Wahlmanipulation zugunsten von Trump

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Als Donald Trump überraschend die Präsidentschaftswahlen gegen Hillary Clinton gewann, wurden von verschiedenen Seiten Vorwürfe laut wegen Wahlmanipulation. Am meisten Aufmerksamkeit erhielt die Debatte um Russenpropaganda, Fake-News und die gehackten E-Mails von John Podesta. Sehr wenig Aufmerksamkeit bekam hingegen die Recherche des respektierten Investigativjournalisten Greg Palast, laut der klassische Taktiken der Wahlfälschung bei den Republicans zum Einsatz kamen. Palast hatte im Jahr 2000 und 2004 identische Vorwürfe der Wahlfälschung geäußert zugunsten von George W. Bush.

Solche Fälschungen zugunsten von Trump passen überhaupt nicht zu dessen Image eines Rebells gegen das Establishment.

Das umstrittene Gewicht von "Fake News"

Im Präsidentschaftswahlkampf bombardierten die Unterstützer von Hillary und Trump das Publikum mit allerhand zweifelhaften Schockmeldungen und Leaks, in der Hoffnung, das Ergebnis zu beeinflussen. Zwar hatten sich die allermeisten Wähler ohnehin schon festgelegt und kümmerten sich herzlich wenig um vermeintliche E-Mail-Skandale oder Ähnliches, aber in einem knappen Rennen entscheiden letztendlich die unentschlossenen Wähler, wer gewinnt. Leaks und Fake News können sehr wohl unentschlossene Wähler in die eine oder andere Richtung bugsieren. Sogar dem FBI wurde vorgeworfen, mit der Auswertung hunderttausender Emails aus Hillarys Umfeld kurz vor dem Wahltag illegal in die Wahl eingegriffen zu haben. Hatte der FBI-Chef wirklich im Sinne, Fake-Meldungen in der Presse mit Hilfe einer Luftnummer zu generieren? Oder führte er ganz normale Ermittlungen durch, die den Wählern ein umfänglicheres Bild vermittelten? Der Fall drehte sich hauptsächlich um Hillarys Umgang mit geheimen Unterlagen auf einem ungesicherten privaten Email-Server.

Unmittelbar vor dem Wahltag erklärte das FBI, dass man keine neuen Beweise gefunden hätte und demnach auch keine Forderung an das Justizministerium stellen würde, den Fall neu aufzurollen. Sofort pochten die Hillary-Medien darauf, dass der ganze Email-Skandal an und für sich ein Fake, also eine Luftnummer gewesen sei, um sie schlecht aussehen zu lassen. Manche von Trumps Unterstützern verstiegen sich gar zu der These, dass das FBI absichtlich viel Wind um nichts gemacht habe, um von den größeren Skandalen im Umfeld der Clintons und ihrer Stiftung abzulenken.

Podesta-Leak

Wer hatte wirklich die Server-Einbrüche bei der Demokratischen Partei und Hillarys Wahlkampf-Leiter John Podesta begangen und das Material an Wikileaks weitergereicht? Die Behörden sind sich sicher, dass russische Geheimdienste dahintersteckten und damit die Wahl zugunsten von Trump manipulierten, der bislang softere Worte gegenüber Putin äußerte als Hillary. Wikileaks und die Trump-Medien hingegen betrachten diese These natürlich als Fake-News. Konservative Webseiten berichteten unter Verweis auf angesehene Beamte wie den Ex-NSA-Mann William Binney oder den ehemaligen britischen Botschafter Craig Murray, dass nicht die Russen, sondern vielmehr entsetzte Ermittlungsbeamte Emails von Clinton an die Öffentlichkeit brachten.

http://www.infowars.com/former-british-ambassador-podesta-emails-leaked-by-washington-insider-not-russians/

http://www.infowars.com/confirmed-us-intel-operatives-leaked-clinton-campaign-emails-not-russia/

Die meisten der von Wikileaks veröffentlichten Emails aus John Podestas gehacktem, privaten Googlemail-Konto sind echt, allerdings ist es durchaus möglich, dass Daten verändert und verfälscht wurden.

