierungen vorgenom-men werden. Dies liegt zum einen daran, dass sich leitende Figuren um Presti-ge und Verantwortung streiten, zum anderen soll auf diese Weise verhindert werden, dass Geheimdienstler ein allzu vollständiges Bild über die Gesamtsitu-ation erhalten. Nur die adelige Elite oberhalb der Geheimdienste darf den Überblick haben. In Russland entwickelte sich aus einer Reihe an Vorläufern irgendwann der KGB für das Inland und das Ausland mit vielen verschachtelten Unterabteilungen; heute gibt es eine Aufteilung mit dem FSB für zuhause sowie den SWR für den Rest der Welt. Daneben gesellt sich immer noch der Militärgeheimdienst GRU dazu. Unter Putin sehen wir wieder eine Konvergenz hin zu einer einheitlichen Organisation, wobei diese auch wieder aus vielen Abteilungen bestehen wür-de für verschiedene Aufgabengebiete. Es war nicht ungewöhnlich, dass eine Abteilung die Identität ihrer Top-Spione im Ausland sogar vor der Sowjetfüh-rung geheim hielt. Nur auf gesonderte Anfrage wurde ein solches Geheimnis gelüftet. Solche abschirmenden Maßnahmen sollten verhindern, dass diese Top-Geheimnisse an den Gegner durchsickern. Ganze Geheimoperationen können auch gezielt mit Falschinformationen gefüttert werden, mit der Ab-sicht, dass der Gegner diese Geheimoperationen entdeckt und die Desinfor-mation schluckt. In den Zeiten der Sowjetunion gab es in den Satellitenstaaten diverse Partner-Dienste, die letztendlich unter Kontrolle des KGB standen, aber gleichzeitig eine gewisse Eigenständigkeit wahrten, wie beispielsweise das ostdeutsche Ministerium für Staatssicherheit. Die Stasi war wiederum unterteilt in Abteilungen wie etwa die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA), eine Abtei-lung für Desinformation, eine für technisch-wissenschaftliche Spionage, eine für den Betrieb von elektronischer Spionage, eine Fälscherwerkstatt usw. Es ist auch üblich, bei einem Auslandsgeheimdienst eine separate Abteilung für jede wichtige Region der Welt zu schaffen. Der israelische Mossad ist so klein, dass Agenten praktisch ungebremst von einer Abteilung in die andere laufen und alles kennenlernen konnten. Die USA verfügen über eine auffällig hohe Zahl an Geheimdiensten, wobei der Auslandsdienst Central Intelligence Agency (CIA) und die National Security Agency (NSA) für elektronische Spiona-ge in der Öffentlichkeit am bekanntesten sind. Man spricht von offiziell 17 verschiedenen Organisationen innerhalb der „Intelligence Community“, die dem Direktorat für das Nationale Geheimdienstwesen unterstehen und ein Gesamtbudget von offiziell 50 Milliarden Dollar pro Jahr verbrauchen. Von den meisten dieser 17 hat der Durchschnittsbürger noch nie etwas gehört, wie etwa von der „Marine Corps Intelligence Activity“ oder der „Defense Intelli-gence Agency“. Es wäre höchst naiv, anzunehmen, dass es neben den offiziell existierenden Geheimdiensten keine weiteren gibt. Schließlich besitzen die Eliten genügend Mittel und Werkzeuge, um einen eigenen Supergeheim-dienst zu führen, der sich aus dem Material der gewöhnlichen Geheimdienste speist. Längst haben Großkonzerne wie Microsoft, Google oder amazon immer größere Geschäftsbeziehungen zu den Diensten und bauen deren Infrastruk-turen und betreiben deren Cloud-Dienste.

