Protokolle von Zion

Aus Recentr Academy
Wechseln zu: Navigation, Suche

Legacy-banner-buckets-768x90-animated.gif

Die “Protokolle der Treffen der gelehrten Alten von Zion” sind ein zusammengefälschter Text aus Russland ungefähr aus dem Jahr 1900, der etwas später von einflussreichen Amerikanern und Briten einem Massenpublikum im Westen zugänglich gemacht wurde und die Literatur über Verschwörungen bis heute stark beeinflusst. Die Autoren der Protokolle wiederum waren selbst beeinflusst worden durch ältere Verschwörungsliteratur und hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, sich den ganzen Text auszudenken, sondern klauten Ideen aus einer Satire von Maurice Joly, aus dem Roman Biarritz und aus Theodor Herzls „Der Judenstaat“.

Die fiktiven Protokolle beschreiben den Plan einer geheimen jüdischen Weltverschwörung zur Eroberung der Welt. Die Veröffentlichung und Popularisierung der gefälschten Protokolle durch Henry Ford und andere im Westen sorgte für eine Ablenkung von Aktivitäten angloamerikanischer Geheimdienste.

1912ed TheProtocols by Nilus.jpg

Veröffentlichung im Westen durch einflussreiche angloamerikanische Kreise

1919 veröffentlichte die amerikanische Zeitung Philadelphia Public Ledger übersetzte Auszüge unter dem Titel „Rote Bibel“, die etwas umgeschrieben wurden, damit es aussah, wie ein Dokument der russischen Bolschewisten und nicht eines jüdischen Verschwörer-Gremiums. Der verantwortliche Carl W. Ackerman bekam später ausgerechnet den Chefposten bei der Journalismus-Fakultät der elitären Columbia University, die ursprünglich von dem britischen König George II. gegründet worden war. Der Besitzer der Zeitung war der unglaublich reiche Cyrus H. K. Curtis und von 1918 bis 1921 war auch der ehe-malige US-Präsident William Howard Taft ein Autor. Taft war Mitglied der gefährlichen Geheimorganisation Skull and Bones, die sich rege beteiligt hatte an der bolschewistischen Revolution in Russland und der Versorgung des neuen sowjetischen Regimes mit westlichem Geld und westlicher Technologie. Skull and Bones wurde später vom Historiker Antony Sutton entlarvt anhand von Originaldokumenten. Skull&Bones geht zurück auf den Einfluss der britischen Krone. Hier hatten wir also „Journalisten“ aus einem Milieu, das mit geheim-dienstlichen Methoden Russlands Zarenherrschaft beendete und den Sowjetkommunismus unterstützte, und genau diese Journalisten verbreiteten als Ablenkungsmanöver die gefälschten Protokolle von Zion über eine jüdische Weltverschwörung zur Etablierung des gottlosen Kommunismus und zur Auflösung von Nationen.

Jedes Mal also, wenn das britische Imperium irgendwo auf der Welt eine bedeutende Geheimoperation für den Umsturz einer bestehenden Ordnung vornahm, lancierten die britischen Geheimdienste gleichzeitig in der Öffentlichkeit verlogene Bücher und Pamphlete, um die Aufmerksamkeit auf jemand anderen zu lenken. Bei der Französischen Revolution hatten die Briten über Robison und andere Autoren noch Weißhaupts bayerischen Illuminatenorden und die französischen Freimaurer beschuldigt. Nach der bolschewistischen Revolution in Russland verbreiteten die Briten und Amerikaner die Protokolle von Zion und schürten damit die Stimmung gegen Juden.

Harris A. Houghton, ein Mitglied des amerikanischen Militärgeheimdienstes, ließ 1920 eine komplette englische Übersetzung der Protokolle anfertigen und verbreiten. Zu diesem Zweck schuf er die Tarnfirma „The Beckwith Company" und verlegte auch noch Bücher wie Nesta Websters „Boche and bolshevik“. Webster war eine antisemitische Verschwörungsautorin aus dem britischen Establishment. Das Geld für Houghtons Verlagsaktivitäten kam wahrscheinlich von der Organisation „American Defense Society“, deren Ehrenpräsident der ehemalige US-Präsident Theodore Roosevelt war. Als Vorsitzender diente Richard Melancthon Hurd, Absolvent der Universität Yale und Mitglied der Geheimorganisation Skull & Bones.

