Jürgen Elsässer

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Jürgen Elsässer ist ein deutscher Journalist, Buchautor und Politaktivist. Er verbrachte lange Zeit als radikaler Vertreter des Sozialismus, versuchte später mit dem Compact-Magazin eine Querfront für verschiedene antiamerikanische Gruppen und übernahm dann viele neurechte Positionen. Über all die Jahre hinweg blieben seine Sympathien für den Ostblock bestehen. Er ist ein typischer Vertreter der Russlandpropaganda.

Antideutsch

Dominierend war lange Zeit in seiner Karriere die Feindseligkeit gegenüber den Durchschnittsdeutschen, Konservativen und Deutschland allgemein.

Mit 38 Jahren sang er noch das “Loblied auf die Fremdherrschaft” über Deutschland, hoffte dass die britischen Konservativen mit einem starken Militär immer zur Stelle sein würden, um ein wiedervereinigtes Deutschland in Schach zu halten, sympathisierte mit Bomber-Harris und war dermaßen straff kommunistisch, dass ihm selbst die ganzen anderen Linken nicht hart genug schienen. Diese Schwäche der Linken, diese nicht ausreichend starke antideutsche Gesinnung die bereits in der DDR vorgeherrscht hätte, würde laut Elsässers Befürchtungen aus den 1990er Jahren unweigerlich dazu führen, dass sich eine neue bürgerliche Partei rechts von der CDU etablieren könne, die sogar in einer Querfront-Strategie auch so manche linke Wähler für sich begeistert. Also ist mit der Gründung und den Wahlerfolgen der AfD eigentlich Elsässers Horrorvision eingetreten. Wenn da nicht aber der starke pro-russische, eurasische Kurs in der Parteibasis wäre.

Viele Konservative interessieren sich heute nicht für die “Jugendsünden” oder “alten Meinungen” des COMPACT-Chefredakteurs und machen sich gar nicht erst die Mühe, die alten Texte hervorzukramen. Dabei sollte man doch die wichtigste Frage von allen stellen: Ist er wirklich vom führenden Antideutschen zum Befürworter eines souveränen, bürgerlichen und gerüsteten Deutschlands geworden? Oder hat er eher irgendwann eingesehen, dass mit der impotenten Linken kein Blumentopf zu gewinnen ist und man viel eher die Deutschen in eine Eurasien-Falle hineinlocken könnte?

1995 erschien im konkret-Verlag “Wenn das der Führer hätte erleben dürfen – 29 Glückwünsche zum deutschen Sieg über die Alliierten”. Bereits der Titel macht klar: Für ihn ging es den vermaledeiten Deutschen viel zu gut und sie waren zu souverän geworden. Auf der Rückseite des Buches heißt es:

GERÜSTET MIT EINEM NATIONALISMUS, DER KEINE MAROTTE EWIGGESTRIGER IST, SONDERN DIE IDEOLOGIE DER NATIONALEN AVANTGARDE VON RECHTS BIS VORMALS LINKS, MACHT SICH DAS NEUE DEUTSCHLAND VON DEN BINDUNGEN AN DIE WESTLICHEN KRIEGSGEGNER FREI UND KNÜPFT ALLIANZEN MIT ALTEN FREUNDEN AUS DEN JAHREN VOR DER KAPITULATION. DER KONKRET-AUTOR JÜRGEN ELSÄSSER, GESCHÄTZT UND GEFÜRCHTET ALS DER RADIKALSTE KRITIKER ALLER VATERLÄNDEREI, STELLT IN DIESEM BUCH DIE “DRESDEN-LÜGE” RICHTIG, SINGT DAS “LOB DER FREMDHERRSCHAFT” UND VERGIESST “KEINE TRÄNEN FÜR TSCHETSCHENIEN”

Im Vorwort seines Buchs von 1995 feiert er die deutsche Niederlage und erinnert daran, dass Auschwitz nur deshalb gestoppt wurde, “weil die Rote Armee im Osten 14 Millionen Deutsche vor sich hergejagt und die Kollaborateure nach Westen getrieben hat”. Es wird noch viel krasser:

“…IM FEBRUAR WERDEN WIR EINEN TOAST AUF SIR ARTHUR HARRIS AUSBRINGEN, DESSEN LUFTFLOTTE DEN SOWJETISCHEN PANZERN IHREN VORMARSCH NACH BERLIN FREIBOMBTE. UND AM 8. MAI WÜRDEN WIR UNS GERNE VON SPEZIALISTEN DES MOSSAD ZEIGEN LASSEN, WIE MAN DEUTSCHE TORNADOS SPRENGT. JUST IN CASE.”

In dem zweiten Aufsatz des Buches “Wenn das der Führer hätte erleben dürfen” spricht Elsässer von der verpassten Chance nach 1945, Deutschland zu zerstückeln und zu demilitarisieren:

“WÄRE ES NICHT ZUM KALTEN KRIEG UND ZUR BIPOLARITÄT GEKOMMEN, WÄRE DEUTSCHLAND VIEL GRÜNDLICHER AUFGETEILT WORDEN. DIE STRATEGIE DER ZERSTÜCKELUNG DEUTSCHLANDS WAR AUSDRUCK DER WELTWEITEN ANTIFASCHISTISCHEN ALLIANZ, DAS BUHLEN UM DIE DEUTSCHE EINHEIT RESULTAT IHRES ZERFALLS.”

Die Teilung Deutschlands in Ost und West war dann für ihn leider nicht mehr als ein “glücklicher Zufall”. Er wollte mehr. Die Wiedervereinigung galt für ihn übrigens als “Annexion”. Er spart sich den Begriff Anschluss, auch wenn dies noch dramatischer und bedeutungsschwangerer geklungen hätte. Während er heute gegen linken Zeitgeist schimpft, klagte er noch 1995 in dem Aufsatz “Nie wieder BRD”:

“…FAHREN DIE KIDS DER 90ER JAHRE HAUPTSÄCHLICH AUF ‘ICH BIN STOLZ, EIN DEUTSCHER ZU SEIN’ AB. GIBT ES EINEN DEPRIMIERENDEREN FAKT ALS DIE UMSATZENTWEICKLUNG DER ‘WILDECKER HERZBUAM’ UND ANDERER VOLKSTÜMLICHER HORMONSKANDALE? WER ERINNERT SICH NICHT NOSTALGISCH AN DIE ZEITEN, ALS SICH IN JEDEM SOMMER RUND UM DAS MITTELMEER DIE EUROPÄISCHE JUGEND BEI SONNE, SEX UND MARIHUANA VERBRÜDERTE?