Firmen die mit Geheimdiensten zusammenhängen

Dann gibt es noch allerhand Privatfirmen, die nachrichtendienstliche Leistungen verkaufen, Telekommunikationskonzerne die allerhand Daten beschafften und immer wieder mit den Geheimdiensten kooperierten, die Gesundheits-branche, die wichtige Patientendaten ansammelt, Transportunternehmen, datensaugende Soziale Netzwerke und vieles mehr. Es gibt zwar offiziell Geset-ze, die den Zugriff auf solche Daten regeln und zugunsten der Privatsphäre begrenzen sollen, aber in der Praxis hat niemand die Möglichkeit, sich ohne Weiteres vor den neugierigen Augen der Dienste zu schützen. Schließlich bleibt ja nichts anderes übrig, als Windows-Computer, Apple-Computer, Linux-Systeme, die Internet-Infrastruktur und diverse Datenprotokolle und Ver-schlüsselungen zu benutzen, die keine echte Sicherheit bieten. IBM baute auch schon Codebrecher-Maschinen für die NSA. Bell und AT&T kooperierten auch mit der NSA. Das gesamte Internet ist eine Entwicklung des amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes und muss daher entsprechend misstrau-isch beäugt werden.

Es gibt also nicht unbedingt eine klare Trennung zwischen den Geheimdiensten und den Konzernen, wobei hier wieder der Familienaspekt eine wichtige Rolle spielt, denn die Besitzer von Großkonzernen und Banken sind häufig miteinander verwandt oder verkehren zumindest in den gleichen Kreisen. Auch muss man mit Tarnfirmen rechnen und mit Strohmännern, die öffentlich die Besitzer eines Konzerns mimen, ohne wirklich die Kontrolle zu haben.

Geheimdienst als wichtigste Struktur eines Staates

Es gibt keine Organisationsstruktur, die einem Geheimdienst überlegen wäre. Ganze Staaten und Imperien lassen sich so gestalten und verwalten (siehe Kryptokratie). Eine Militärdiktatur oder Parteiendiktatur oder eine demokratische Republik wäre ohne starke geheimdienstliche Tätigkeiten nicht zu halten und würde schnell unterwandert und gestürzt werden.

Kompartimentierung

Die getrennte Lagerung von Informationen und das Prinzip "Need to know" sollen verhindern, dass Geheimdienstler zuviel Überblick erhalten und moralische Bedenken entwickeln. Bestimmte Mechanismen erinnern an die Methoden einer Sekte.

Wichtig ist auch zu verstehen, dass die allermeisten Geheimdienstler in westlichen Ländern recht anständige und pflichtbewusste Personen sind und nur ein Bruchteil der Agenten für illegale und moralisch höchst verwerfliche Missionen benutzt werden. Die Nachrichtendienstmitarbeiter haben praktisch nie einen größeren Überblick über das Geschehen und dürfen höchstens zum Zwecke der Abwehr nach Verrätern in den eigenen Reihen suchen, aber niemals den Eliten hinterherschnüffeln, um mögliche illegale Aktivitäten aufzuspüren. Typische Verschwörungstheoretiker haben oft ein verzerrtes, übermäßig negatives und unrealistisches Bild von dem durchschnittlichen westlichen Geheimdienstler. In der Zeit des Kalten Krieges gab es wegen dem gemeinsamen sowjetischen Feind gewisse Sympathien zwischen manchen Figuren aus der Szene der Verschwörungstheoretiker und manchen Geheimdienstlern. Heute aber hegt die Verschwörungsszene aber praktisch nur noch Sympathien für Russland und macht sich somit unnötig zum Feindbild der aktuellen Generation von Geheimdienstlern.

Residenturen im Ausland

Ein Geheimdienst versucht prinzipiell, im Ausland verschiedenartige Spionage-Zentren und die nötige Infrastruktur zu etablieren. Agenten sind teuer, denn sie brauchen die nötige Ausbildung, Tarnidentitäten, sichere Räumlichkeiten, Abschirmung, sichere Kommunikationsmittel, Bargeld, medizinische Versor-gung, Tarnfirmen, Fahrzeuge usw. In aller Regel sind in den Botschaften im Ausland solche Geheimdienststationen (Residenturen) untergebracht und die leitenden Agenten dort sind gleichzeitig Diplomaten und genießen diplomatische Immunität. Beispielsweise beherbergen russische Botschaften in Deutschland russische Geheimdienststationen und der deutschen Regierung ist dies auch bewusst, aber es gehört zum diplomatischen Alltag, solche Zustände zu tolerieren. Treiben es die als Diplomaten getarnten Russenagenten zu bunt oder lassen sich gar bei einer heiklen Aktion erwischen, werden sie von Deutschland des Landes verwiesen. Verhaftet werden können sie nicht wegen der diplomatischen Immunität, deshalb ist es auch bei der Bundesrepublik üblich, ausländischen Botschaften nur eine begrenzte Zahl an Diplomaten zuzugestehen und diese Zahl notfalls als Bestrafungsaktion zu reduzieren. Diplomaten haben auch das Recht, Ge-genstände ins Gastland zu bringen, ohne dass diese vom Gastland beim Grenzübertritt oder am Flughafen überprüft werden dürfen. Dabei kann es sich um alles Mögliche handeln, wie zum Beispiel eine hochgefährliche biologische Waffe.