In Großbritannien erschien die erste englische Ausgabe 1920 und es gab eine ausführliche Berichterstattung in der Zeitung The Morning Post in London. Daraus entstand noch das Buch „The Cause of World Unrest“ mit Beihilfe von Nesta Webster und anderen. Victor E. Marsden übersetzte die am meisten gelesene englische Version der Protokolle und er traf sich sogar zeitweise mit dem britischen Prinzen von Wales.

Einem Massenpublikum in Amerika wurden die Protokolle bekannt durch den Mogul der Autoindustrie Henry Ford, denn er bezahlte den Druck von 500.000 Exemplaren und machte zudem noch den deutschen Nazis schöne Augen, obwohl seine Loyalität nur dem angloamerikanischen Imperium galt. Fords Familie stammte aus England, sein Automobilkonzern verkaufte wichtige Industrie an die Sowjetunion und man förderte über die Ford-Stiftung den Sozialismus im Westen. Natürlich dienten ihm die Protokolle als Ablenkung von dem eigenen Handeln und lenkten die Aufmerksamkeit auf eine ver-meintliche jüdische Weltverschwörung. Um den Effekt zu verstärken, veröf-fentlichte Ford gleich noch das Buch „Der internationale Jude“, welches auf den Protokollen aufbaut. Praktisch alle negativen Entwicklungen werden einer jüdischen Verschwörung, nicht jedoch dem angloamerikanischen Imperium zugeschrieben.

Die zahlreichen Leser der Protokolle verdächtigten in aller Regel Familien wie die Rothschilds, die Pläne aus den Protokollen umzusetzen. Dass die bedeutenden jüdischen Clans vom britischen Imperium genauso aufgebaut worden waren wie nichtjüdische Raubbarone, erfuhr das Publikum nicht.

Einfluss

Kurz nach dem Erscheinen von Robisons und Barruels Büchern über die Illuminaten, also rund hundert Jahre vor den Protokollen, wurden von diversen Autoren allerhand Querverbindungen herbeifantasiert zwischen Adam Weis-haupt und jüdischen Clans wie den Rothschilds. Wenige jüdische Clans waren vom britischen Imperium aufgebaut worden und nahmen in der öffentlichen Wahrnehmung als Banker und Händler eine immer größere Rolle ein, was natürlich die Illusion einer jüdischen Weltverschwörung befeuerte. In der späteren Verschwörungsliteratur wurden Inhalte von Robison und anderen Illuminaten-Autoren dann vermengt mit den Inhalten aus den Protokollen um zu „beweisen“, dass Robisons Warnung vor einer Verschwörung gegen Regie-rungen und Religionen weltweit akkurat und korrekt gewesen sei. Stattdessen spielten Robison, Barruel, Nesta Webster, die Protokolle usw. letztendlich nur dem britischen Imperium in die Hände.