Elsässer erlaubte sich noch eine Attacke gegen die “völkischen Geschichtskundler aus der Jungen Freiheit'”und schreibt im Satz danach sarkastisch: “Deutschland ist erwacht”. Elsässer beschwert sich in seinem Buch von 1995 lautstark, dass die “internationale Staatenwelt einen “großen Fehler” gemacht hätte, als sie “[das deutsche] Volk aus der Beaufsichtigung entließ”. Heutzutage titelt seit Magazin COMPACT Stories wie “Ami go home – Deutschland muss souverän werden”. 1995 befürchtete er noch in einem Anflug von kommunistischer Paranoia gar eine “Germanisierung Europas” und die “Schaffung eines volksdeutschen Satellitenstaates auf russischem Territorium”. Gemeint waren Überlegungen weniger Staatsbeamter zum Aufkauf von Gebieten wie beim ehemaligen Königsberg.

1998 erschien sein Werk “Braunbuch DVU – Eine deutsche Arbeiterpartei und ihre Freunde” im konkret-Verlag. Das Vorwort liefert Jürgen Trittin. Die DVU war damals keine bürgerlich-seriös auftretende Partei die die Massen ansprach, im Gegensatz zu den heutigen neurechten Parteien wie die AfD, oder die französische Front National oder die österreichische FPÖ, die darüberhinaus allesamt eine stark pro-russische, eurasische Ausrichtung haben. Die DVU war antikommunistisch, antisowjetisch und soweit rechts, wie damals gerade noch erlaubt war. Elsässer belässt es nicht dabei, die Ideologie der DVU zu kritisieren, sondern psychoanalisiert gar deren Vertreter und Wähler. Der DVU-Fraktionschef Helmut Wolf beispielsweise sei laut einem SPD-Bundestagsabgeordneten ein “Psychopath”, laut anderen Quellen ein Trinker der seine 17 Jahre jüngere Frau schlug und bedrohte. Gerade in Deutschland hätten solche Charaktere eine viel größere Anziehungskraft auf die Massen als anderswo. Für Elsässer wäre Hitler “in jedem anderen Land ein Hinterhof-Clown geblieben”. Selbst die SED-Führung in der DDR hätte die Chance verpasst, entschieden genug den Ostdeutschen das Deutschsein auszutreiben:

DARÜBERHINAUS VERSUCHTE DIE DDR IMMER WIEDER, SICH GEGENÜBER DER BRD ALS DER ‘DEUTSCHERE STAAT’ ZU PROFILIEREN. […] DOCH SPÄTESTENS AB MITTE DER SIEBZIGER JAHRE BEMÜHTE SICH DIE SED UM EINE OFFENE BEZUGNAHME AUF DAS DEUTSCHNATIONALE KULTURERBE, WOBEI SELBST LUTHER, BISMARCK UND FRIEDRICH II. ABGEFEIERT WURDEN.

Heute wird Bismarck in Elsässers COMPACT-Magazin abgefeiert sowie in der AfD. Der AfD-Politiker und Russland-Freund Alexander Gauland, der bei Elsässers nächster “Souveränitäts- und Friedenskonferenz” auftreten wird, veröffentlichte gar ein Parteipapier, das eine Rückbesinnung auf Bismarck’sche Geheimdiplomatie mit Moskau beschwört. 1998 war aber die “Symbiose aus Sozialismus und Preußentum” noch das Feindbild. Die DVU-Partei war noch antirussisch eingestellt und verkündete in ihrer Mitgliederzeitung, dass letztlich “die sich steigernde Kapitulationspolitik der roten [BRD-] Regierung gegenüber dem Osten, insbesondere die Verträge von Moskau und Warschau” ausschlaggebend für die Parteigründung gewesen wäre. Die Anbandelung der europäischen Neuen Rechten mit den rechten russischen Kräften, wie sie heute von Elsässer wohlwollend behandelt wird, war 1998 für ihn noch eine Katastrophe:

GLEICHZEITIG SONDIERTE [DVU-VORSITZENDER] FREY DAS INTERNATIONALE TERRAIN. BESONDEREN ERFOLG HATTE ER IM HERBST 1993, ALS ER WLADIMIR SCHIRINOWSKI NACH DEUTSCHLAND HOLTE, DESSEN LIBERAL-DEMOKRATISCHE PARTEI (LDP) KURZ ZUVOR MIT EINEM FASCHISTISCHEN PROGRAMM STÄRKSTE EINZELPARTEI IM RUSSISCHEN PARLAMENT GEWORDEN WAR. SCHIRINOWSKI RIEF UNTER DEM MOTTO “DEUTSCHE UND RUSSEN – FREUNDE FÜR IMMER” ZUM SCHULTERSCHLUSS AUF: “DIE FESTUNG WEISSES EUROPA STEHT ODER FÄLLT MIT UNSEREN BEIDEN VÖLKERN.”

Schirinowski befürwortete gar eine gemeinsame deutsch-russische Grenze, also eine Streichung Polens von der Landkarte. Dies erinnert natürlich an Dugins Pläne und genau wie Dugin beabsichtigte Schirinowski einen Verrat an den Deutschen, Flächenbombardierungen und die Auslöschung der “kleinen Zwergenstaaten” Europas. Auch höchst verdächtig für den Elsässer im Jahr 1998: Die Kontakte der DVU zum “französischen Faschistenführer” Jean Marie Le Pen und dessen Front National. Dessen Tochter hat die ultrarechte Klitsche inzwischen zu einer seriösen Partei der Neuen Rechten verwandelt, die begeistert von Putin ist. Elsässer ist inzwischen auch begeistert.