In einem Botschaftsgebäude haben Spione den nötigen Platz für ihre techni-sche Ausrüstung und Bürobedarf, sowie einen ungestörten Ort, um Einsätze zu planen. Dabei steht man selbstverständlich in regelmäßigen Kontakt mit der Spionage-Zentrale in der Heimat. Auch gilt die russische Botschaft in Deutsch-land als Territorium der russischen Föderation und die Bundesregierung darf keinen Fuß unerlaubt dorthin setzen, denn dies käme fast einer Kriegserklä-rung gleich. Im Extremfall, meistens kurz vor einem Krieg, würde Deutschland sämtliches russisches Botschaftspersonal des Landes verweisen und das Ge-bäude (nach einer gewissen Vorwarnzeit) in Besitz nehmen.

Ein Spion vom russischen Botschaftspersonal, der keine diplomatische Immunität besitzt, läuft Gefahr, im Ernstfall von der Bundesrepublik verhaftet und schwer bestraft zu werden, allerdings findet man für gewöhnlich für solche Spione mit ausländischer Staatsbürgerschaft eine Lösung, die nicht zu viel Aufregung erzeugt, wie etwa der Austausch von verhafteten Agenten auf beiden Seiten.

Die russische Botschaft wird natürlich permanent von der deutschen Spiona-geabwehr beobachtet und man verfolgt auch russisches Botschaftspersonal, wenn es die Botschaft verlässt, aber oftmals ist eine lückenlose Überwachung finanziell zu aufwändig. Umgekehrt ist es für deutsche Agenten in deutschen Botschaften in Russland praktisch unmöglich, sich außerhalb des Gebäudes zu bewegen, ohne dabei auf Schritt und Tritt observiert zu werden.

Dann gibt es noch Spione, die eine völlig andere Tarnung aufweisen, wie etwa die eines Geschäftsmannes. Sogenannte Tarnfirmen können aussehen wie normale Unternehmen, oder auch reine Briefkastenfirmen sein. Bewährt hat sich das Konzept, verschachtelte Konstrukte zu schaffen mit Holdings, Beteili-gungsgesellschaften und Zwischenstationen in anonymen Steuerparadiesen. Deutsche Fahnder stoßen hier regelmäßig an ihre Grenzen. Für eine bestimm-te Geheimdienstmission kann auch eine Firma gezielt aufgebaut und hinter-her gleich wieder geschlossen werden. Bei weniger heiklen Missionen reichen eine Visitenkarte, eine Adresse, ein einfacher Eintrag ins Firmenregister und eine Telefonnummer die von einer Sekretärin (Agentin) beantwortet wird. Prinzipiell eignet sich jede Art von Tarnorganisation für Spionage, ob nun Vereine oder Kirchen oder Sportmannschaften.

Ein Auslandsagent kann im Laufe seiner Karriere viele verschiedene Rollen spielen und Identitäten annehmen. Je nach Wichtigkeit und möglichem Zeit-aufwand wird eine unterschiedlich aufwändige Legende gestrickt. Der russi-sche SWR kann natürlich seinen Agenten jeden beliebigen russischen Pass drucken, aber ein solcher Pass würde in der Bundesrepublik natürlich sofort suspekt erscheinen. Besser ist es, man fälscht einen deutschen Pass bis ins Detail. Dieser würde bei einer Polizeikontrolle nicht auffallen, aber eine genau-ere Überprüfung würde die Legende nicht überleben.