Bis heute entlarven Historiker, Freimaurer und andere Leute fleißig die vielen Fälschungen und Fehlinformationen aus der teils antisemitischen Verschwörungsszene, ohne dabei zu enthüllen, welchen Einfluss das britische Imperium auf Revolutionen weltweit und auf irreführende Verschwörungsmythen hatte. Verschwörungstheoretiker gelten deshalb pauschal als schmuddelige, rassistische, irrationale und gefährliche Zeitgenossen. Die Verschwörungstheoretiker kontern, dass die gewöhnlichen Schreiber sich einfach nicht trauen würden, die Protokolle als real zu bezeichnen. Wenn ein Verschwörungstheoretiker es heute wagt, Mythen und Fakes wie die Protokolle abzulehnen, erntet er von der Szene Ablehnung und Verdächtigungen, selbst mit den Juden unter einer Decke zu stecken. Nachdem eine britische Zeitung in den 1920er Jahren aufgedeckt hatte, dass die Protokolle eine Fabrikation waren, fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Eines der am häufigsten genannten Argumente, welches sich auch bei Henry Ford, sowie in späterer Verschwörungsliteratur findet, lautet, dass es egal sei, ob die Protokolle gefälscht wurden oder nicht, weil die darin enthalte-nen Pläne von den jüdischen Verschwörern genau wie beschrieben in der Welt umgesetzt worden wären. In manchen späteren Verschwörungsbüchern wurden die Protokolle in veränderter Form abgedruckt, wobei Begriffe wie „Juden“ und „Goyim“ (Nichtjuden) ersetzt wurden durch „Illuminaten“ und „Untertanen“. Milton William Cooper druckte in seinem Bestseller „Behold a Pale Horse“ 1991 den gesamten Text im Original ab mitsamt dem Kommentar, man müsse das Wort „Juden“ jedes Mal durch „Illuminaten“ ersetzen.

Stil

Der Text der Protokolle ist dermaßen primitiv und voll mit groben Klischees, dass ihn praktisch jeder gebildetere Mensch gegen Ende des 19. Jahrhunderts hätte verfassen können. Das Niveau der Protokolle entspricht in etwa dem von Taxils Schwindeleien und ähnlichen Fabrikationen:

„Wir müssen alle Völker durch Neid und Hass, durch Streit und Krieg, ja selbst durch Entbehrungen, Hunger und Verbreitung von Seuchen derart zermürben, dass die Nichtjuden keinen anderen Ausweg finden, als sich unserer Herrschaft vollkommen zu beugen.“
„Sobald ein Nichtjüdischer Staat es wagt, uns Widerstand zu leisten, müssen wir in der Lage sein, seine Nachbarn zum Krieg gegen ihn zu veranlassen. Wollen aber auch die Nachbarn gemeinsame Sache mit ihm machen und gegen uns vorgehen, so müssen wir den Weltkrieg entfesseln.“

Besonders lächerlich ist das Protokoll Nr. 3, wo absoluter Schutz versprochen wird für die Masse der Juden:

„Juden werden sicher sein.“

Es ist vom Stil her vergleichbar mit den Erfindungen aus dem 19. Jahrhundert über die angebliche Weltherrschaftsverschwörung der Jesuiten. Genau wie jedes andere Fake-Dokument, benötigten auch die Protokolle eine erfundene Entstehungs- und Herkunftsgeschichte:1 Was den fiktiven Ursprung der „Protokolle“ angeht, so sind die verschiedenen Herausgeber widersprüchlicher Meinung. Nilus behauptet, sie sei-en beim ersten Zionistenkongreß 1817 in Basel verkündet und anschließend der Wohnung Theodor Herzls entwendet worden. Andere führten die “Protokolle” bis auf Adam Weishaupts Illuminatenorden zurück oder z.B. auf den jüdischen B’nai B’rith Orden. Am weitesten geht dabei die Aussage, die “Protokolle” seien einem Juden vom Teufel diktiert worden.

Zirkuläres Denken

Die Protokolle von Zion sind das populärste Fake der Verschwörungsliteratur und halten sich bis heute hartnäckig, weil die darin enthaltenen Pläne zur Weltherrschaft allgemein und schwammig formuliert sind im Stil von Prophezeiungen und Horoskopen. Die Protokolle führen auch zu zirkulärem Denken: Es wird argumentiert, dass die Protokolle akkurat vorhergesagt hätten, was im 20. Jahrhundert geschehen ist. Aber nach welchem Muster interpretieren die Verschwörungstheoretiker die Geschehnis-se des 20. Jahrhunderts? Gemäß den Protokollen von Zion und nach Büchern, die von den Protokollen beeinflusst wurden. Dieses gedankliche Sich-im-Kreis-Drehen schafft die Illusion von Beweiskraft.

Quellen:

[1] http://www.rosa-luxemburg-bildungswerk.de/docs/HS3-Zion.pdf