Schon die NSDAP, so sinniert der antifaschistische Elsässer von 1998, holte sich Sympathien bei den einfachen Arbeitern mit sozialistischen Programmen und präsentierte geschickt ein Feindbild, das zusammengebastelt war aus dem “ausbeuterischen Kapital”, den Juden und dem “jüdischen Liberalismus”.

In seinen Büchern aus den 90er Jahren beklagte Elsässer zwar das Revival des Nationalismus und der Judenfeindlichkeit in der Sowjetunion, dennoch stellte er nicht wirklich deutlich heraus, wie stark der Antisemitismus inmitten des real existierenden Sozialismus wirklich gewesen war. Die aus Russland stammenden Protokolle von Zion verbreiteten sich nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und im mittleren Osten unter den muslimischen Völkern. Oft mit Hilfe der sowjetischen Geheimdienste, die genau wussten dass es sich um eine Fälschung handelte. Sakharovsky, der eine hohe Poistion im rumänische Geheimddienst Securitate innehatte, ließ 1951 eine Kopie in mehrere Sprachen übersetzten und in Westeuropa und dem mittleren Osten verbreiten. 1957 war Sakharovsky Chef des gesamten sowjetischen Auslandsgeheimdienstes geworden und startete mit dem KGB eine weitere Desinformationskampagne mit dem Namen Zarathustra. Das Ziel war es, Westdeutschland als die Brutstätte schlechthin für Antisemitismus zu porträtieren und Destabilisierung zu schüren. Die HVA der Stasi half mit bei antisemitischen Schmierereien und kleineren Anschlägen.

Als sich Elsässer noch als Antisemiten-Jäger aufspielte, waren heimlich sozialistische Geheimdienste damit beschäftigt, den Judenhass in der Bundesrepublik zu fördern weil es dort zuwenig Judenhass gab. Die Linken mussten also künstlich nachhelfen, um überhaupt als antifaschistische Judenbeschützer eine Daseinsberechtigung behaupten zu können. Elsässer spulte in den 1990ern noch das typische Programm herunter und beklagte die folgende, inhaltlich korrekte Aussage eines Republikaners:

DIE DDR-FÜHRUNG HAT IHRE DEUTSCHEN ZWAR POLITISCH AN DER SEITE DER SOWJETFÜHRUNG GEHALTEN, SIE HAT ABER AUF IHREM GEBIET DIE NATION UND DAS DEUTSCHTUM ERHALTEN. WIR HATTEN IN DER DDR KEINE RUSSIFIZIERUNG!

Für Elsässer war hingegen die DDR nicht antideutsch genug.

Querfront

Besonders wütend war der Elsässer von 1998 über die damalige PDS-Vorsitzende Christine Ostrowski, denn diese hatte es gewagt, für eine Querfront aus Linken und Rechten gegen “das System” zu werben. Nach einem Treffen mit Constatin Meyer von der später verbotenen “Nationalen Offensive” erklärte sie:

UNSERE SOZIALEN FORDERUNGEN STIMMEN IM GRUNDE ÜBEREIN – BIS HIN ZUM WORTLAUT.

Auch die später verbotene Wiking-Jugend unterstützte 1994 in Dresden bei den OB-Wahlen die Kandidatur von Ostrowski. Anscheinend war die Zeit noch nicht reif für die Querfront. Heute vereint Linke und Rechte neben den Sozialthemen die Russland-Frage. Es gab ein vertrauliches Treffen in der russischen Botschaft mit den AfD-lern Alexander Gauland und Paul Hampel begleitete. Außerdem warb er um Überläufer in der Wählerschaft der Partei Die LINKE:

“TROTZ ALLER MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN VERBINDET UNS MANCHES,”
“UND DIE SANKTIONSPOLITIK GEGENÜBER RUSSLAND HALTE ICH FÜR GENAUSO FALSCH WIE SIE.”

Erst ca. im Jahr 2008 konnte sich Elsässer für einen Querfront-Kurs begeistern, also die Bündelung aller antiamerikanischen, pro-russischen Strömungen. Das Compact-Magazin begann als Querfront-Blatt, wandelte sich dann aber im Zuge der Flüchtlingskrise zunehmend zu einem neurechten Kurs.

Migrationsfreund

Wer sich die alten Artikel Elsässers aus dem linken Blatt “konkret” anschaut, der findet interessante Ansichten über Migranten und Flüchtlinge. In der Ausgabe 02/92 wütet er, weil die Grünen im Schwabenland es gewagt hatten, die Migration begrenzen zu wollen:

IN EINER SITUATION, WO »DIE ANNÄHERUNG DER SPD AN CDU/CSU UND FDP EINE SITUATION DER ABSOLUTEN MEHRHEIT IM LANDE DER GERMANEN« GESCHAFFEN HABE, NUTZE DER GRÜNE VORSCHLAG EINES EINWANDERUNGSGESETZES NUR DENJENIGEN, DIE »DEN JOKER DES VÖLKISCH-NATIONALEN AUF DEN TISCH LEGEN« WOLLTEN, SCHRIEB SIE [SHAHLA BLUM] IM SOMMER ‘91 IN DER IMMIGRANTENZEITSCHRIFT »DIE BRÜCKE«. DAS REICHTE, UM SIE INNERHALB DER PARTEI KALTZUSTELLEN. DIE FRAKTION SETZTE SIE ALS SPRECHERIN FÜR DAS FLÜCHTLINGSRESSORT KURZERHAND AB, WEIL SIE NICHT BEREIT WAR, EINE ERKLÄRUNG ZU VERTRETEN, DERZUFOLGE »EIN ERHEBLICHER TEIL DER ASYLBEWERBER … NICHT POLITISCH VERFOLGTE ARMUTSFLÜCHTLINGE (SEIEN)« (»STUTTGARTER NACHRICHTEN«, 26.9.91).