Alternativ kann der SWR entweder einen Deutschen als Agenten anwerben und heimlich ausbilden oder einen ausgebildeten russischen Agenten in Deutschland ansiedeln und ihm ein normal aussehendes Leben mit Beruf und Krankenversicherung usw. ermöglichen. Solche Schläfer-Agenten führen jahre-lang oder jahrzehntelang ein scheinbar normales Leben im Zielland. Die Sow-jets hatten zu diesem Zweck Agenten zunächst eine Weile in Polen leben lassen, dann in die DDR umgesiedelt, dann nach Kanada geschickt und schließ-lich als Migranten in die USA geschleust. Wenn also die amerikanische Einrei-sebehörde eine Überprüfung veranlasste, mussten schwierige Recherchen in den Herkunftsländern betrieben werden. Selbst Schnüffeleien hinter dem Eisernen Vorhang hätten ergeben, dass das unscheinbare Migranten-Pärchen tatsächlich in den betreffenden Ländern gelebt und gearbeitet hat.

Es Klassiker, der inzwischen kaum noch funktioniert, ist das Stehlen der Identi-tät eines Toten. Früher war das bürokratische Netz noch nicht so eng gestrickt; vor allem nicht im ländlichen Bereich. Wenn ein Kind aus einem bestimmten Jahrgang verstorben war und dies nicht den Behörden angezeigt wurde, konn-te ein Agent unter Umständen dessen Identität stehlen, einen Pass erhalten und alle Vorteile der Staatsbürgerschaft nutzen. Heutzutage ist das bürokrati-sche Netz deutlich enger und biometrische Merkmale sind feste Bestandteile von Ausweisdokumenten.

Identitätsdiebstahl lässt sich heute eher digital betreiben, indem persönliche Daten kopiert werden, aber damit kann ein Agent natürlich nicht ohne Weite-res in Person auftreten. Im Internet lassen sich selbstverständlich in Windeseile Fake-Profile erstellen. Auch eine gängige Taktik ist das Einschleusen eines Agenten ins Zielland unter der Tarnung eines Flüchtlings. Gerade während der Flüchtlingskrise von 2016 führte der deutsche Staat nur sehr oberflächliche Überprüfungen durch und fing sich damit auch Terroristen des Islamischen Staats ein. Ein als Flüchtling getarnter Agent wird eine glaubhaft konstruierte Geschichte erzählen, sich höflich geben, schnell die Sprache des Ziellandes beherrschen und gesellschaftlich aufsteigen. So bekommt man einen Pass und eine Staatsangehörigkeit.

Ein etablierter Agent im Ausland darf nur eine begrenzte Zahl an Verbin-dungspersonen kennen, um das Risiko zu verringern, dass ein ganzer Ring auffliegt. Dennoch unterstützen sich Agenten insbesondere dann gegenseitig, wenn es um die Penetration einer Organisation geht. Der Spion, dem als erster die Penetration gelingt, wird versuchen, weitere Spione in die Organisation zu schleusen.

Zu dem Aufgabenbereich von Spionen im Ausland gehören:

  • Das Anwerben von neuen Agenten, Spitzeln und Informationsquel-len
  • Die tiefe Penetration gegnerischer Strukturen, bis hin an die Spitzen-ebenen
  • Das Stehlen von wertvollem Datenmaterial über Pläne und Ge-heimstrukturen des Gegners, militärische Operationen, gegnerische Spionagemissionen, technische Baupläne, Verschlüsselungscodes usw.
  • Kompromittierendes Material beschaffen zum Zweck der Diskreditie-rung oder Erpressung von Personen
  • Die Vermittlung von Desinformation
  • Das Anbringen von Wanzen an schwer zugänglichen Orten
  • Der Betrieb von Tarnorganisationen, darunter auch politische Partei-en
  • Unterstützungshandlungen für diverse Spionagemissionen anderer Agenten, wie die Beschaffung von Deckadressen, Fahrzeugen, oder Waffen
  • Attentate, Krankmachen von Zielpersonen
  • Die Entführung von Zielpersonen
  • Durchführung von Sabotageaktionen
  • Zersetzung der Zielgesellschaft
  • Organisation von Aufständen und Revolutionen

Ein Auslandsgeheimdienst ist gleichzeitig Informationsbeschaffer und auch eine Truppe für den verdeckten Kampf.