http://www.politifact.com/truth-o-meter/article/2016/oct/23/are-clinton-wikileaks-emails-doctored-or-are-they-/

Aber auch mit echten Mails lässt sich allerhand Schindluder treiben. Die New Yorker Künstlerin Marina Abramovic, deren Werke im renommierten New Yorker Museum für moderne Kunst ausgestellt sind, bat John Podesta, eine Einladung zu einem besonderen Abendessen an dessen Bruder weiterzuleiten. Johns Bruder Tony unterstützte die Arbeit von Abramovic mit einer Spende. Das Abendessen für mehrere Unterstützer hatte den Titel „Spirit Cooking“ und hängt zusammen mit esoterischen Gedanken sowie mit den Lehren des bekannten Okkultisten Aleister Crowley. In einem Buch schrieb Abramovic einst Rezepte mit Körperflüssigkeiten, allerdings stellte sie klar, dass solche extravaganten Dinge nicht vorgesehen waren bei dem Dankes-Abendessen für die Spender ihrer neuen Projekte.

Was machten die Trump-Medien aus der Geschichte? Sensationsmeldungen über satanische Rituale im Umfeld von Hillary und John Podesta. Das, obwohl weder Hillary noch John Podesta mit der Künstlerin etwas zu tun hatten. Außerdem darf man nicht vergessen, dass auch die Beatles, die Rolling Stones und weite Teile der Szene der Verschwörungstheoretiker sich mit Okkultismus á la Aleister Crowley beschäftigten.

Wikileaks selbst betonte in den sozialen Netzwerken Mails von Podesta über eine Pool Party mit drei Kindern „für Unterhaltung“ sowie komisches Gerede in mehreren Mails über Käsepizza, Pasta, Nüsse und Soße. Angeblich sei dies eine Codesprache. Irgendjemand postete in den sozialen Netzwerken, dass es sich um Codewörter für verschiedene Arten von Prostituierten handle. Beweise? Null. Trotzdem folgten Sensationsmeldungen im Internet, die sich gegenseitig überboten mit Superlativen. Jeder Blogger tat so, als habe er Quellen im FBI und in der Polizei. Es hieß sogar, die Bundespolizei werde bald Festnahmen machen und einen Pädophilen-Ring ausheben.

http://www.snopes.com/clinton-underage-sex-ring/

Natürlich sollte man das Thema Pädophilie in hohen Kreisen an sich sehr ernst nehmen, denn die Skandale in Portugal und Großbritannien sind schließlich deutlich genug, aber wenn man sich als Presse an das Thema heranwagt, braucht es tatsächlich Fakten und echte Ermittlungen, nicht nur heiße Luft und Twitter-Fakes.

Oftmals sollen glatte Erfindungen einfach dazu dienen, dem jeweiligen Blogger Aufmerksamkeit zu geben und möglichst viele Klicks zu generieren. Im Netz zirkulierte die Fake-Meldung, dass die Clinton-Vertraute Huma Abedin einen Dateiordner mit dem Titel „Lebensversicherung“ auf ihrem Computer hatte, in dem sich äußerst heikles Material über Hillary befand.

http://www.snopes.com/huma-abedin-insurance/

Laut einer weiteren Fake-Meldung gab es einen verdächtigen Suizid-Fall, bei dem ein FBI-Agent ums Leben kam, der den Clintons ein Dorn im Auge war.

http://www.snopes.com/fbi-agent-murder-suicide/

Pizzagate

Die Pizzagate-Verschwörungshypothese entstand durch den Podesta-Leak und wuchs im Internet rasant an, ohne jedoch jemals irgendwelche handfesten Belege zu liefern. Laut der These soll die Pizzeria "Comet Ping Pong" in Washington D.C. Dreh- und Angelpunkt eines einflussreichen Netzwerks von Pädophilen gewesen sein. Ein Konsument von Verschwörungsmedien betrat in der Folgezeit das Restaurant mit einem Sturmgewehr auf der Suche nach gefangenen Kindern. Für diese Aktion erhielt er mehrere Jahre Haft.