Den “rechtsradikalen Chef” der österreichischen Partei FPÖ fand er zutiefst grässlich und die Zusammenarbeit mit dem bürgerlichen Lager eine Katastrophe:

…IM KURSAAL VON STUTTGART-BAD CANNSTATT HATTEN SICH NICHT NUR TUMBE SKINHEADS UND BURSCHENSCHAFTLER IN VOLLEM WICHS VERSAMMELT, SONDERN VOR ALLEM BOSS-GESTYLTE FDP-MANDATSTRÄGER UND ANDERE BIEDERMÄNNER.[…] DIE EG – SO HAIDER – WIEDERHOLE »DIE GIGANTISCHEN FEHLER DES OSTBLOCKS UND DER SOWJETUNION«. DARUNTER VERSTEHT ER VOR ALLEM, DASS SIE »EINEN EUROPÄISCHEN EINHEITSMENSCHEN ALS PENDANT ZUM SOWJETISCHEN EINHEITSMENSCHEN« KREIERE. […] »JENE, DIE IN EINEM RAUM LEBEN, HABEN DAS RECHT ZU ENTSCHEIDEN, WIE VIELE SIE BEI SICH AUFNEHMEN MÖCHTEN.« DER MOB, DER DIESE SÄTZE ZWEI WOCHEN NACH »ROSTOCK« ZU SCHÄTZEN WEISS, BEDANKT SICH MIT FRENETISCHEM BEIFALL, DEN HAIDER MIT DER FORMULIERUNG WEITER ANHEIZT, DEUTSCHLAND DÜRFE KEIN EINWANDERUNGSLAND WERDEN, »IN DEM BELIEBIG ALL DAS ABGELADEN WERDEN KANN…« – DER REST GEHT IM GEJOHLE UNTER. ER SAGT TATSÄCHLICH »ABGELADEN«, ALS OB ES UM GIFTMÜLL GEHE UND NICHT UM MENSCHEN, UND ER WIEDERHOLT DIESE METAPHER EINIGE SÄTZE SPÄTER NOCH EINMAL.

Elsässer begeistert sich heute für Ungarns Rechte, weil jene Sympathien für Putin haben. Früher jedoch war Ungarns Rechte gegen Russland und Elsässer ließ deshalb die üblichen Tiraden herabregnen:

HAT MAN, SEIT DEN TAGEN DES »STÜRMER«, JE EINE PRÄGNANTERE ZUSAMMENFASSUNG ANTISEMITISCHER WAHNVORSTELLUNGEN GELESEN? […]IN KEINEM ANDEREN LAND EUROPAS STEHEN FASCHISMUS UND OFFENER ANTISEMITISMUS SO KURZ VOR DER ÜBERNAHME DER STAATSMACHT WIE IN UNGARN. […] OFFENER ALS SELBST HAIDER, LE PEN ODER SCHÖNHUBER STELLT CSURKA DEN ANTISEMITISMUS INS ZENTRUM SEINER THESEN. […] IM GLEICHSCHRITT WERDEN DEN NACHBARN DIE GEFÄHRLICHEN IMPLIKATIONEN DES GEMEINSAMEN NATIONENBEGRIFFES DEMONSTRIERT. WÄHREND MINDERHEITEN, DIE WIE DIE FLÜCHTLINGE ODER DIE ROMA ÜBER KEINE GESCHLOSSENEN SIEDLUNGSGEBIETE VERFÜGEN, STAATSRECHTLICH IGNORIERT UND DAMIT POGROMEN SCHUTZLOS AUSGELIEFERT WERDEN, FORDERN ANTALL UND CSURKA FÜR IHRE »LANDSLEUTE« IN DEN NACHBARSTAATEN DIE SELBEN SEZESSIONISTISCHEN AUTONOMIEREGELUNGEN, WIE KINKEL UND WAFFENSCHMIDT FÜR DIE »RUSSLANDDEUTSCHEN«.

Kaum aber hatte Russland den Schritt nach rechts vollzogen und kaum näherten sich rechte Gruppen in Europa den Russen an, hing Elsässer seine Fahne in den neuen Wind. Deutschlands Rechte laufen sehenden Auges in die Russland-Falle des Antideutschen Wladimir Putin.

Frühsexualisierung und Attacke gegen die klassische Familie

Als Jürgen Elsässer noch die berüchtigten Urväter der Frühsexualisierung pries, war er ein 39 Jahre alter führender Antideutscher, beileibe kein junger Linker oder Mitläufer. Für ihn waren die klassische Kleinfamilie und die Unterdrückung junger Sexualität Nährboden für das verhasste Deutschtum und Militarismus. Im Jahr 1998 pries er dahingehend in seinem “Braunbuch DVU” die Arbeit von Wilhelm Reich. Dieser beklagte die Erziehungsmaßnahmen, die “sich gegen die Sexualität des Kindes richten.” Die Kinder würden sich später Ersatzbefriedigung suchen in Form von Nationalismus und Militanz. So bilde sich der typische “hässliche Deutsche” heraus. Genau diese Gedanken griffen die 68er und die Grünen auf, die heute in Elsässers COMPACT-Magazin theatralisch attackiert werden. Auch Erich Fromm wird von Jürgen Elsässer begeistert zitiert:

"Dabei kommt einer “nicht durch einschüchternde Verbote beschränkten Befriedigung der genitalen Sexualität” eine entscheidende Rolle zu. Wenn der genitale Lustgewinn des Kindes unterdrückt wird, beobachtet man später ein Vorherrschen prä-genitaler Triebe, also zum Beispiel der analen Tugenden Sauberkeit, Geiz, Pünktlichkeit, Ordnungswahn etc. – ein untrügliches Zeichen für autoritäre Charaktere."

Die Sex-Spielchen mit Kindern und der Sex mit Kindern wurde in den links-grünen “Kinderläden” durchprobiert und die Pädo-Agenda sickerte insgesamt in die Sphäre der Grünen ein. Auf diesem Fundament entstanden Texte wie jene von Daniel Cohn-Bendit, Volker Beck und Jürgen Trittin. Diese drei grünen Politiker haben in den 70er und 80er Jahren Schriften veröffentlicht oder presserechtlich verantwortet, in denen Sex zwischen Kindern und Erwachsenen verharmlost wird.