Inlandsspionage

Die Spionage im eigenen Land ist wesentlich einfacher zu bewerkstelligen, denn hier lassen sich leicht neue Agenten anwerben und ausbilden, der Ge-heimdienst kann in perfekter Qualität beliebig Ausweisdokumente fälschen und Legenden zusammenzimmern und falls mal ein Agent auffliegt, lässt sich die Angelegenheit schnell vertuschen. Die Inlandsspionage soll hauptsächlich

  • Terroristen, politische Extremisten und feindliche Agenten aufspüren
  • Tarnorganisationen betreiben
  • heimlich Organisationen betreiben, die Unzufriedene und Radikale anlocken
  • Informanten an allen wichtigen Stellen der Bevölkerung anwerben und an den wichtigsten Positionen Agenten platzieren
  • Analysen erstellen
  • massenhaft Kommunikationsdaten der Bevölkerung abfangen und auswerten
  • Postsendungen überprüfen
  • Bevölkerungsteile je nach Wunsch stabilisieren oder destabilisieren
  • Listen von Staatsfeinden führen
  • Dissidenten aufspüren, einschüchtern, behindern und verhaften
  • notfalls Attentate durchführen
  • bei Bedarf Anschläge unter falscher Flagge verüben
  • Politiker als Agenten führen oder verwirren
  • Staatschefs beraten
  • eine Art „Staat im Staat“ betreiben
  • Insiderhandel ermöglichen und bestimmten Personen unfaire Vorteile verschaffen

Anwerbung und Ausbildung

Es gibt verschiedene Arten, auf denen man zum Nachrichtendienstagenten wird: Man kann sich heutzutage sogar oftmals direkt bewerben, allerdings eher nur für spezifische Aufgaben, wenn man beispielsweise über besondere ma-thematische oder sprachliche Fähigkeiten verfügt. Traditionell gehen die Dienste unter Einhaltung strenger Sicherheitsbedingungen auf vielverspre-chende und vorab aus der Distanz überprüfte Kandidaten zu und loten aus, ob die Person Interesse hat. Ein Kandidat muss allerhand Hintergrundprüfungen und Vorlauftests beste-hen, die von Dienst zu Dienst unterschiedlich aussehen. Bei der CIA nahm man zu Beginn häufig Absolventen der Eliteuniversitäten und gab jenen einen einfachen Crashkurs. Heute ist die Ausbildung standardisiert und einige Agen-ten verbringen nach der Grundausbildung an der „Farm“ den Rest ihrer un-spektakulären Karriere am Schreibtisch. In Britannien hatte man traditionell als Freimaurer oder Elitesoldat mit entsprechenden Familienkontakten gute Chancen und das Ausbildungsniveau war generell sehr hoch. Irgendwann warb man sogar gewöhnliche Männer und auch Frauen aus dem Volk an mit Hilfe von komplizierten Kreuzworträtseln. Die Gewinner traten bei einem weiteren Test gegeneinander an und die besten davon durften zu der gehei-men Codebrecher-Einheit in Bletchley Park.

Beim israelischen Mossad gab es aus Geldmangel dermaßen wenige Plätze, dass man nur die besten der besten auswählte und gnadenlos drillte, bis das Agentendenken in Fleisch und Blut überging und die Agenten auf Abruf die gefährlichsten Aufträge übernehmen konnten. In Deutschland werden zu-meist Verwaltungsbeamte und Polizisten aus dem höheren Dienst zu Agenten gemacht, aber natürlich auch an den Universitäten und bei Firmen Leute an-geworben. Es kam schon vor, dass BND-Agenten aus reiner Langeweile anfin-gen, Geheimnisse ans Ausland zu verkaufen. Der Bundesnachrichtendienst galt lange Zeit als einer der am schlimmsten unterwanderten Dienste der Welt und hat bis heute international den Ruf, unzuverlässig zu sein und eher als Daten-sammel-Stelle für die Amerikaner zu fungieren. Der KGB rekrutierte zeitweise viel zu viele Agenten und setzte eine große Zahl davon im Inland ein, wo es keine spannenden Missionen gab. Wladimir Putin wurde nach der Universität angeworben und durfte eine Zeit lang nur inländi-sche Dissidenten jagen, bevor er einen Auslandsposten in der DDR bekam, der völlig unspektakulär war. Inspiriert wurde Putin schon als Kind durch propa-gandistische Filme und Romane über heldenhafte russische Agenten, die die deutsche Abwehr infiltrierten.

