Sekte

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Ableitung von Narzissmus und Psychopathie

Da Narzissten und Psychopathen seit Urzeiten existieren und sich ihre Methoden immerzu ähneln, kennzeichnen Kultmechanismen und Sektenstrukturen jedes Zeitalter der menschlichen Geschichte. Zu den kleinsten sektenartigen Gruppen gehörten schon früh manche Familienclans und gerne leiteten Haustyrannen ihre häusliche Herrschaftslegitimation ab von größeren Sekten, die Narzissmus und Paranoia predigten. In seiner Idealvorstellung hat der Clan-Chef mehrere untertänige Frauen, viele gehorsame Kinder und Sklaven, die irgendwann in größeren Strukturen aufgehen wie etwa ein „Rat der Clanführer“, der dann die Arbeitsteilung besser organisieren und Soldaten, Wissenschaftler und andere Gruppen formen kann. Damit nicht die Mitglieder des eigenen Völkchens sich woanders nach besseren Gelegenheiten umschauen und abtrünnig werden, mussten diverse Sektenmechanismen weiterentwickelt und verfeinert werden.

Aufbau und Merkmale

Bei den moderneren politischen Ideologien und Systemen sind nicht ganz so leicht auf den ersten Blick die Sektenmechanismen ersichtlich, also muss man hier genau hinschauen, wie stark beispielsweise die sogenannte „Milieukontrolle“ ausgeprägt ist. Bereits in früheren Zeiten war es bei Stämmen, größeren Volksgruppen und Glaubensgemeinschaften üblich, den Umgang mit Fremden Leuten und frem-den Gedanken rigoros zu verbieten oder zumindest stark einzu-schränken. Die Intoleranz und Distanz gegenüber allen Außenseitern sowie auffällige/schräge Kleiderregeln sorgen dafür, dass die Gruppe von Fremden misstrauisch beäugt, gefürchtet, belächelt und mit Kritik und Verschwörungstheorien verleumdet wird. Dadurch ent-steht der bleibende Eindruck bei den Gruppenmitgliedern, nur innerhalb der eigenen Gruppe verstanden, akzeptiert und geschützt zu sein.

Auch typisch für eine Sekte ist der zwiebel-ähnliche Aufbau mit mehreren unterschiedlichen Schichten. Weiter außen sind die pflichtbewussten naiven Mitglieder, die die mühevollen Arbeiten verrichten und neue Mitglieder anwerben. Die Ideologie gibt sich in den äußeren Schichten freundlich und tolerant, aber eher unkonkret. In die weiter innen gelegenen Schichten der Gruppe gelangt nur, wer zu Schandtaten bereit ist und eine viel harschere, intolerantere Linie akzeptiert. Um nach ganz innen vorzudringen, muss man schon eine narzisstische oder antisoziale Persönlichkeitsstörung haben. Die Ideologie dreht sich dort nur noch um persönliche Macht, Fantasien der Selbstvergöttlichung und die Unterdrückung oder Zerstörung anderer.

Weitere sekten-typische Elemente, die wir in Religionen, politisch-ideologischen Gruppen, Staaten oder auch in Konzernen wiederfinden, sind Indoktrinierung, Überwachung, Sanktionen für Abweichler, Gedankenkontrolle Geschichtsfälschung, Irrationalismus, Mythologien, Fantasien über Auserwähltheit, religiöser Flimflam und die Behauptung eines angeblichen Geheimwissens und eines Erlöserauftrags.

So manchem, der in einer westlichen demokratischen Industrienation lebt, dämmert es irgendwann, dass Kultmechanismen auch sein Leben bestimmt haben. Es ist ein Mythos, dass nur Menschen mit niedriger Intelligenz oder Menschen mit persönlichen Defiziten auf Sekten hereinfallen, denn Studien haben immer wieder gezeigt dass Kultmit-glieder sogar hohe Intelligenz besitzen können und beim Eintritt in die Sekte in zwei Dritteln aller Fälle normal sind. Rund ein Drittel hat vor dem Eintritt Schicksalsschläge erlitten und befand sich in einer Trauerphase. Nur 5 bis 6% der Neuzutritte bei Sekten haben psychische Störungen.

Phasen der Indoktrinierung

Eine typische „Kultkarriere“ verläuft in mehreren Phasen, wobei manche Kultmitglieder auf bestimmte Stufen stehen bleiben, passive Mitglieder werden oder aussteigen:

  • Umwerbung und Kontaktaufnahme: Die Sekte spricht Sie an und kann dies auch unter einer Tarnung tun, sodass Sie zunächst einmal gar nicht bemerken, welche Organisation dahintersteckt. Diverse Frontorganisationen sind beispielsweise getarnt als Lebensberatung, Seminar, Meditationsgruppe, Friedensaktivisten, Öko-Vereinigung, als christlicher Verein, Politaktivisten oder Ähnliches. Das Ansprechen kann direkt auf der Straße erfolgen, oder an Ihrem Arbeitsplatz, oder in einem Buch, einer Broschüre oder im Internet. Sekten wollen möglichst viele Leute abgreifen und sprechen deshalb nach außen indirekt viele verschiedene Wünsche an: Selbstverwirklichung, Weltverbesserung, mehr Ruhe, mehr Action, Hilfe für andere, Erleuchtung, Gemeinschaft usw.
  • Die Phase der Zuneigung: Die Sektenmitglieder scheinen gute Zuhörer zu sein und päppeln Ihr Ego, man genießt die neue Gemeinschaft und verbreitet revolutionären Optimismus und Sie entwickeln ein schickes neues Selbstbild. In dieser Phase werden die harmlosen allgemeinen Grundzüge der Ideologie vermittelt.
  • Die Phase des Einwickelns: Die Sekte will immer mehr von Ihrer Zeit und von Ihrem Geld in Anspruch nehmen, Ihre zunehmend radikalere ideologische Entwicklung forcieren und die Methoden der Milieukontrolle werden stärker. Die Propaganda gegen Andersdenkende, Abweichler und Außenseiter wird schärfer. Diese Unerleuchteten werden zunehmend pauschal als destruktiv und psychisch krank verunglimpft. Denkmuster der Sekte, Denkabkürzungen und zirkuläre Logik schleifen sich ein und verdrängen kritisches Denken: „Die anderen können uns nicht verstehen, weil sie nicht bei uns sind!“ Warum sind die anderen nicht bei uns? „Weil Sie uns nicht verstehen.“
  • Die Phase der festen Kontrolle: Das Sektenmitglied schneidet sich von seinen ehemaligen Freunden und Familienmitgliedern ab und widmet sich stärker denn je dem Kult. Er zieht um ins Kultzentrum oder in die Nähe von anderen Kultmitgliedern und will seine Kinder und seinen Partner mitnehmen und auch rekrutieren. Was dem Kult nützt, gilt als moralisch und was dem Kult schadet als unmoralisch. Das Missionieren und Rekrutieren neuer Mitglieder wird zur Pflicht. Andersdenkende und Kritiker, sie sich nicht anwerben lassen gelten nun als Feinde. Ein Ausstieg wird immer schwerer vorstellbar und durchführbar.