Die “Fetische” der Deutschen müssen gebrochen werden, meinte Elsässer in seinem Buch “Vorwärts und vergessen?” Gemeint sind:

"die magischen Kultstätten der bürgerlichen Gesellschaft: Geld und Staat, Nation und Familie. Solange dieser Fetischzauber nicht gebrochen ist, ist an Revolution nicht zu denken."

Elsässer trommelt heute für Geld, Staat, Nation und Familie. Er lädt russische Polit-Figuren zu seinen “Familienkonferenzen” ein, die verantwortlich sind für die drakonischen Gesetze gegen Homosexuelle. Solche Gesetze werden getarnt als “Schutz der Jugend vor Verrohung”, also exakt die Ausrede, die Elässer den konservativen Deutschen vorgeworfen hatte, die ihre Kinder zu neuen “hässlichen Deutschen” großzogen.

Russland und der Ostblock sind seit 1990 eine Hochburg für die Produktion kinderpornografischen Materials. Unzählige Dateien werden auf russischen Servern gehostet. Homosexuelle russische Jugendliche befinden sich in einem juristischen Minenfeld, genauso wie Erwachsene, die mit den Jugendlichen kommunizieren wollen. Transgender-Menschen sollen eventuell keine Führerscheine mehr bekommen. Russland ist außerdem ein Mekka für den Menschenhandel mit Minderjährigen. Kriminelle Gruppen haben meist Kontakte zum Staat, der sich wiederum als Beschützer der Kinder und Moralhoheit aufspielt.

Die russische Führung ist dermaßen unmoralisch, dass eigentlich niemand auf die Vorstellung hereinfallen sollte, sie könnte uns Deutschen dabei helfen, den Verfall zu bremsen.

1996, als Elsässer noch auf die Rückkehr des Kommunismus hoffte, nannte er in dem Buch “Vorwärts und Vergessen” die Familie noch die “psychische Agentur des Kapitalismus”:

“In der Hölle der Kleinfamilie können die Heranwachsenden keine Ich-Stärke ausbilden. Deswegen ist Politik zur Bewahrung der patriarchalen Familie immer konterrevolutionär.”
“Aber warum die heterosexuelle Kleinfamilie? Warum keine Kommune? Kein lesbisches oder homosexuelles Paar? Sind Alleinerziehende schlechter? Jedenfalls: Das Dreieck Vater-Mutter-Kind(er) produziert in jeder Gesellschaftsformation Autoritätshörigkeit.”

Forderung nach Zensur durch “SED und CIA”

In seinem Buch “Wenn das der Führer hätte erleben dürfen” (konkret-Verlag, 1995) erklärte Elsässer noch explizit, dass “SED und CIA recht hatten, Zeitungen und Verlage im Nachkriegsdeutschland einer strengen Zensur zu unterwerfen.” Denn der Piper-Verlag hatte es in den 1990er Jahren gewagt, ein Buch zu veröffentlichen, in dem die Morde an Volksdeutschen und Internierungen von Deutschen nach 1945 heftig kritisiert wurden. Elsässer hatte keine Tränen übrig für diese Deutschen, sondern forderte noch in den 1990er Jahren (!) eine strenge Medien-Zensur. Die internationale Staatenwelt hätte laut Elsässer “einen großen Fehler gemacht”, das deutsche Volk irgendwann aus der “Beaufsichtigung” zu entlassen und den Deutschen Demokratie zu gestatten.

Mitgefühl gibt es bei Jürgen Elsässer (heute Chefredakteur vom COMPACT-Magazin) anscheinend nur für sich selbst und für diejenigen, die dem Kreml genehm sind. Für unterdrückte russische Bürger und Journalisten aus Putins Diktatur gibt es keine Tränen, aber wehe wenn das Focus-Magazin in Deutschland drauflos spekuliert, dass hinter dem Anschlag auf den BVB-Bus rechte COMPACT-Leser stecken könnten. Dann ist das Geheule groß und die größten Verschwörungen gegen das eigene Blatt werden herbeifantasiert.

Als 1994 linke Terroristen Anschläge verübten auf die konservative Zeitung “Junge Freiheit”, hetzte Elsässer noch aus ganzem Herzen gegen die “hässlichen Deutschen” die nur durch Sozialismus und Fremdherrschaft zu bändigen seien. Keine Tränen für die Opfer der SED-Diktatur. Wenn aber heutzutage Linke die Wohnung von Elsässer beobachten und fiese Zettel in der Nachbarschaft verteilen, dann ist das Geheule groß.

Die "Dresden-Lügen und Bomber-Harris

Lesen Sie unbedingt das Kapitel “Die Dresden-Lügen” von Elsässers Buch “Wenn das der Führer hätte erleben dürfen” (konkret-Verlag, 1995). Darin rechtfertigt er ausführlich die Bomben-Kampagne vom britischen Bomberkommandanten Harris. Keine Spur Mitgefühl für die Toten. Nichts. Eiseskälte. Stattdessen meinte Elsässer:

“Man kann Harris nicht zum Vorwurf machen, daß die Deutschen sich nicht einmal im Bombenhagel von ihrem Führer trennen wollten.”

Das britische Bomber-Command, zitierte Elsässer den Kriegsverbrecher Harris, habe schließlich die Möglichkeit geliefert, Russland rechtzeitig zu unterstützen. Jürgen Elsässer von der COMPACT hatte die Bombenkampagne angesprochen in einer Veröffentlichung von 1995 aus dem konkret-Verlag zu mit dem sarkastischen Titel „Wenn das der Führer hätte erleben dürfen – 29 Glückwünsche zum deutschen Sieg über die Alliierten“:

"…im Februar werden wir einen Toast auf Sir Arthur Harris ausbringen, dessen Luftflotte den sowjetischen Panzern ihren Vormarsch nach Berlin freibombte. Und am 8. Mai würden wir uns gerne von Spezialisten des Mossad zeigen lassen, wie man deutsche Tornados sprengt. Just in case.“

Sir Arthur Travers Harris gehört wegen der von ihm angeordneten Flächenbombardements deutscher Städte zu den umstrittensten Personen des Luftkriegs im Zweiten Weltkrieg. Er war der Ansicht, allein durch die Flächenbombardierungen der Städte das Deutsche Reich zur Kapitulation zu zwingen.