Die Bezahlung ist meist nicht das Gelbe vom Ei, man darf mit seiner Arbeit nicht gegenüber Unbefugten prahlen und der Job kann hart, gefährlich oder aber eintönig werden. Der klassische Auslandsspion muss improvisieren können, sich genau an Details erinnern, unzählige fehlerfreie Berichte schreiben, Ver-folger aufwändig abschütteln, andere Menschen manipulieren, notfalls töten, und muss vor allem bei der Sache bleiben ohne in eine Falle zu tappen. Wird man geschnappt, kann man nicht unbedingt damit rechnen, gerettet zu wer-den. Die Verlockung ist natürlich da, Geheimnisse an fremde Dienste zu ver-kaufen und damit Geld anzuhäufen für einen versilberten Ruhestand.

Der Geheimdienst-Analyst wird hingegen tagaus, tagein am Computer sitzen und irgendwelchen Extremisten hinterherschnüffeln, oder Einschätzungen über irgendeine Sache eintippen, die dann mehrfach geändert werden und dann meist ungelesen in einem Aktenschrank landen. Ein Agent kann auch eine andere Person ausbilden in den grundlegenden Techniken, wie geheime verschlüsselte Kommunikation, die Bedienung einer Spionagekamera für Dokumente oder das Prozedere, wie der Verräter sich regelmäßig mit seinem Führungsoffizier zu treffen hat. Der Agent bzw. der Führungsoffizier kann den neu angeworbenen Verräter auch zu speziellen Ausbildungskursen im Ausland bzw. in einem neutralen Drittstaat schicken; getarnt als Urlaub und mit gefälschten Papieren versteht sich. Warum lässt sich jemand, ob Agent oder Normalbürger, von einem (fremden) Geheimdienst anwerben und wird zum Verräter? Es gibt verschiedene Motiva-tionen, die oft in Kombinationen funktionieren: Geld ist ein offensichtlicher Anreiz, wobei Geheimdienste notorisch knapp bei Kasse sind und nur eine Top-Information oder ein lange anhaltender Strom an Informationen wirklich lukrativ ist. Die Bezahlung kann auch in Form von Insiderinformationen über Investments erfolgen oder in Form von Firmenanteilen im Ausland. Sowohl eine Verschuldung als auch simple Gier sind Auslöser. Ideologische Motive können politischer oder religiöser Natur sein und manche Angeworbenen handeln ohne Bezahlung und lassen sich höchstens noch Auslagen ersetzen. Zwangsmethoden sind beispielsweise die Erpressung oder physische Bedro-hung der Zielperson und/oder des Umfelds der Zielperson. Der Klassiker sind Sex-Geheimnisse und heimliche Sexaufnahmen zu diesem Zweck. Ego-Gründe funktionieren bei Leuten, die sich nach Abenteuern und Status sehnen und Gefahr als aufregend empfinden. Eine Zielperson, die unzufrieden ist mit ih-rem derzeitigen Status, gefällt sich möglicherweise mit ihrer neuen Identität als Spion. Simple Rachegefühle motivieren besonders narzisstische Personen, die sich wegen ihrem mangelnden Erfolg und der mangelnden Anerkennung gekränkt fühlen und sich vom Verrat die Erfüllung ihrer Bedürfnisse verspre-chen. Persönliche, romantische Beziehungen haben immer wieder funktioniert und hatten den Reiz des Verbotenen und Besonderen. Auch simple Täu-schungsmanöver ziehen: Der Agent behauptet, für einen ganz anderen Dienst zu arbeiten und stellt seine Tätigkeit als legal dar. In der amerikanischen TV-Sendung „The Americans“ verführt der Protagonist eine Sekretärin des FBI-Büros und lässt diese eine Wanze bei ihrem Chef verstecken. Ein Russenagent könnte sich beispielsweise mit Hilfe eines gefälschten Auswei-ses einer deutschen Person gegenüber als Mitarbeiter einer deutschen staatli-chen Sicherheitsbehörde ausgeben und seine Hilfe anbieten oder Forderun-gen stellen. Oder aber eine russische Frontorganisation bietet der Zielperson auf eine legal wirkende Weise Geld und geldwerte Vorteile an, kultiviert die Beziehung weiter und fragt die Person zunehmend aus über deren Kontakte zu Politkern oder Firmen-Managern.