Die Verschwörungs-Jäger im Netz haben zwar einige interessante Indizien zusammengetragen, können aber den Wert ihrer Funde sowie die Konsequenzen ihrer voreiligen, amateurhaften Veröffentlichungen nicht einschätzen. Es werden zwar immer neue Indizien gefunden, aber immer noch ist alles dermaßen schwach, dass kein anständiger Richter der Welt einen hinreichenden Tatverdacht erkennen und beispielsweise einen Durchsuchungsbefehl ausstellen würde.

Diese Wahrheit wollten die Internet-Amateure aber nicht hören. Sie wollten auch nicht hören, dass die vorschnelle öffentliche Kampagne in den sozialen Netzwerken möglicherweise Täter gewarnt haben könnte.

Ausschlaggebend für die Pizzagate-Hypothese war ein Email-Wechsel zwischen Podesta und dem Betreiber des Restaurants. Die häufige und seltsame Verwendung von Begriffen wie "Käsepizza" klang wie Code-Sprache von Kriminellen. Im Internet wurden erfundene Erläuterungen herumgereicht, laut denen die vermeintlichen Codewörter typisch für Pädophile seien.

Vorwürfe klassischer Wahlfälschung von Greg Palast

Der bekannte Investigativautor Greg Palast, der schon den zweifachen Wahlbetrug zugunsten von George W. Bush aufdeckte, enthüllte dass 2016 exakt die gleichen Methoden zum Einsatz kamen. Die Tatsache, dass die Democrats dies einfach so hingenommen haben ohne großen Protest, spricht Bände.

Hohle Worte gegen Clinton

Für Hillarys Lager galten Gerüchte über schwere gesundheitliche Probleme der Kandidatin erstunken und erlogen, während die Gegenseite nicht nur Hillary der Lüge bezichtigte, sondern auch die linksliberalen Massenmedien. Trump ließ vermeintliche Opfer von Bill Clintons ungezügeltem Sextrieb aufmarschieren, die Hillary vorwarfen, die Angelegenheiten vertuscht zu haben. Hillary ließ vermeintliche Opfer Trumps aufmarschieren, die von sexuellem Missbrauch sprachen, worauf Trump gerichtliche Klagen wegen Verleumdung ankündigte.

Heftige Attacken im Präsidentschaftswahlkampf sind an sich nichts Neues, aber noch nie sahen wir eine solche Masse und Vehemenz an Vorwürfen. Der Höhepunkt war ein denkwürdiger Moment in einer der TV-Präsidentschaftsdebatten, als Hillary erklärte, sie fürchte sich vor dem Gedanken, dass ein wütender und unkontrollierter Mann wie Trump an der Spitze des Landes stehen könnte. Trump konterte, dass Hillary allen Grund zur Beunruhigung habe, denn mit Trump an der Spitze würde Hillary im Gefängnis landen.

Nach der Wahl gab sich Trump aber auf einmal sehr zahm und war wieder voller Respekt für die Clintons und die Obamas. Strafrechtliche Konsequenzen für Hillary sind wahrscheinlich vom Tisch. Trumps Tochter ist schließlich auch mit der Clinton-Tochter bestens befreundet.

Folgen der Fake News und Gerüchte

Studien zeigen, dass die Nachrichten, die auf sozialen Netzwerken geteilt werden, oftmals gar nicht wirklich von der jeweiligen Person gelesen wurden. Diejenigen, die den Bericht geteilt bekommen, lesen ihn meist auch nicht, sondern teilen ihn mit anderen, die genauso zu faul zum Lesen sind.

Es mag zwar den Konservativen und Linksliberalen kurzfristig genützt haben, mit zweifelhaften und auch größtenteils erfundenen Meldungen im Wahlkampf zu punkten, allerdings hätte mit Klarheit und Ehrlichkeit ein größerer und vor allem nachhaltigerer Effekt erreichen können. Die vielen Millionen Hillary-Fans im Land glauben nämlich künftig den konservativen Medien kein einziges Wort mehr und ziehen sich immer mehr zurück in ihre Filterblase, wo sie nur noch Bestätigungen für ihre Überzeugungen finden und ihren Lieblingsmedien jedes Wort glauben. Umgekehrt befinden sich die Trump-Fans nun ihrerseits in einer Filterblase.