Elsässer bei der konkret

Das Magazin konkret war 1957 mitgegründet worden von Klaus Hübotter, der wegen seiner Mitgliedschaft in der Deutschen Kom-munistischen Partei (KPD) mächtig Ärger in der BRD bekam. Später versuchte er es zeitweise bei der Nachfolgeorganisation Deutsche Kommunistische Partei (DKP). Die KPD war auch beteiligt an den “Friedensbewegungen” der 1950er Jahre, vor allem der Bewegung gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands. Die konkret erhielt eine Zeit lang Zuwendungen aus der DDR, bis zu 40.000 Mark pro Ausgabe. Klaus Rainer Röhl, die RAF-Prominente Ulrike Meinhof und andere Redakteure reisten dafür häufig in die DDR. Manchmal empfingen sie ihre „Inspirationen“ auch im Westen durch Abgesand-te der DDR. Röhl gab später an, die Redakteure seien durch Instruk-teure der seit 1956 in der Bundesrepublik illegalen KPD angeleitet worden. Deutlich wurde dies zum Beispiel daran, dass moskaukriti-sche Sozialisten wie Kurt Hiller aus dem Blatt hinausgedrängt wur-den. Irgendwann stieß Elsässer dazu, der auch für die Zeitung “Ar-beiterkampf” des Kommunistischen Bundes geschrieben hatte, für die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung und die ehemalige DDR-SED-Zeitung „junge Welt“. Die immerzu empörten Berichte Elsäs-sers bezogen sich auf westliche Militäraktionen, wie Irak oder später am Balkan. Mit dem brutalen Krieg Russlands gegen das nach Unab-hängigkeit und Souveränität strebende Tschetschenien hatte Elsässer hingegen wenig Probleme. In der Zeitung junge Welt wetterte er 1995 noch “Keine Tränen für Tschetschenien” als die russischen Truppen einmarschierten und die Panzer rollten:

“Tschetschenien ist Teil des russischen Staates, so wie Kreuzberg Teil des deutschen ist.”

Eigentlich eroberten die Russen die islamisch geprägte Gegend rücksichtslos im Jahr 1864, schlugen einen Aufstand 1877/1878 nieder, erklärten sie 1921 zur “sowjetischen Gebirgsrepublik”, deportierten 1944 zwangsweise insgesamt 400.000 Tschetschenen in Viehwaggons nach Kasachstan und Mittelasien, und lehnten auch nach 1990 die Souveränität Tschetscheniens ab und schickten Panzer und Truppen dorthin. Was für ein bizarres Gerechtigkeitsempfinden von Elsässer. Sobald es um die Interessen Russlands geht, sieht er nicht nur über eine Militärinvasion hinweg, sondern auch über “einen Alkoholiker im Kreml” und seine sonstige streng antinationalistische Haltung. In der jungen Welt erschien 2005 der Beitrag “Jürgen Elsässer: Die Mörder von Beslan und ihre Freunde”. Obwohl die Geiselnahme in einer Schule von Beslan hauptsächlich dem russischen Sicherheitsap-parat und Wladimir Putin nützte und viele Spuren auf russische Geheimdienste hindeuten, bog sich Elsässer die Sache zurecht:

„Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß überlebende Kinder aus Beslan berichten, die Geiselnehmer hätten »neue NATO-Uniformen in den klassischen Tarnfarben getragen«.“

Hier erkannte man bereits das Muster, nach dem auch später das Magazin COMPACT gestrickt wurde.

Eliteclub an Russland-Partnern

Der kremltreue Publizist und COMPACT-Herausgeber Jürgen Elsässer taucht laut einem Bericht der ZEIT in einer von Hackern erbeuteten Liste favorisierter Russland-Partner eines einflussreichen Netzwerks auf. Das E-Mail-Postfach des früheren russischen Botschaftsmitarbeiters Georgi Gawrisch in Athen wurde von einer kremlkritischen Gruppe im Dezember geknackt und liefert einen Einblick in das Netz, das an Russlands außenpolitischen Zielen werkelt:

SEIT JAHREN SUCHT [DUGIN] ÜBERALL IN EUROPA MITSTREITER. WEN ER DABEI IM SINNE HAT, GEHT AUS EINER WEITEREN MAIL HERVOR, DIE DUGIN IM FEBRUAR 2014 AN GAWRISCH SANDTE. IM ANHANG FINDET SICH EINE LISTE VON PERSONEN AUS VERSCHIEDENEN LÄNDERN, DIE GEEIGNET SEIEN, EINEN “ELITEKLUB” ZU GRÜNDEN, ODER “EINE GRUPPE ZUR BEEINFLUSSUNG DER INFORMATION IM SINNE VON ‘RUSSLAND HEUTE'”. UNTER DEUTSCHLAND LISTET DUGIN ETWA DEN PUBLIZISTEN JÜRGEN ELSÄSSER AUF, UNTER UNGARN PREMIERMINISTER VIKTOR ORBÁN. FÜR GRIECHENLAND STEHEN DREI PERSONEN AUF DER LISTE, DARUNTER ALEXIS TSIPRAS, DAMALS OPPOSITIONELLER PARTEICHEF DER SYRIZA.

Kontakte existieren zu vielen rechtsextremistischen Parteien und Bewegungen in Europa, sowie zu der neuen Regierung in Athen. Besonders brisant: Mit dabei ist der Oligarch Konstantin Malofejew, der seine Finger in der Krim-Annexion und in der ukrainischen Separatistenbewegung gehabt haben soll. In seinem Büro hängt ein Porträt des Zaren Alexander III, er wünscht sich das russische Imperium zurück. Seine Stiftung des Heiligen Basilius gehört zu den größten Sponsoren der russisch-orthodoxen Kirche, die Überläufern zufolge seit jeher von den russsichen Geheimdiensten geführt wird. In den gehackten Emails geht es u.a. um den Aufbau christlich-militärischer Orden. Das große Reich “Eurasien” soll von Lissabon bis Waldiwostok reichen, allerdings erklären Dugin und andere Russen hinter vorgehaltener Hand, dass es sich nicht wie versprochen um ein Großreich mehrerer souveräner Staaten handeln soll, sondern einzig und allein um Moskaus Einflusssphäre.