Selbstanbieter, Überläufer, Diener mehrerer Herren und Umgedrehte

Was tut jemand, der an einem Geheimdienst Informationen verkaufen will, aber noch keine Kontaktperson hat? Wie findet jemand den Kontakt zum Ge-heimdienst? Man betritt die entsprechende Botschaft des ausgesuchten Lan-des und verlangt, jemanden von der „Sicherheit“ zu sprechen. Man präsentiert Proben von Geheimmaterial und erklärt, was man von welcher Qualität in welchem Umfang beschaffen kann. Im nächsten Schritt wird eine Prüfung des Selbstanbieters vorgenommen und über die Bezahlung verhandelt. Überläu-fer, die aus verschiedenen moralischen oder egoistischen Gründen die Seiten wechseln, steuern auch oft zielstrebig Botschaften an. Selbstanbieter und Überläufer können eine wahre Goldgrube sein, es kann sich jedoch aber auch um Doppelagenten mit Täuschungsabsicht handeln. Überläufer und Selbstanbieter haben einige der wichtigsten Informationen in der Geschichte der Geheimdienste geliefert und waren für die Geheimdienste oft das beste Mittel, um feindliche Agenten in den eigenen Reihen aufzuspü-ren. Entweder konnten die Überläufer die genaue Identität von Spionen verra-ten oder zumindest so viele Details, dass man auf die Identität mit Ermittlun-gen stoßen konnte. Ein weiteres Phänomen sind die Diener mehrerer Herren, die sich gleich an mehrere verschiedene Geheimdienste verkaufen (auch bis zu zehn oder mehr), ohne dies den einzelnen Diensten zu enthüllen. Eine solche Vorgehensweise ist natürlich sehr gefährlich.

Ertappt man einen Spion bzw. einen Verräter, kann man versuchen, diesen „umzudrehen“ und zur Kooperation zu zwingen. Über diesen Umgedrehten kann man dem gegnerischen Geheimdienst gefälschte Informationen und Desinformation füttern. Kommunizierte der Ertappte ohnehin nur digital oder schriftlich oder per Funk mit seinem Führungsoffizier, kann man dessen Identi-tät auch komplett stehlen und die Kommunikation selbst führen. Unzählige antikommunistische Kämpfer waren im Kalten Krieg von der CIA ausgebildet und in den Ostblock geschleust worden, wo sie prompt gefangen genommen wurden, da ein enorm hoher sowjetischer Spion im britischen Sicherheitsappa-rat diese Operationen an Moskau verriet. Die Kommunisten funkten nach solchen Festnahmen einfach an die Amerikaner zurück: „Alles bestens, schickt mehr Geld.“ Es wurde auch der falsche Eindruck lanciert, es gäbe hinter dem Eisernen Vorhang massive Nester an Widerständlern.

Groß angelegte Täuschungsmanöver

Täuschungen gibt es in allen Größenordnungen und je größer die Lüge ist, die man dem Gegner andrehen will, umso dicker ist das Preisschild, das an solch einer Operation hängt und je mehr Zeit wird benötigt. Die gewöhnliche Ge-schichtsforschung behandelt allerhöchstens mittelgroße Kampagnen zur Täuschung, aber alles was darüber hinausgeht, wird entweder nicht mehr wahrgenommen oder von vorneherein nicht untersucht. Es wurde bekannt, dass britische Geheimdienste beispielsweise ihre eigenen Agenten absichtlich an der norddeutschen Küste in Nazi-Gefangenschaft geraten ließen, damit diese Agenten dann im Verhör die Falschinformation preisgaben, die alliierte Invasion würde woanders als in der Normandie stattfinden. Dazu gab es noch eine massive Zurschaustellung von Fake-Panzern, die von der deutschen Luft-aufklärung für echt gehalten und als Beweis gewertet wurden dafür, dass die Invasion nicht an der Normandie kommen würde. Ein solches Täuschungsma-növer wird in Geschichtsbüchern zweifellos anerkannt. Aber wenn es um die systematische Hilfe der Briten und Amerikaner an die Nazis geht in den 1930er Jahren, stoßen die gewöhnlichen Historiker an ihre Grenzen oder müssen vor ungeschriebenen Grenzen haltmachen. Es wurde viel geforscht zu Komman-domissionen der britischen Special Operations Executive im Zweiten Welt-krieg, der Vorläufer modernen Spezialeinheiten, und wir finden spannende Doku-Beiträge im Fernsehen darüber. Aber es herrscht eisiges Schweigen darüber, wie hoch die britischen Dienste ihre Spione in der Nazi-Führung plat-zieren konnten und welche Auswirkungen dies gehabt haben könnte. Auch tabu sind die Betrachtungen von geheimdienstlich gesteuerten Regierungen, inszenierten Kriegen und generell von allem, was der Bevölkerung hohe Opfer abverlangt. Die einzigen, die sich tatsächlich mit der Untersuchung von groß angelegten Missionen zur Täuschung beschäftigten, waren die Verschwörungsautoren, wobei diese oft nicht professionell forschten, sondern nur alte Mythen wieder-holten und Sensationen für ihre Bücher konstruieren wollten. Teilweise wur-den Verschwörungen behauptet, die sich über tausende Jahre in die Vergan-genheit erstrecken, was den realistischen Rahmen natürlich sprengt und auch nicht beweisbar ist. Und natürlich kontaminierten neben Irrtümern und Fal-schinformationen auch irreführende Denkmuster diese Literatur, wie z.B. die ständige Fixierung auf Juden.

Revolution

Das Rezept zum Anfachen einer Revolution und zum Sturz einer Regierung ist im Kern denkbar einfach, in der Praxis allerdings schwierig. Auch kommentier-ten Experten nach dem sogenannten arabischen Frühling, dass es wesentlich schwieriger ist, nach einer geglückten Revolution eine neue stabile Ordnung zu etablieren.

  • Schritt 1: Demoralisierung und Destabilisierung. Dieser Prozess findet statt durch alle Formen der wirtschaftlichen Sabotage, durch Propa-ganda, mit Hilfe von Narzissmus und Versprechungen über eine bes-sere Zukunft, mit dem Schüren von Rache und mit den Untergraben aller wichtigen gesellschaftlichen Strukturen. Terroranschläge sorgen dafür, dass die Menschen ihre bisherige Regierung nicht mehr als stark wahrnehmen oder wegen den Repressalien als zu despotisch. Die professionellen Anführer der Revolution predigen lautstark Slo-gans über Freiheit und Veränderung.
  • Schritt 2: Eskalation. Mit geschürten Krisen, mit Massendemonstratio-nen und verschiedenen offenen und verdeckten Mitteln erzeugt man eine Situation, in der selbst die gemäßigteren Menschen sich gezwungen fühlen, für ihre jeweilige Seite zu kämpfen.
  • Schritt 3: Sturz der alten Ordnung. Die verschiedenen Machtzentren (Regierungssitz, Medien, Militär usw.) werden möglichst schnell übernommen
  • Schritt 4: Etablierung der neuen Ordnung. Die professionellen Revoluzzer setzen alle Hebel in Bewegung, um diese neue Ordnung abzusichern. Es ist keine Rede mehr von Freiheit und Veränderung. Kritiker der neuen Ordnung werden brutal unterdrückt.

Fake-Revolution

Typisch für die CIA war die Anfeuerung von Revolutionsgruppen, um diese dann im Regen stehen zu lassen. Üblicherweise werden die Revoluzzer dabei verheizt. Meistens schiebt die CIA dann die Schuld für den Rückzieher auf die Politik. Solche Beispiele sind u.a.:

  • der gescheiterte Aufstand in Ungarn während dem Kalten Krieg
  • die Invasion der Schweinebucht
  • Plots zum Sturz von Castro und der Eroberung von Kuba
  • Unterstützung für die afghanischen Taliban
  • der Syrienkrieg gegen Assad
  • diverse Revolutionsversuche im Ostblock