Die konservative Zeitung “Junge Freiheit” berichtete über Jürgen Elsässer:

KONTAKTE ZUM KREML WILL ELSÄSSER NICHT HABEN, WIE ER SEINEN ANHÄNGERN AUF DER BOOTSFAHRT IN KOBLENZ VERSICHERTE: „ICH HAB KEINE VERBINDUNGEN. NULL. DIESE VERBINDUNGEN IN DEN KREML HINEIN, DIE GIBT’S NICHT.“ EBENSO ERHALTE COMPACT KEIN GELD AUS MOSKAU. AUCH NICHT FÜR EINE COMPACT-EDITION VON PUTIN-REDEN AN DIE DEUTSCHEN. „WIR HABEN GEDACHT, WENN WIR SO ETWAS VORHABEN, DANN KRIEGEN WIR UNTERSTÜTZUNG VOM KREML. WIR HABEN UNS DEN FINGER WUND TELEFONIERT, DAS WAR DENEN SO WAS VON EGAL, WAS WIR DA VORHABEN“, VERSICHERT ELSÄSSER SEINEN ANHÄNGERN. „WIR WAREN BEI DER BOTSCHAFT. WIR HABEN GEDACHT, WIR KRIEGEN DA VIELLEICHT GELD VON DER BOTSCHAFT, WENN WIR SO WAS RAUSBRINGEN. ODER WIR KRIEGEN VIELLEICHT EIN PAAR FOTOS UMSONST ODER ÜBERSETZUNGSHILFE. NICHTS. NIENTE. NADA.“

Neben seiner Auflistung in Dugins “Eliteclub” an Russland-Partnern hat er keine Schwierigkeiten, Kontakte zu nutzen:

AUF JÜRGEN ELSÄSSERS COMPACT-SOUVERÄNITÄTSKONFERENZEN WAREN AUCH LOYALE PUTIN-VERTRETER AUS RUSSLAND GELADEN. […] EBENFALLS DABEI: DIE HISTORIKERIN, POLITIKERIN UND DIPLOMATIN NATALIJA ALEXEJEWNA NAROTSCHNIZKAJA, DIE SEIT 2008 DIE PARISER FILIALE DES IM OKTOBER 2007 GEGRÜNDETEN INSTITUTS FÜR DEMOKRATIE UND ZUSAMMENARBEIT LEITET. DIE EINRICHTUNG MIT HAUPTSITZ IN MOSKAU GILT ALS DENKFABRIK DER RUSSISCHEN REGIERUNG UND WURDE VON DEM JURISTEN ANATOLI KUTSCHERENA INS LEBEN GERUFEN. KUTSCHERENA VERTRITT UNTER ANDEREM EDWARD SNOWDEN ALS RECHTSANWALT IN MOSKAU, ZÄHLTE ZUDEM GRÖSSEN WIE DEN RUSSISCHEN OLIGARCHEN SULEIMAN ABUSAIDOWITSCH KERIMOW UND DEN EHEMALIGEN UKRAINISCHEN PRÄSIDENTEN VIKTOR JANUKOWITSCH ZU SEINEN MANDANTEN. […] ANLÄSSLICH DER GRÜNDUNG DES INSTITUTS FÜR DEMOKRATIE UND ZUSAMMENARBEIT HATTE DER PUTIN-MITARBEITER SERGEJ JASTRZHEMBSKIJ GEGENÜBER DEM ONLINE-NACHRICHTENPORTAL NEWSRU.COM ERKLÄRT, DASS RUSSLAND BEREIT SEI, FÜR DIE BEDÜRFNISSE DES INSTITUTS UNGEFÄHR 70 MILLIONEN EURO ZUR VERFÜGUNG ZU STELLEN. ALS ORT FÜR SEINE VERANSTALTUNGEN DIENT ELSÄSSER HÄUFIG DAS RUSSISCHE HAUS DER WISSENSCHAFT UND KULTUR IN BERLIN, EINE AUSLÄNDISCHE VERTRETUNG DES ZENTRUMS FÜR INTERNATIONALE WISSENSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT BEIM RUSSISCHEN AUSSENMINISTERIUM. AUCH IN MEDIEN WIE DEM STAATSSENDER RUSSIA TODAY IST ER HÄUFIG ZU GAST.

Der Oligarch Konstantin Malofejew, Alexander Dugin sowie Vertreter diverser politischer Parteien aus Europa trafen sich im vergangenen Jahr unter strenger Bewachung im Stadtpalais des Fürsten Liechtenstein in Wien zusammen. Gewidmet war die Veranstaltung dem 200. Jahrestag der “Heiligen allianz” zwischen Russland, Preußen und Österreich. Gastgeber war Marion Maréchal-Le Pen von der Front National, Prinz Sixtus Henri von Bourbon-Parma, der Ehemann der Fiat-Erbin Margherita Agnelli de Pahlen, der Vorsitzende der rechtspopulistischen FPÖ Heinz-Christian Strache, sein Stellvertreter und der Wiener FPÖ-Politiker Johann Herzog.

Kurswechsel

Als Elsässer 1990 die antideutsche Bewegung mitbestimmte, war er 33 Jahre alt und die DDR samt Sowjetunion waren gerade eben den Bach hinuntergegangen. Was Elsässer forderte, war nichts anderes als eine Fortführung der Moskauer Politik der Schwächung Deutschlands. Der Albtraum der Linken nach 1990 war ein wiedervereinigtes, souveränes, bürgerliches Deutschland, also nach linker Logik die Brutstätte des Faschismus. Deutschland, der ewige Faschist. Der hässliche Deutsche mit seinen furchtbaren Charaktereigenschaften. Die West-Imperialisten in Washington, London und Bonn/Berlin hatten aber gar nicht vor, Deutschland irgendwie souveräner und bürgerlicher werden zu lassen. Es gab nicht die versprochene Ab-stimmung über eine neue Verfassung für das wiedervereinigte Deutschland. Stattdessen praktizierten die West-Imperialisten nach 1990 verstärkt ihren eigenen Sozialismus, förderten Multikulti, den Internationalismus, die Sozialapparate und die Umerziehung der Menschen zu treudoofen, gender-neutralisierten Windrad-umarmenden Idioten. Die westlichen Eliten klauten und kopierten einfach dreister denn je die Methoden der Kommunisten. Die Kommunisten in Russland wiederum stahlen vom Westen die alte konservative Masche und drifteten nach rechts. Vor 1990, während der Bedrohung durch die Sowjets, gab es in Deutschland noch Wehrpflicht und 500.000 Soldaten, da gab es mehr wirtschaftliche Freiheit, weniger Steuern, da war die Europäische Union noch eine dunkle Wolke am Horizont. Aber nach 1990 kam der völlige Sozia-lismus. Die West-Eliten taten das, was Moskau und die Antideutschen wie Elsässer immer tun wollten: Sie lösten Deutschland auf. Sie brachten eine Multikulti-Welle. Sie brachten den Sozialismus. Die Linken und Antideutschen verloren zunehmend an Existenzberech-tigung. Sie waren zumindest für die Zersetzung Deutschlands und die Verbreitung des Sozialismus nicht mehr nötig. Was blieb den Pro-Russland-Kommunisten also noch? Die altbekannten Dinge kritisie-ren, wie etwa die vielen Militärbasen der USA weltweit, die kriminel-len Aktivitäten großer westlicher Konzerne, “soziale Kälte”, und der Irakkrieg 1990. Aber reichte das? Weil das westliche Establishment einen immer stärkeren sozialistischen Kurs fuhr, mussten moskau-treue Gegner des Westens sich irgendwann anpassen und in der Öffentlichkeit zwangsläufig konservative Positionen einnehmen. Nun war es für die Russland-Freunde zunehmend verlockend, Deutsch-land aus diesem westlichen Block herauszubrechen und mit Hilfe von konservativen Parolen wieder an Russland hinzuführen. Von Ehe und Kindern ist bei Elsässer heute mit fast 60 Jahren immer noch nichts bekannt. Dabei veranstaltet er heute doch “Familienkonferenzen” mit Polit-Gästen aus der russischen Duma. Lobpreisungen für Mao, Castro und Ho Chi Minh sowie den Kampf gegen “US-Imperialismus” gibt es bei ihm heute auch nach wie vor.

Compact-Magazin

Das Compact-Magazin begann als Querfront-Blatt, wandelte sich dann aber im Zuge der Flüchtlingskrise zunehmend zu einem neurechten Kurs. Mit der Compact war der Kurswechsel vom Antideutschen zum vermeintlichen Deutschpatrioten komplett.

Artikel in der Compact attackieren die NATO, nicht aber das russische Imperium. Es gibt auch konservative/neurechte Kulturbeiträge, die die Stimmung des Publikums bedienen sollen, sowie diverse negative Berichterstattungen über die Altparteien und den linken Mainstream. Negative und kritische Berichte über das russische Regime gibt es nicht. Es entsteht beim unerfahrenen Leser leicht der Eindruck, Russland habe eine Vorbildfunktion und würde ein besseres Leben ermöglichen. Historische Beiträge sollen das deutschnationale Publikum bei Laune halten und die naive Hoffnung bieten auf ein Wiedererstarken Deutschlands durch Russlands Hilfe. Selektiv findet man (uralte) historische Beispiele, in denen Deutschland und Russland kurzzeitig kooperierten. Die schrecklichen Konfrontationen zwischen den beiden Ländern wird hingegen ausgeblendet.

Schockierende Vorfälle werden zwangsläufig westlichen Kräften angelastet. Spuren nach Osten interessieren wenig. Es handelte sich bei Elsässers Empörung über Kriege der Amerikaner also eher um altbekannte politisierte Ethik, ähnlich wie bei unzähligen Linken zuvor während dem Vietnamkrieg. Nur die “westliche” Aggression wird angegriffen. Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Äußerung auf Elsässers Blog von 2012, in der er die Aktivitäten vom nordvietnamesischen Diktator Ho Chi Minh feiert:1

“Hoch lebe Ho Chi Minh und das vietnamesische Volk.[…] Hoch lebe Hisbollah […] Mögen Syrien, Iran, Russland, Venezuela, Kuba und China das Pulver trocken halten. No paseran! Pasaremos!”

Woanders heißt es:2

“Lang lebe die New Model Army des Genossen Mao tse Tung! Eure weißen Lackstiefel werden den Yankee-Imperialismus in den Staub der Geschichte treten!”

Immer deutlicher positionierte sich Elsässers COMPACT hinsichtlich der russischen Idee von “Eurasien”. Den Lesern wird vorgeschwärmt, es gehe um deutsche Souveränität und Frieden. Man interviewte dahingehend den Eurasien-Kultführer Alexander Dugin sowie Leute von dessen eurasischen Gruppierungen.3

Quellen:

[1] Fuck USA! Elsässers Blog https://juergenelsaesser.wordpress.com/2012/01/05/fuck-usa/

[2] Eine Augenweide: Soldatinnen der chinesischen Volksbefreiungs-armee! Elsässers Blog https://juergenelsaesser.wordpress.com/2013/02/10/eine-augenweide-soldatinnen-der-chinesischen-volksbefreiungsarmee/

[3] “Putin trotzt den USA”. Interview mit Alexander Dugin https://juergenelsaesser.wordpress.com/2013/10/08/putin-trotzt-den-usa-interview-mit-alexander-dugin/

[4] http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-02/russland-griechenland-verbindung-alexander-dugin-konstantin-malofeev-panos-kammenos/seite-2